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Carsharing: Die neue Landlust

Von Heimo Fischer

Carsharing: Geteilte Freude am Fahren Fotos
Ford

In deutschen Großstädten boomt das Carsharing-Geschäft. Auf dem Land ist die gemeinsame Nutzung von Leihwagen noch die Ausnahme. Neue Anbieter wollen das nun ändern.

Der neue Geschäftszweig von Manuel Heuck läuft gut. Vor einem Jahr ist der Ford-Händler aus Wernigerode ins Carsharing-Geschäft eingestiegen. Mittlerweile sind seine fünf Leihwagen zu 25 Prozent ausgelastet. "Ein guter Wert", sagt Heuck. Die Umsatzkurve zeigt nach oben. Zum Jahreswechsel will der Juniorchef von Auto Ackert einen Kleinbus in den Fuhrpark aufnehmen.

Dem Autohändler ist in dem Harzer Städtchen etwas gelungen, was in Deutschland außerhalb großer Ballungsräume noch selten glückt: Er verdient Geld mit Carsharing. Normalerweise lohnt die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen eher in Städten wie Berlin, München, Hamburg oder Köln, wo die Wachstumsraten bei bis zu 35 Prozent liegen.

Ganz anders auf dem Land. Dort lassen sich die ausgeklügelten Carsharing-Arrangements der großen Anbieter wie Car2go oder DriveNow nur schwer umsetzen. Denn sie betreiben stationsunabhängige Systeme. Das heißt, die Mietwagen stehen irgendwo am Straßenrand. Ihre Position ist per Smartphone abrufbar. Nach der Fahrt lässt man sie einfach stehen, der nächste Nutzer findet sie bestimmt. Auf dem Land allerdings sind dafür die Distanzen zu groß. Wer zum nächsten Auto bis ins Nachbardorf laufen muss, verzichtet lieber. "Unser Modell ist eher für Ballungsräume geeignet", bestätigt Andreas Leo, Sprecher von Car2go.

Ford interessiert sich für ländliche Regionen

Die meisten potenziellen Kunden gibt es bislang noch in den Metropolen. Nach einer Forsa-Umfrage vom Juni dieses Jahres können sich 25 Prozent aller deutschen Großstädter vorstellen, Carsharing zu nutzen. In kleineren Orten liegt ihr Anteil bei 13 Prozent.

Anbieter wie Ford interessieren sich dennoch für ländliche Regionen. "Unsere Strategie war es von Anfang an, nicht in die Großstädte zu gehen", sagt Tanja Neuderth, die bei Ford für Carsharing zuständig ist. Denn in den Ballungsräumen liefern sich die Anbieter bereits einen heftigen Verdrängungswettbewerb. Ford setzt darauf, dass sich auch auf dem Land eine breitere Kundenbasis für Carsharing bilden wird. Einen Durchbruch, sagt Neuderth, könnte zum Beispiel eines Tages das führerlose Fahren bringen. "Wenn das Carsharing-Auto selbstständig zum Kunden kommt, haben wir es mit einem völlig neuen Angebot zu tun."

Rund 40 Händler der Automarke bieten derzeit Carsharing in Deutschland an. Sie arbeiten auf eigene Rechnung. Fahrzeuge, Wartung, Reparaturen und Treibstoff finanzieren sie selbst. Die Kunden zahlen für einen Ford Ka 1,50 Euro die Stunde, ein ganzer Tag kostet 39 Euro. Für jeden Kilometer fallen nochmal 19 Cent an. Hilfreich ist der Schulterschluss mit einem großen Partner. Ford arbeitet mit Flinkster zusammen, dem Carsharing-Anbieter der Deutschen Bahn.

Abholstationen müssen gut erreichbar sein

Ob sich das Geschäft lohnt, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Wernigerode beispielsweise hat eine Hochschule, außerdem kommen regelmäßig Wanderer und Wintersportler in den Urlaubsort. Die Stadt unterstützt außerdem das Angebot, zum Beispiel mit kostenlosen Stellplätzen. Wichtig ist außerdem, ob sich Carsharing mit anderen Mobilitätsangeboten kombinieren lässt. Sind die Abholstationen gut mit dem Fahrrad oder mit Bussen erreichbar, sind die Erfolgschancen viel größer.

