Car2Go und DriveNow Was man zur Carsharing-Fusion wissen muss

Lange wurde spekuliert, nun herrscht Gewissheit: BMW und Daimler wollen ihre Carsharing-Sparten DriveNow und Car2Go zusammenlegen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Fusion hier.

Car2Go-Smart
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Von Christian Frahm


Warum schließen sich Car2Go und DriveNow zusammen?

Mobilitätsdienste gewinnen für Autobauer zunehmend an Bedeutung. Viele wollen daher weg vom reinen Verkauf von Fahrzeugen, hin zum Angebot von Dienstleistungen rund ums Auto. Durch die Zusammenlegung ihrer Carsharing-Dienste wollen sich BMW und Daimler gegenüber Konkurrenten aus den USA oder China wie dem Fahrdienstanbieter Uber oder Didi Chuxing Marktanteile sichern. "Als Pioniere des Automobilbaus werden wir nicht anderen das Feld überlassen, wenn es um die urbane Mobilität der Zukunft geht", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Es werde künftig mehr Menschen als heute geben, die in den Städten auf ein eigenes Auto verzichten, aber trotzdem sehr mobil sein möchten.

Bereits vor Monaten hatten BMW und Daimler ihre bisherigen Partner aus DriveNow und Car2Go herausgekauft, um freie Hand zu haben. Daimler übernahm vom französischen Autovermieter Europcar dessen Minderheitsanteil an Car2Go, BMW erwarb die Sixt-Anteile an DriveNow.

Was ändert sich für die Kunden beider Anbieter?

Erst einmal gar nichts. Denn der Zusammenschluss der beiden Carsharing-Dienste muss erst von den Kartellbehörden geprüft und genehmigt werden. Bis das soweit ist, fahren die Kunden von Car2Go und DriveNow zu den gewohnten Bedingungen weiter.

Welche Vorteile hat das Joint Venture für die Kunden?

Für die Nutzer der Dienste stehen durch den Zusammenschluss bald deutlich mehr Fahrzeuge zur Verfügung. Ein freies Fahrzeug im Stadtgebiet zu finden, könnte dadurch künftig deutlich einfacher sein. So bringt Anbieter Car2Go 14.000 Fahrzeuge und DriveNow 6000 Autos in den Zusammenschluss ein. Außerdem vergrößert sich das Angebot für den Kunden, da BMW und Daimler neben der Carsharing-Sparte auch weitere Mobilitätsdienste in das Joint Venture einbringen. Dazu gehören beispielsweise der Fahrdienstvermittler Mytaxi, der Parkdienst ParkNow, oder die App Moovel, über die verschiedene Mobilitätsangebote vernetzt sind. Diese Dienste sollen künftig auf einer gemeinsamen Plattform arbeiten und kommen nach Unternehmensangaben zusammengerechnet auf Dutzende Millionen Kunden weltweit.

Welche Anbieter gibt es sonst noch auf dem Markt?

Insgesamt gibt es in Deutschland mittlerweile circa 165 Carsharing-Anbieter in 677 Städten, darunter viele kleine, die oft nur sehr regional begrenzt agieren. Neben den derzeit größten Anbietern DriveNow und Car2Go gibt es beispielsweise noch Flinkster, einen Carsharing-Anbieter der Deutschen Bahn mit rund 4000 Fahrzeugen in 300 deutschen Städten, Cambio (Rund 1600 Fahrzeuge in 21 Städten), Stadtmobil (2600 Fahrzeuge in 100 Städten) oder Book-n-Drive (830 Fahrzeuge in 17 Städten).

Wie sieht die Zukunft der Sharing-Mobilität aus?

"Die Zukunft der Mobilität liegt in den Städten. Der Schlüssel zu lebenswerteren Metropolen ist ein intelligenter und nahtloser Service bei der Nutzung und Kombination von nachhaltigen Verkehrsmitteln und Mobilitätsdiensten", sagte Peter Schwarzenbauer, Mitglied des Vorstands bei BMW. Ziel sei, ein ganzheitliches System an Mobilitätsdiensten anzubieten, das intelligent, nahtlos vernetzt und mit einem Fingertipp zur Verfügung stehe - die sogenannte intermodale Mobilität. Per Smartphone gibt der Nutzer nur noch Start- und Zielpunkt an und eine App zeigt anschließend die beste Route inklusive aller Verkehrsmittel - egal, ob Fahrrad, Elektroroller oder Carsharing-Fahrzeug - an. Die Kosten sind transparent und werden ebenfalls via Smartphone abgerechnet.

Wie wirkt sich das autonome Fahren aufs Carsharing aus?

Insbesondere das autonome Fahren könnte das Carsharing künftig stark verändern. "Die Kosten könnten sich beispielsweise mit Robotaxis bald halbieren und der Nachfrage weiter Schub geben", sagt Felix Kuhnert von der Unternehmensberatung PwC. Taxi, Carsharing, Mietwagen werden mit dem selbstfahrenden Auto zusammenwachsen, und ab 2020 dürften die ersten Robotaxis für die Erprobung mit Kunden auf die Straßen kommen. "In zehn Jahren werden sich Robotaxi-Flotten in Ballungsgebieten etablieren, vor allem in Asien, aber auch in Nordamerika und Europa. Zunächst bei jungen Großstädtern, denen nur die schnelle und bequeme Fortbewegung wichtig ist, die kein Auto besitzen wollen", sagt Kuhnert.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Mach999 29.03.2018
1.
Hier werden zwar die Vorteile für die Kunden dargestellt, aber die Nachteile nicht. Wo es keine Konkurrenz mehr gibt, zahlt am Ende der Kunde drauf.
Stäffelesrutscher 29.03.2018
2.
In der Aufzählung der Anbieter fehlt peinlicherweise der Pionier, der 1994 als »StattAuto« begann, heute Greenwheels heißt und laut Wikipedia in Deutschland über rund 800 Autos verfügt die - und das ist der große Vorteil - auch in den Außenbezirken stehen.
joergzs 30.03.2018
3. Keine Konkurrenz?
, oder keinen Marktüberblick? 2017 hatten wir in Deutschland über 150 Carsharinganbieter mit über 1,7 Millionen Kunden in ca. 600 Städten - da wird die kleine Fusion sich wohl kaum auf die Preise auswirken.
SNA 30.03.2018
4. Mehr verfügbare Fahrzeuge durch Zusammenschluss?
Jeder, den ich kenne, nutzt beide Anbieter. Natürlich gibt es nicht ein einziges verfügbares Fahrzeug zusätzlich für den Kunden durch den Zusammenschluss. Aus 500 DriveNow und 500 Car2go Autos werden 1000 Car2goDriveNow Autos. Nur die Kosten werden steigen und die Geschäftsgebiete werden kleiner werden.
Helmuth Ritzer 30.03.2018
5. Vorteil für Nutzer?
Nur einen, muss sich nicht zweimal registrieren. Fast alle CS Nutzer sind heute schon bei beiden registriert, daher wächst die Kundenzahl und die Anzahl der Auto nicht. Es ist ganz im Gegenteil damit zu rechnen, dass das Unternehmen hier „optimiert“.
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