Autofreier Central Park Jetzt hat der Mensch Vorfahrt

Der Central Park in New York ist eine Oase der Ruhe im Herzen des Verkehrschaos von Manhattan. Nun sollen auch die letzten verbliebenen Straßen im Park für Autos gesperrt werden.

imago/ PA Images

Der Central Park gilt als die grüne Lunge New Yorks. Der gigantische Garten in der Mitte Manhattans ist der Ruhepol inmitten der sonst hektischen, pulsierenden Stadt. Und ab Juni 2018 dürfte diese Ruhe nahezu vollkommen sein. Zumindest, wenn man Autos als die größten Ruhestörer sieht.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio gab am Freitag bekannt, dass am 27. Juni ein generelles Fahrverbot für den Central Park in Kraft treten werde - pünktlich zu Beginn der Sommerferien in New York. Der Norden des riesigen Parks im Herzen von Manhattan ist schon seit Längerem für den Autoverkehr gesperrt, auf Wegen im Süden des Parks dürfen aber bislang noch Autos fahren.

Die endgültige Verbannung aus dem Central Park ist einer von vielen Belegen für einen globalen Trend: Städte ersticken an Autos. An ihren Abgasen. Am sogenannten ruhenden Verkehr, also den Flächen, die in Städten von parkenden Autos belegt werden. Überall auf der Welt verfolgen Stadtplaner deswegen Konzepte, Mobilität vermehrt über den Nahverkehr, Fahrräder oder intermodale Angebote zu ermöglichen.

Der Mensch hat jetzt Vorfahrt

Städte sollen wieder für die Menschen lebenswert, nicht alles am Auto ausgerichtet werden. Das hat auch New Yorks Bürgermeister motiviert: "Unsere Parks sind für Menschen, nicht für Autos", begründete de Blasio das Fahrverbot. Mehr als ein Jahrhundert lang hätten Autos Teile des Parks "in eine Autobahn" verwandelt. "Heute machen wir das rückgängig." Die Sicherheit von "Millionen Eltern, Kindern und Besuchern" im Central Park gehe vor, erklärte di Blasio. Alleine im letzten Jahr besuchten 42 Millionen Menschen den Central Park.

Die Verdrängung von Autos aus dem Central Park findet schon seit Jahren statt, genau genommen seit Jahrzehnten: Bereits 1966 sperrte der damalige Bürgermeister, John V. Lindsey, den Garten sonntags für Autos. Nur ein Jahr später folgte das Fahrverbot auch für Samstage. Im Jahr 2015 verbot di Blasio dann die nördlichen Durchfahrtsrouten des Parks für den Autoverkehr. Die verbleibenden Routen im Süden würden zudem nur noch zu bestimmten Stunden während der Stoßzeiten für Autos geöffnet.

Die Untergrund-Routen bleiben offen

Entsprechend gering war der Verkehr zuletzt. Auf dem sogenannten "West Drive", zwischen 72er Straße und Seventh Avenue, geöffnet zwischen acht und zehn Uhr morgens, verkehrten nach Angaben des Verkehrsministeriums pro Tag im Schnitt 1050 Fahrzeuge. Den "East Drive" zwischen Sixth Avenue und 72te Straße und geöffnet zwischen 7 Uhr morgens und 7 Uhr abends, befuhren 3400 Fahrzeuge pro Tag.

Kaum jemand rechnet deswegen damit, dass sich die Sperrung maßgeblich nachteilig auf den Autoverkehr in der Stadt auswirken werde. Zumal die wirklich wichtigen Ost-West-Traversen unter dem Park verlaufen. Und die vier Unterführungen, die den Park queren, bleiben für Autos offen.

Interessengruppen, denen der Park am Herzen liegt, begrüßen deswegen die Entscheidung ihres Bürgermeisters. Die "New York Road Runners" zum Beispiel, eine mitgliederstarke Läufervereinigung, oder die "Central Park Conservancy", eine Privatinitiative, die den Park maßgeblich pflegt und instand hält. Frei nach Neil Armstrong könnte man sagen: Ein kleiner Einschnitt für die Autos, ein großer Schritt für die Menschheit.



insgesamt 10 Beiträge
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dinnyc 21.04.2018
1. Endlich
Wenn man nachmittags im Park laufen ging und zwischen Touristen auf Fahrrädern und Autos navigieren musste, konnte das schon ziemlich anstrengend werden. Jetzt sind endlich die Autos weg, fehlen nur noch die Kutschen...
imabadenerinnewyork 21.04.2018
2. Ost-West Traverse Untergrund?
Hmm.. als ich gestern durch den Park gefahren bin waren die Ost-West Traversen noch nicht im Untergrund oder Unterführungen. Sie verlaufen etwas untersetzt aber doch unter freiem Himmel. Just sayin’
fahrgast07 21.04.2018
3. Endlich!
Die Debatte läuft dort seit Jahrzehnten! Warum tun wir uns so schwer damit, die Autos aus den Städten zu werfen? Hier in Deutschland gehts ja auch nur in Minischritten voran. Das Auto ist einfach das falsche Verkehrsmittel für Städte - 2 Tonnen Blech für 80 Kilo Mensch, das kann nicht funktionieren.
HasiHase 21.04.2018
4.
Zitat von fahrgast07Die Debatte läuft dort seit Jahrzehnten! Warum tun wir uns so schwer damit, die Autos aus den Städten zu werfen? Hier in Deutschland gehts ja auch nur in Minischritten voran. Das Auto ist einfach das falsche Verkehrsmittel für Städte - 2 Tonnen Blech für 80 Kilo Mensch, das kann nicht funktionieren.
Oh ja, wir werfen alle Autos aus der Stadt ... ach nee, die Handwerker natürlich nicht, die Taxis auch nicht, die Ärzte und Arzthelferinnen unserer Praxis des Vertrauens auch nicht, die Kassiererinnen in unserem Einkaufsmarkt aber auch nicht ... sind wir ehrlich: heutzutage fährt doch keiner mehr in eine Stadt wenn er nicht unbedingt muss!
lobivia 21.04.2018
5. #4 @HasiHase
Sie bringen es auf den Punkt. Ich bin während 19 Jahren in Düsseldorf nur fünf Mal mit dem Auto in die Innenstadt gefahren. Grundsätzlich um etwas zu holen, was mir ansonsten kostenpflichtig gebracht worden wäre.
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