Carsharing ist nur rentabel, wenn es mindestens 15 Fahrberechtigte pro Auto gibt. In dünn besiedelten Gebieten ist das nicht immer machbar. Dort organisieren sich Anbieter in Genossenschaften oder Vereinen und setzen auf ehrenamtliche Helfer. "Nur so können sie profitabel arbeiten", sagt Gabi Lambrecht vom Bundesverband Carsharing.

Eine immer größere Rolle spielen völlig neue Mobilitätsangebote. So wie das von Gunnar Froh, Gründer des Carsharing-Anbieters Wundercar, eine Plattform für Mitfahrgelegenheiten. Die Fahrer erhalten dafür ein Trinkgeld, von dem sich Wundercar 20 Prozent abzweigt. Im Moment lässt sich das Angebot nur in einigen Großstädten nutzen. Doch Froh will es auf ländliche Regionen ausdehnen: "Wir arbeiten daran."

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1.
Stäffelesrutscher 16.11.2014
*Seufz* Es sind keine Leihwagen. Carsharing ist etwas anderes als S*xt oder H*rtz. Warum wird in diesen Artikeln eigentlich fast immer das "echte" Carsharing verschwiegen, nämlich das mit festen Standorten, auf die man sich verlassen kann? Nur weil der Vorreiter nicht mehr Stattauto heißt?
2. Carsharing
NauMax 16.11.2014
Für mittelgroße bis große Städte ein durchaus interessantes Konzept, aber wie soll das in einer 1.000 Seelen Gemeinde rentabel sein? Oder bei Fahrtstrecken über mehrere dutzend Kilometer? Auf dem Land ist man auf ein eigenes Auto angewiesen, auch wenn das vielen "Alternativen" aus der Großstadt nicht so ganz klar zu sein scheint.
3. Ausgerechnet
oldhenry49 16.11.2014
dort,wo Car2go erstmals eingeführt wurde,nämlich in Ulm,wird es zum Jahresende wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt. Ein Raum mit 180 000 Menschen reicht wohl lange nicht aus um wirklich rentabel zu arbeite,es sollten mindestens 500 000 sein,wie man hört. Da wären natürlich Händler die sich am Carsharing beteiligen,doch für solche Gegenden interessant.
4. Das Stationskonzept
pterodactylus 16.11.2014
finde ich auch viel besser, als dieses Abstellen und per Handy suchen. a) ich hab 3 Stationen in 300m Entfernung, b) ich hab einen festen Parkplatz und c) mit Buchung per Internet 10min vorher hab ich (vllt. mit Ausnahme von Samstag mittag) immer ein Auto in passender Größe(!) da. Ich muss also weder suchen noch groß voraus planen. Und wenn ich doch mal zum großen Möbelmarkt bekannter Marke fahre, dann weiß ich das nen Tag vorher und hab dann den entsprechenden Transporter und keinen Smart oder Ka. Und im Sommer dann das Cabrio. Bei welchem Suchcarsharing gibts das? Ich frage mich auch, warum diese Art Carsharing nie genannt wird!
5. Bringt nichts
jetbundle 16.11.2014
Ich hab's Jahrelang ausprobiert, aber Carsharing ist nicht mit dem eigenen Auto zu vergleichen. Mein Auto steht in der Garage und ist auch Spontan an einem Sonnen-Sonntag oder zur Einkaufszeit am Samstag verfügbar, wann und wie lange ich will. Und in die Garage sind es wenige Schritte, ich muss nicht erst mit dem Fahrrad zu Station fahren. Mein Auto ist auch so sauber wie ich es will, so ausgestattet und mit meinem Krimskrams. Und nach der Rechnung vom Artikel kostet ein Wochenendausflug mit 2x300km Fahrstrecke 200 Euro. Mich kostet es zunächst 50 Euro für den Sprit, und die 150 Euro sind schon mehr als die Hälfte der Fixkosten inklusive Abschreibung. Ganz zu schweigen dass die gewonnene Handlungs- und Bewegungsfreiheit unbezahlbar ist. Dazu bringt mir ein Ford Ka nichts. Da passt gerade mal ein paar Wanderstiefel oder ein Einkauf rein. Schon bei den Skiern wird es knapp. Und ein Auto wie ich es hab kostet für den genannten Wochenendausflug schon 300 Euro oder mehr. Und da hab ich dann im Vergleich die Fixkosten des Monats komplett drin.
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