Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Carsharing-Projekt: Frost stoppt die Elektro-Euphorie

Von Tanja Rieckmann

Berlin wird auch in Sachen Elektromobilität zur Hauptstadt. Mit dem Carsharing-Projekt "BeMobility" hat nun schon der dritte große Feldversuch begonnen - wäre da nicht das verflixte Winterwetter, das die E-Pläne bremst.

Carsharing-Projekt "BeMobility": E-Autos zum Leihen Fotos
Die Bahn / Hartmut Reiche

Strenger Frost ist gar nicht gut für Elektroautos. Die Reichweite schrumpft um etwa ein Fünftel, was vor allem auch am Energieverbrauch und den kälteempfindlichen Akkus liegt. "Das macht den Carsharing-Betrieb von Elektroautos schwieriger, weil deutlich mehr Ladezeiten eingeplant werden müssen", sagt Frank Wolter, Projektkoordinator von BeMobility. Im Augenblick koordiniert er vor allem Werkstatttermine, denn die Technik erweist sich im Wintereinsatz noch als ziemlich störanfällig. "Hier sind die Hersteller in der Pflicht", sagt Wolter.

BeMobility ist ein Vorhaben, das mit fünf Millionen Euro aus Fördermitteln des Bundes unterstützt wird. Dazu kommen weitere fünf Millionen Euro, die das Konsortium aus Energieversorgern, Verkehrsbetrieben, Zulieferern und Forschungseinrichtungen zuschießt, die das Projekt ins Leben gerufen haben. Beteiligt sind unter anderem die Deutsche Bahn, RWE, Bosch, Contipark, die TU Berlin und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg.

Getestet werden soll, wie die Integration von Elektrofahrzeugen in den öffentlichen Verkehr gelingen kann - und zwar mit einem Carsharing-System.

BeMobility nutzt - quasi Huckepack - die schon bestehenden Mietsysteme der Deutschen Bahn wie Flinkster oder Call a Bike. Die BeMobility-Fahrzeuge erkennt man am grünen e-Flinkster-Logo. Berlin ist für den Test laut Wolter ideal: Es gibt viele Haushalte ohne Auto und bis zu drei Millionen S-Bahn-Kunden täglich - also eine Menge potentieller Interessenten für neue Mobilitätskonzepte.

500 Nutzer sollen an der Testphase teilnehmen. Bislang stehen jedoch erst 16 E-Autos (darunter Toyota Prius Plug-in, Citroën C1 und Smart electric drive) und vier Pedelec-Elektrofahrräder an neun Stationen im Stadtgebiet zur Verfügung. Alle Ladestationen versorgen die Akkus mit Ökostrom. Das ist auch konsequent, denn nur mit Strom aus Wind, Wasser oder Solarkraftwerken ist die E-Mobilität ökologisch sinnvoll.

Verpasste Lieferfristen: Jetzt fehlen Elektroautos

Eigentlich sollten schon viel mehr E-Fahrzeuge unterwegs sein, aber die Autohersteller können zugesagte Liefertermine zurzeit nicht einhalten, sagt Wolter. Das behindert "BeMobility", das als Forschungsprojekt auf viele Nutzer angewiesen ist, um entsprechend viel Datenmaterial zu generieren. "Wir warten auf 18 weitere E-Autos, die hoffentlich im Februar und März geliefert werden", sagt Wolter. Die Autos werden auch deshalb gebraucht, weil BeMobility Anfang kommenden Jahres den ambitioniertesten Teil der Testphase angehen will: Die Einführung eines Basistarifs, der ein Drei-Monats-Abo für die Berliner Verkehrsbetriebe, den Carsharing-Zugang und eine Bahncard 25 abdeckt.

Um von den Nutzern angenommen zu werden, muss Elektroauto-Sharing besonders transparent funktionieren. Wie ist der Ladestand der Akkus? Wo befindet sich die nächste Ladestation? Welche Fahrzeuge sind gerade verfügbar? Ein interaktives Auskunftssystem, das diese Fragen beantwortet, ist daher das Kernstück von BeMobility.

Das System arbeitet mit einer speziellen App. Die schon bestehende Call-a-Bike-Applikation wurde für das E-Carsharing adaptiert. Jeder Smartphone-Besitzer kann dann über den so genannten Autofinder ein zur Verfügung stehendes Fahrzeug suchen, ermitteln und buchen. Die BeMobility-Suite soll zusätzlich Extras bereit stellen, wie ein Navigationssystem, den Ladestationen-Finder und eine Anwendung, die die schnellste Strecke zum Zielort errechnet und das beste Verkehrmittel dafür empfiehlt, also zum Beispiel auch Bus oder Bahn als Alternative zum Carsharing-Auto.

Die Autohersteller mauern noch bei der Batterieladung

Eigentlich sollte die Software auch den aktuellen Ladezustand des Fahrzeugs mitteilen können, doch da machen momentan die Autohersteller noch nicht mit. Wolter: "Die sagen uns 'don't touch die Elektronik', weil hier neben dem Akkuzustand auch andere, wettbewerbsrelevante und sensible Angaben auflaufen." Jetzt suchen die Techniker nach anderen Wegen, um die Auskunfts-Software mit dieser für den verlässlichen E-Auto-Einsatz eigentlich unverzichtbaren Größe füttern zu können.

