Carma Sutra Liebe geht durch den Wagen

Ob das Auto ein Phallusersatz ist, mögen Psychologen entscheiden. Unstrittig ist hingegen, dass der Pkw eine Liebeslaube ist. Ein Sex-Ratgeber aus den USA zeigt, in welchen Modellen welche Position zum erwünschten Effekt führt.


Glaubt man einschlägigen Statistiken, entlädt sich die Libido - abgesehen vom Bett - nirgends öfter als im Auto. Wo ein Wille ist, findet sich häufig auch ein (Wald)weg. Doch ganz einfach ist der Akt im Auto nicht: Mal mangelt es an Kopffreiheit, mal stört die Gangschaltung, mal fehlt der Platz zum Ausholen, und wie zum Teufel finden Paare in einem Taxi zueinander?

Die US-Autoren Alex Games und Ester Selsdon versuchen, derartige Fragen in ihrem Buch "Carma Sutra" zu klären. Das autoerotische Handbuch für "In-Car-Entertainment" hat - als Fibel für PS-Pornokraten - durchaus das Zeug zum Bestseller. Bislang gibt es das Werk allerdings nur in Englisch. Doch viele Skizzen und etwas Phantasie helfen locker über sprachliche Lücken hinweg.

An erster Stelle steht die Wahl des Wagens. "Wer mit dem Carma Sutra beginnt sollte sich sein Auto genau anschauen", raten die Autoren und stellen folgenden Fragenkatalog auf: Was taugt die Federung? Hat das Auto ein Stahl- oder Stoffdach? Sind die Fenster getönt? Gibt es Schalensitze oder Bänke? Wie groß ist die Kopffreiheit? Und, besonders wichtig: Wo sitzt der Schaltknüppel und was für ein Getriebe ist verbaut?

Nicht, dass man während des Liebesspiels auch noch fahren sollte. Doch eine Automatik mit Lenkradschaltung bietet einfach mehr Bewegungsfreiheiten im Innenraum. Andererseits: Während sich ein Wagen mit Handschaltung nach dem Akt zur Not auch wieder anschieben lässt, wenn die Batterie zu lange das von Meat Loaf besungene "Paradise by the Dashboard Light" spielen musste, wird das bei einer Automatik schwieriger.

Achtung bei Alarmanlagen und Vinylsitzen

Aufgemacht ist das Buch, das zunächst unabhängig vom Fahrzeugtyp die besten Standardpositionen für Anfänger zusammenstellt, wie eine Gebrauchsanweisung, die vor allem auf Gefahren und Risiken beim Liebesspiel im Wagen hinweist - nicht verwunderlich bei einem US-Buch. Dass Vinylsitze heiß und glitschig werden können, dass bei all zu heftiger Gangart die Alarmanlage anspringen kann, dass man tunlichst Finger und Füße von der Handbremse lassen sollte, und dass der Spaß ganz schnell vorbei sein kann, wenn man - mit welchem Körperteil auch immer - zu stark auf die Airbag-Verstecke drückt. Vorsicht empfehlen die Autoren auch bei den Knöpfen der Sitzverstellung. Und auch das Radio sollte tabu sein, "es sei denn, Sie können es in jedem Rhythmus".

Wie groß die Spielwiese im Auto sein kann, zeigt eine Übersicht der besten und beliebtesten PS-Positionen auf dem Fahrersitz, in der Waschstraße, auf der Rückbank, auf der Motorhaube (nur beim eigenen Auto, bitte!) – und im Kofferraum. Im Kofferraum? Ja, schließlich geht es um US-Autos, die allemal groß genug sind für solche Späße. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Denn erstens haben viele amerikanische und japanische Modelle eine Notentriegelung, deren unachtsame Betätigung je nach Parkplatz und Verkehrsdichte die intime Zweisamkeit schnell zunichte machen könnte. Zweitens sei die empfohlene "Löffelchen-Stellung" so entspannend, dass man danach einzuschlafen drohe, jedoch der Sauerstoff unter dem Heckdeckel oft nur für 15 Minuten reiche. Statt langer Leidenschaft bleibt deshalb nur der Quickie, oder wie Alex Games und Esther Selsdon es formulieren: die "Kirsche auf dem Kuchen".

Auch für Motorradfahrer gibt es Tipps

Zu den Highlights des Buches zählen die Tipps für spezielle Autos. Schließlich erfährt man auf den Skizzen, wo und wie man in Fahrzeugen wie dem Jeep Wrangler (Motorhaube), dem Ford Pick-up F-350 (Ladefläche), im Toyota Prius (Rückbank), im Ford GT40 (auf den Knien) oder im Lincoln Town Car (je nach Lust und Laune) am besten zueinander findet.

Selbst für Motorradfahrer und für den doch arg engen Mazda MX-5 kennen die Sexperten eine Lösung. Aber die Krönung ist – außer der Gruppenstunde in der Stretchlimousine - der Vergleich zwischen den Taxen in New York und London: Während die einen eng und in der Regel schmutzig sind, dafür aber von etwas freizügigeren Chauffeuren gesteuert werden, habe man in den anderen mehr Platz und die neugierigeren Fahrer. Allerdings ist in New York der Sex in der Öffentlichkeit verboten, und Gebühren zahlt man hier wie dort auch im stehenden Verkehr.

Wie es sich für ein gutes Handbuch gehört, stehen im letzten Kapitel auch ein paar Tipps für Wartung, Pflege und Trouble Shooting – und zwar nicht nur, wenn beim Auto was schief läuft. So vermeidet Mann nach den Erfahrungen der Autoren lästige Fehlzündungen, wenn er im Geiste sein Autokennzeichen, die Versicherungsnummer oder den empfohlenen Reifendruck rekapituliert. Wer Starthilfe benötigt, dem werden auch im Auto romantische Musik, Geduld und Zärtlichkeit empfohlen. Und falls irgendwann die Batterie am Ende sein sollte, wird dringend zur Variation von Pkw oder Position geraten. Gut, wenn dann das "Carma Sutra" im Handschuhfach liegt.


Alex Gaines u. Ester Selsdon: "Carma Sutra: The Auto-Erotic Handbook; A Manual of Sex Positions for In-Car Entertainment"; 80 Seiten; erschienen bei Dk Pub;· ISBN-10: 0756624614.



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