Kompakte Camper Das neue Maß

Camping in Deutschland boomt. Besonders beliebt bei Reiselustigen sind Kastenwagen der Fünf-Meter-Klasse - mit teils abenteuerlichen Namen. Unser Autor verrät, was Michelangelo und Wildcamp wirklich können.

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Vom Caravan Salon in Düsseldorf berichtet Christian Frahm


Nicht zu groß soll es sein und am besten noch in die Tiefgarage passen. Trotzdem soll das Reisemobil alles bieten, was man im Urlaub braucht: etwa vier Schlafplätze, Kocher, Spülbecken, Kühlschrank, eine Toilette inklusive Dusche. Stauraum wäre auch nicht schlecht. Und das alles bitte noch zu einem bezahlbaren Preis.

Camping ist so beliebt wie nie. Im ersten Halbjahr wurden rund 46.500 Reisemobile und Caravans in Deutschland neu zugelassen - ein Plus von 10,7 Prozent. "Caravaning trifft den Nerv der Zeit und ist als attraktive Urlaubsform überall in der Gesellschaft angekommen", sagt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD). Besonders stark entwickelt sich dabei das Segment der kompakten Kastenwagen mit einer Länge um die fünf Meter. Bei vollwertiger Ausstattung sind die Abmessungen dieser Fahrzeuge dennoch kompakt. Das hat den Vorteil, dass sie sich auch in der Stadt leicht bewegen lassen und daher selbst für den Alltag geeignet sind. Mancher will das vermeintliche Urlaubsfahrzeug als Erstwagen fahren.

Karmann Danny

Immer mehr Hersteller reagieren auf diesen Trend und steigen mit neuen Modellen in dieses Segment ein. Auf dem diesjährigen Caravan Salon stehen daher zahlreiche Kompaktcamper. Der Reisemobilhersteller Karmann beispielsweise präsentiert das Modell Karmann Danny auf Basis des Fiat Talento in zwei verschiedenen Varianten. Den Danny 490 mit einer Länge von 4,99 Metern und den Danny 530 mit einer Fahrzeuglänge von immer noch kompakten 5,39 Metern. Beide Modelle verfügen über ein Aufstelldach, das gegen Aufpreis auch elektrisch ausfährt, eine Küchenzeile und vier Schlafplätze.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Karmann Danny - mit unserem 360-Grad-Foto:

Der größte Unterschied liegt im Heck der Fahrzeuge. Während die kurze Variante dort Stauraum für Gepäck und ein paar Schrankfächer bietet, ist im längeren Modell stattdessen eine Toilette inklusive Dusche untergebracht - auf einer Länge von 5,40 Metern ein kleines Kunststück. Zwar liegt die Nasszelle etwas verwinkelt in der Ecke, bietet aber bei aufgestelltem Dach ausreichend Platz, um sich frisch zu machen. Als Basismotor dient bei beiden Modellen ein 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS. Die Preise für den Danny 490 starten bei 42.490 Euro, die längere Version bei 44.990 Euro.

Westfalia Michelangelo

Vom Ausbauer Westfalia kommt das neue Modell Michelangelo auf Basis des Nissan NV300. Aus der erstmaligen Kooperation des Traditionsausbauers mit dem Autobauer Nissan ist ein 4,99 Meter langes Fahrzeug mit bis zu sechs Sitzplätzen, vier Schlafplätzen, einer Küchenzeile, einem Tisch, drehbaren Sitzen und reichlich Stauraum entstanden. Mit eingeklapptem Aufstelldach ist das Fahrzeug zudem nur zwei Meter hoch und passt damit noch gerade in jede Tiefgarage. Durch die variablen Sitze wird es im Handumdrehen vom Sechssitzer zum Transporter mit 3300 Litern Ladevolumen für den Großeinkauf. Mit einem Preis ab 57.994 Euro (davon 17.600 Euro für den Umbau durch Westfalia) ist das Gefährt allerdings nicht das günstige in diesem Segment.

Ford Nugget Plus

Der Nugget ist inzwischen auch schon ein Klassiker im Kastenwagensegment. Nun präsentiert Ford den in Kooperation mit Westfalia ausgebauten Camper als Ford Nugget Plus mit langem Radstand und einem rund 37 Zentimeter längeren Innenraum. Der wird genutzt für eine fest eingebaute und mit Sichtschutz abgeschirmte Toilette auf der rechten Heckseite und für ein Klappwaschbecken hinter dem ebenfalls im Heck montierten Küchenblock. Eine Außendusche an der Küchenrückseite gibt es auch. Das seit mittlerweile drei Jahrzehnten bewährte Zweiraumkonzept - also die Trennung von Wohn- und Küchenbereich - wird beibehalten.

