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Autohersteller auf der CES: Bulli, bist du's wirklich?

Aus Las Vegas berichtet

Autohersteller auf der CES: Die Budd-e-Builder Fotos
REUTERS

Jetzt soll es der Bulli richten: VW präsentiert auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas eine neue Studie des unverwüstlichen Kleinbusses. Toyota wiederum widmet sich einer bisher verschmähten Zielgruppe.

Der Bulli ist Volkswagens größter Sympathieträger. Und wenn VW derzeit etwas gebrauchen kann, dann ist es Sympathie. Folgerichtig nutzte VW-Markenvorstand Herbert Diess seine Keynote-Rede auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas, um einen Trumpf auf die Bühne zu holen - natürlich erst, nachdem er angesichts von Dieselgate und einer drohenden Milliardenklage in den USA pflichtschuldig Besserung gelobt hatte.

Anschließend wollte Diess die alte, stinkende Autowelt möglichst rasch hinter sich lassen und präsentiert als Sinnbild für das "Neue Volkswagen", wie er es nannte, den Budd-e - eine elektrifizierte Neuauflage des Bullis.

Optisch hat das Fahrzeug mit dem Original wenig gemein, was aber nicht weiter schlimm ist, denn Retro-Kisten gibt es schon genug. 400 Kilometer Reichweite soll der Elektro-Kleinbus bieten, außerdem voll vernetzt sein: Vom Cockpit soll man in den Kühlschrank zu Hause schauen können, unter dem Kofferraum ist ein Fach vorgesehen, in das der Postbote Pakete abliefern kann - im Prinzip eine Art mobile Packstation. Laut Diess wird es mindestens noch drei Jahre dauern, ehe die Studie Budd-e in Serie geht.

Video: VW-Markenchef entschuldigt sich für Abgasskandal

Ein elektrischer Bulli muss also als Hoffnungsträger für VW herhalten. Was blieb sonst noch hängen vom Auftakt einer Messe, die für Automobilfirmen mittlerweile immense Bedeutung hat? Vor allem eines: Der Rausch der revolutionären Visionen scheint verflogen.

Das heißeste Gerücht

Das liegt in erster Linie daran, dass das Thema autonomes Fahren - vor zwei Jahren noch der Inbegriff von Science-Fiction - als etabliert gilt und gleichzeitig trotzdem noch weit von der Umsetzung entfernt ist. Der Weg zum selbstfahrenden Auto erfolgt aber in kleinen Schritten. Davon waren auf der CES 2016 immerhin bereits einige zu beobachten - auch wenn sich erst einmal ein extrem hoch gehandeltes Gerücht in Luft auflöste.

Im Vorfeld der CES war nämlich über eine brisante Liaison spekuliert worden: Automobilgigant Ford, so hieß es, werde im Auftrag des IT-Konzern Google ein selbstfahrendes Auto bauen. Für die Traditionalisten in der Branche wäre das der Sündenfall gewesen: Eine alteingesessene Marke, so deren Befürchtungen, verkommt zum Blechbieger für einen Suchmaschinenprogrammierer. Doch dazu kam es nicht. Zumindest noch nicht.

Ford werde sich in Zukunft verstärkt als Mobilitätsdienstleister verstehen und dabei auch Partnerschaften eingehen, sagte Vorstandsvorsitzender Mark Fields auf einer Pressekonferenz. Wie und welche, werde man zu gegebener Zeit bekannt geben. Keine Bestätigung also für die Giganten-Hochzeit, aber auch kein richtiges Dementi.

Wirklich handfest war dafür zum Beispiel die Vorstellung eines Laserscanners des französischen Automobilzulieferers Valeo: Das kleine Gerät ist eine der Schlüsseltechnologien für selbstfahrende Autos und soll ab diesem Jahr auch in Fahrzeugen von Audi zum Einsatz kommen. Wie gesagt: kleine Schritte. Dazu passen die Verkündungen von Herstellern wie Ford und Toyota sowie vom Zulieferer Bosch: Sie alle brüsteten sich auf ihren Pressekonferenzen damit, in kleinere Start-up-Projekte investiert zu haben.

