Caravan-Salon Düsseldorf So groß wie noch nie

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub - das wird besonders deutlich auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf, der am Freitag beginnt. Zu sehen gibt es das Neueste der Branche. Darunter einen "Mehrzeller", die erste individuell gestaltbaren Wohnwabe.

Von Gesa Rathke


Campingurlaub auf Eigenheim-Niveau - das ist der große Trend der Caravan- und Wohnmobil-Branche in diesem Jahr, nachdem zuletzt vor allem technische Neuerungen im Vordergrund standen. Beim Caravan-Salon in Düsseldorf vom 29. August bis 7. September zeigen 585 Aussteller aus 22 Ländern rund 2000 Freizeitfahrzeuge - ein Mammutprogramm in den elf klimatisierten Hallen. Damit ist die Fachmesse für Freizeitfahrzeuge 2008 die größte in ihrer bislang 47-jährigen Geschichte. Der Veranstalter rechnet mir mehr als 160.000 Besucher, die das Angebot vom kleinen Einsteigermodell bis hin zum teuren Luxusmobil bestaunen können.

Neben der Größe der Messe hat sich auch die Zielsetzung der Caravanindustrie verändert - die Inneneinrichtung nämlich ähnelt immer mehr dem des Heimbereiches und wartet mit Komfort der Oberklasse auf. Ein Beispiel ist der Tabbert Paganini. Der neue Premium-Caravan des Herstellers aus Sinntal ist mit Lederpolstern und Mahagoni-Echtholzfurnier ausgestattet. Die indirekte Beleuchtung sowie der verarbeitete Mineralwerkstoff in Küche und Bad verbreiten fast schon Villen-Atmosphäre. Und damit diese im Stillen genossen werden kann, sorgt das neu konstruierte, sechs Zentimeter dicke Dach bei Regen für einen verbesserten Schallschutz und ein ruhigeres Schlafen.

Neben der Tendenz zu mehr Luxus, tritt auch der Kostenfaktor in den Fokus der Hersteller. "Für die Saison 2009 erwarten wir einen Doppeltrend in der Weise, dass zum einen leichte, sparsame Fahrzeuge ebenso deutlich gefragt werden wie luxuriöse Modelle mit Vollausstattung", erklärt Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes.

Gleich beide Trends integriert das Reisemobil Innovison in Halle 17. Der Motor des Modells der Marke Hymer zieht seine Stärke aus Flüssiggas, das dürfte auf längeren Urlaubsreisen die Spritkosten deutlich senken. Die zahlreichen Stromfresser im Inneren des Fahrzeugs werden von einer gasbetriebenen Brennstoffzelle versorgt. Zusätzliche Energie liefert bei Bedarf die Markise, in die hauchdünne Solarmodule eingearbeitet sind. Überhaupt setzt der Innenraum mit einem Massagesitz und einem Relaxsofa neue Standards in punkto Wohlfühlen an Bord.

Profis zeigen, wie man auf engstem Raum kocht

Eine weitere Entwicklung zeigt sich beim Kochen. "Etwa 50 Prozent der Caravan-Reisenden bereiten die Speisen in ihrer eigenen Küche zu", sagt Helmut Winkler, Direktor des Caravan Salons. "Aus diesem Grund haben wir dieses Thema in den Vordergrund der diesjährigen Messe gerückt." Täglich finden in Halle 12 verschiedene Kochvorführungen von Fernseh- und Sterneköchen statt, bei denen sie den Besuchern Tipps zum Kochen in beengten Räumen geben. Auch einige Caravanhersteller haben das Problem erkannt. Beim schon erwähnten Modell Innovision etwa können Kochstelle und Spüle komplett nach außen geschwenkt werden.

Der begrenzte Raum und seine optimale Nutzung gehören weiterhin zu den anspruchvollsten Aufgaben, vor denen Caravan- und Wohnmobilhersteller stehen. "Intelligente Lösungen zum Thema Raumaufteilung sind das aktuelle Thema für die kommende Saison", sagt Messedirektor Winkler. Die Möglichkeiten des Raumgewinns sind vielfältig. So gibt es neuerdings Schlafplätze, die sich von der Decke senken. Oder der komplette Wagen wird von vornherein den speziellen Bedürfnissen angepasst.

Diplomarbeit als Prototyp auf der Messe

Hierbei sticht der Prototyp des Mehrzellers hervor. Der erstaunliche Wohnwagen ist eigentlich die Diplomarbeit der Architektur-Studenten Theresa Kalteis und Christian Freissling von der TU Graz. Die Pläne wurden inzwischen umgesetzt; in der Tischlerei Freissling entstand der Prototyp, der nun auf dem Caravan-Salon präsentiert wird. Das Gefährt erinnert an ineinander verschachtelte Waben, und der Clou daran ist, dass die Form nahezu beliebig variiert werden kann. Mit Hilfe eines Online-Konfigurators haben Messebesucher die Möglichkeit, den Wohnwagen nach eigenen Wünschen und Anforderungen zu gestalten. So wäre jedes Fahrzeug - wenn denn eine Serienfertigung zustande kommt - sowohl von außen, als auch von Innen ein Unikat.

Wem das noch immer nicht genügt, kann mit dem Offroader der Hamburger Firma 3DOG Camping extreme Regionen erkunden. Das geländegängige Modell eignet sich dank seines besonders robusten Fahrwerkes und idealer Offroadwerte bestens für unwegsames Terrain. Selbst tiefere Gewässer sind für den Offroader mit 570 Millimetern Wattiefe kein Hindernis.

Der Absatz von Reisemobilen steigt

Dass Wohnwagen und Wohnmobile regen Zuspruch finden, zeigen die Verkaufszahlen. Zwar fielen die für Caravans um rund 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die Reisemobilindustrie verbuchte hingegen einen Plus von fast 13 Prozent. Der Grund für diese Entwicklung liegt jedoch nicht ausschließlich in der unterschiedlichen Nutzung beider Fahrzeugtypen. "Grundsätzlich ist festzustellen, dass Reisemobile mit einem Durchschnittskaufpreis von rund 54.000 Euro einen deutlich stärkeren finanziellen Background erfordern als Caravans mit einem Durchschnittspreis von circa 14.500 Euro", erklärt der Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes.

"Dementsprechend sind Käufer neuer Reisemobile in der Regel weniger von konjunkturellen Schwankungen betroffen als Caravankunden, bei denen sich die Kostenschere zwischen Ausgaben und Einkommensentwicklung weiter geöffnet hat", so Sternberg weiter. Gerade für Normalverdiener sei ein neuer Caravan trotz geringer Preissteigerung kaum noch erschwinglich. Die erhebliche Nachfrage im Second-Hand-Bereich zeige laut Sternberg aber ein ungebrochenes Interesse an Caravans. Und dennoch wird aufgrund der finanziellen Entwicklung erwartet, dass sich der Trend zum Reisemobil sowohl in Deutschland wie auch in Europa fortsetzen wird.



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