Der Ford-Camper startet mit 2,0-Liter-Dieselmotor mit 130 PS und manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe bei 58.963 Euro und feierte sein Debüt bereits im Januar 2018 auf der CMT in Stuttgart.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Ford Nugget Plus - mit unserem 360-Grad-Foto:

Citroën Typ H Wildcamp

Ein sehr außergewöhnliches Modell zeigt Citroën mit dem Typ H Wildcamp. Der kantige, 5,41 Meter lange Campingbus erinnert von außen an den alten Citroën HY inklusive Wellblechoptik. Die Karosserieteile bestehen aus Fiberglas und sind im damaligen Originalfarbton gehalten, der den Namen "Beige Gazelle" trägt. Der Ausbau ist identisch mit dem Roadcamp R des Reisemobilherstellers Pössl. Darin enthalten sind ein Küchenmodul mit zweiflammigem Gasherd, Edelstahlspüle, 64-Liter-Kühlschrank und - je nach Grundriss - verschiedene Badlösungen. Im Heck befindet sich ein 1,96 mal 1,32 Meter großes Bett. Das extravagante Design des Campers hat seinen Preis: mindestens 68.729 Euro kostet das Retromobil. Insgesamt sollen nur 70 Exemplare in Anlehnung an das 70. Jubiläum des Citroen HY gebaut werden.

Westfalia Kepler Sixty

Ebenfalls auf der Retrowelle surft der Hersteller Westfalia, der das Modell Keppler Sixty auf Basis des VW T6 mit langem Radstand auf dem Caravan Salon präsentiert. Äußerlich erinnert der Sixty in Weiß-Rot an den schon bekannten California Ocean von VW. Außen gibt es viel Chrom, wie beispielsweise bei den Türgriffen oder Blinkern. Auch die Felgen oder das Sixty-Logo an den Kotflügeln glänzen chromfarben, ebenso wie hinten angebrachte Lamellen, die an die Lüftungsschlitze der älteren Fahrzeuge mit Heckmotor erinnern sollen.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Westfalia Kepler Sixty - mit unserem 360-Grad-Foto:

Westfalia hat das Zweifarbenkonzept allerdings auch im Innenraum konsequent durchgezogen, wo auch Sitze und Schrankdekor in Rot und Cremeweiß gehalten sind. Leider verfügt der Camper bei einer Länge von 5,30 Metern nicht über eine zusätzliche Nasszelle. Wer aber auf Rockabilly-Charme im Stile eines American Diner steht, für den ist der Kepler Sixty genau das Richtige. Preise gab Westfalia noch nicht bekannt.

Weitere Modelle der Fünf-Meter-Klasse gibt es in der folgenden Bildergalerie:

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24  Bilder
Caravan Salon 2018: Fünf für alle Fälle


insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
digge8 29.08.2018
1. nix neues
Ist ja kein Wunder, dass die camper kleiner werden. So hat ja kaum noch einer der Zielgruppe einen Führerschein Klasse C also mehr als 3,5 t Gesamtgewicht. Und bei allen anderen (Führerschein nach 2000 gemacht) ist normal PKW auf besagten Wert begrenzt.
quark2@mailinator.com 29.08.2018
2.
Die scheinen alle viel voneinander abzuschreiben, bzw. sie nähern sich vielleicht auch unabhängig dem gleichen Optimum an. Was mich wundert ist, daß es keinen anderen Zuschnitt gibt. Ich fände z.B. eine Variante für 2 Personen interessant, wo die Küche zur Nutzung nach draußen geklappt wird - unter ein Vor/Seitenzelt - ohne Bad, sondern gezielt zur Nutzung auf Campingplätzen, wo man die vorhandenen Installationen nutzen kann. Also insgesamt preiswerter, da auch die aufwändige Dachkonstruktion wegfällt. Naja und was mir schon lange fehlt, ist eine Variante, wo ich das Wohnteil auf dem Campingplatz abstellen und das Fahrzeug dann getrennt nutzen kann. Ich hab das mal als Sonderanfertigung auf Basis eines T5 gesehen - tolle Sache.
c.PAF 29.08.2018
3.
Schick schick, aber für 2 Erwachsene und 2 Kinder doch seeehr eng, und wenn dann noch 2 große Hunde dazu kommen... Nichts für uns, zumal man mit den Kisten nicht autark ist und immer auf einen Campingplatz muß. Aber zum Glück haben wir für uns eine passende Lösung gefunden, können bis zu 7 Tage autark stehen (dann geht das Wasser aus) und zertreten uns nicht, wenn er mal ein paar Tage schlechtes Wetter gibt. Aber für den Normalcamper sicher sehr schöne Fahrzeuge.
spon-facebook-10000015195 29.08.2018
4. Westfalia Kepler Sky
Warum dieser ganze Chrom? Das meiste davon werden wohl plumpe Kumststoffapplikationen sein, die recht schnell unansehnlich werden durch Kratzer und Verwitterung. Und leider sind die VW Camper inzwischen überteuert bei nur noch mittelmäßiger Qualität.
vomDeich 29.08.2018
5. Prima und vor allem teuer
Ist ja kein Wunder das unsere Regierung meint es geht uns gut, um die 60 000.- Euro für ein Auto mit Schlafplatz. Da bin ich bereits im Preisbereich eines Wohnmobil oder Kastenwagens, ja auch wenn die Banken das gerne finanzieren, ich persönlich meine das ist ein teures Übernachten, so schön dieses Hobby auch ist.
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