Ziel der Pilotphase, die bis Herbst 2011 dauert, ist es, den Flottenbetrieb von Elektroautos mit der nötigen Ladeinfrastruktur und den IT-Schnittstellen für die Auskunfts-Software voranzubringen; außerdem sollen Vermarktungsangebote getestet werden. Im Anschluss soll die BeMobility-Flotte dann im Rahmen von "Flinkster" weiter genutzt werden.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 146 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Warum die späte Lieferung
Das Auge des Betrachters 25.12.2010
Natürlich aus dem gleichen Grund warum die Werkstatttermine koordiniert werden müssen. Der Zauber funktioniert nicht. Was bei Wärme schon Probleme hat, kann bei Kält kaum besser sein. E-Autos von heute sind Krücken, maximal für Stadtverkehr geeignet und dafür wiederum bräuchte man nicht die üblichen schweren Fahrzeuge sondern müsste wesentlich einfacher und leichter konstruieren.
2. ...
seikor 25.12.2010
...also weder von "stoppen" noch von "Euphorie" kann doch hier die Rede sein. Klingt eher nach Häme des Journalisten... Dann müssen die Autos halt ein wenig länger laden, na und? Muss halt einkalkuliert werden - wird ein BWL-ler doch noch hinbekommen. Das nur Elektroautos überhaupt die Fähigkeit besitzen, umweltfreundlich zu fahren (vorausgesetzt, die Stromerzeugung ist umweltfreundlich), dürfte mittlerweile bis zum letzten Stammtisch gedrungen sein. Das hat nichts mit Euphorie, sondern mit Notwendigkeit zu tun.
3. Englisch
spiegelleser987 25.12.2010
Zitat von sysopBerlin wird auch in Sachen Elektromobilität zur Haupstsadt. Mit dem Carsharing-Projekt "BeMobility" ist nun bereits der dritte große Feldversuch an der Spree gestartet. Das eisige Winterwetter behindert jedoch die hochfliegenden E-Mobilitäts-Pläne. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,736103,00.html
Im SPON Artikel steht: "...Wolter: 'Die sagen uns, 'don't touch die Elektronik'..." Schön, wenn man Deutsch mit Englisch mischt. Sagen Sie den Satz mal Ihrem/r EnglischlehrerIn. Da werden Sie zuerst belehrt, dass man das nicht "die" sondern "dei" ausspricht. Und dann war da noch das mit Subjekt - Prädikat - Objekt. Wir nähern uns der korrekten Formulierung mit "Don't touch, the electronics dies"
4. titel
seikor 25.12.2010
Zitat von Das Auge des BetrachtersNatürlich aus dem gleichen Grund warum die Werkstatttermine koordiniert werden müssen. Der Zauber funktioniert nicht. Was bei Wärme schon Probleme hat, kann bei Kält kaum besser sein. E-Autos von heute sind Krücken, maximal für Stadtverkehr geeignet und dafür wiederum bräuchte man nicht die üblichen schweren Fahrzeuge sondern müsste wesentlich einfacher und leichter konstruieren.
naja, da wird ja wieder fein ins Blaue geredet ... ;) a) der "Zauber" ist klassische Physik mit a bisserl Chemie und funktioniert bei mir seit 14000km ohne Probleme. b) bei Wärme habe ich noch keine Probleme feststellen können. Wovon reden Sie? c) woher die grundlegende Logik kommen soll, dass bei Wärme alles besser als Kälte geht, weiß ich nicht. Skifahren geht bei Kälte wesentlich besser... ;) Konkret muss man herkömmliche Lithiumakkus halt ein wenig heizen, dann klappt das hervorragend. Und aktuelle Neuentwicklungen wie LiFeYPO4 zeigen kaum noch Kälteempfindlichkeiten. Hier ist noch viel Entwicklungspotential. Lassen wir den Ingenieuren doch auch noch etwas Zeit, bevor wieder alles kleingedeutscht und abgewürgt wird. d) E-Autos sind gerade FÜR den Landverkehr geeignet - natürlich nicht: "Überlandverkehr" (das sind Mofas und Kinderwägen und Ruderboote auch nicht). Aber jedes Zweitauto ließe sich schon längst vor allem auf dem Land gegen ein Elektroauto tauschen. Bei mir geht das seit knapp 5 Jahren ohne Probleme. e) Die leider üblichen "schweren Fahrzeuge" sind sowieso eine temporäre Fehlentwicklung, die spätestens dann wieder verwelken wird, wenn den Leuten das Geld ausgeht (Finanzkrise 2) oder der Sprit dafür zu teuer wird. Erinnert mich an die Heckflossendampfer aus dem Amerika der 60er-Jahre... Frohe Weihnachten!
5. Stadt/Land/Überland
Fishbed 25.12.2010
Um für den Landverkehr geeignet zui sein, muss das Auto an jeder und ich meine wirklich jeder steigung in der Lage zu sein ein Tempo > 100 km/h zu halten. Schleicher gibt es auf dem Land schon genug und da der Land- und der Überlandverkehr sich dieselben Straßen teilen,sollte ersterer nicht jemanden behindern, der noch über 100km Landstraße vor sich hat
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Fahren mit Strom: Die zehn erstaunlichsten Elektroautos
Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

Fotostrecke
Geräusche von E-Modellen: Schräger die Autos nie klingen
Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)

Fotostrecke
Elektroautos im Aufwind O: Modelle und Meilensteine

Aktuelles zu