Drei Innovationen, die wirklich was bringen

Im Zentrum stehen dabei immer Innovationen im Bereich Connectivity, Smartphone-Anbindung im Auto und autonomes Fahren. Und überall war in diesem Zusammenhang eine Beteuerung zu hören: dass man alle diese Technologien nicht für die Technologien selbst vorantreibe, sondern für die Menschen. Um ihnen das Leben leichter zu machen.

Bei einigen Features muss allerdings die Frage gestattet sein, ob sie wirklich zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen: die Vernetzung von Auto und Haushalt zum Beispiel. Das Beispiel vom VW Budd-e, der mit dem Kühlschrank kommuniziert, ist ja bereits genannt. Ford kooperiert dabei mit Amazon - aus dem fahrenden Auto heraus soll man in Zukunft dank des Infotainmentsystems von Ford und einem Spracherkennungsgerät von Amazon das Licht in der Küche oder den Fernseher im Wohnzimmer einschalten können. Hurra.

Doch es gab auch tatsächlich ein paar Premieren und Produkte, von denen der Autofahrer tatsächlich profitieren könnte:

  • ein nachrüstbares E-Call-System von Bosch, das gekoppelt mit einem Smartphone bei einem Unfall die dann auftretenden hohen Kräfte über den G-Sensor registriert und automatisch einen Notruf absetzt

  • Ebenfalls von Bosch wurde ein Geisterfahrer-Warnsystem angekündigt, das bereits 2016 marktreif sein soll und über einen Abgleich von GPS-Daten und Cloud-Daten schnell registriert, wenn Autofahrer falsch in eine Autobahnauffahrt einbiegen, und die Fahrer dann warnt.

  • Valeo kündigte ein Feature an, bei dem sich mithilfe der entsprechenden App im Winter beim Auto rechtzeitig die Scheibenheizung aktivieren lässt - Eiskratzen adé!

Toyota bekennt sich zu einer verschmähten Zielgruppe

Etwas wirklich Hilfreiches hatte auch Toyota zu bieten: Eine Milliarde Dollar steckt der japanische Hersteller in seine neue Forschungsabteilung namens TRI, die in Zusammenarbeit mit dem renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) Zukunftstechnologien entwickeln soll. Mit dem Geld sollen allerdings nicht nur neue Automobiltechnologien entwickelt werden, sondern auch Roboter.

"Wir wollen die Mobilität von außen nach innen verlagern", sagte Toyota-Manager und TRI-Geschäftsführer Gill Pratt auf der Pressekonferenz und ging dann weit zurück in die Unternehmensgeschichte. Zurück zu den Tagen, als Toyota noch kein Autohersteller, sondern Fabrikant von Webmaschinen war, der sich irgendwann entschied, die Gewinne aus diesem Geschäftsfeld in die Entwicklung einer neuen Technologie zu investieren: dem Automobil.

Diesen Schritt will Toyota jetzt wiederholen und vom Autohersteller zum Roboterhersteller werden. Roboter sollen, so Pratt, der vergreisenden Gesellschaft Rechnung tragen und den vielen alten Menschen Mobilität auch innerhalb der eigenen vier Wände ermöglichen.

Alte Menschen waren bislang das große Mysterium der Automobilindustrie. Die Menschen, die Autos kaufen, werden im Schnitt immer älter, doch die Hersteller meiden sie trotzdem. Statt auf die Bedürfnisse von Senioren werden die Autos der meisten Hersteller auf eine deutlich weniger präsente Käuferschaft getrimmt: junge, dynamische Menschen, die vor Agilität nur so strotzen.

Dass ein Autohersteller offen kommuniziert, Produkte für Ältere zu bauen - auch wenn diese nichts mehr mit Autos zu tun haben: Das ist wirklich eine kleine Revolution.

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Ender des Jahrzehnts...
spon_3064063 06.01.2016
lachhaft! Die brauchen den morgen. Die haben doch sonst nur langweilige Karossen. Die kauft keiner in den USA.
2. Autonomes Fahren
sickandinsane 06.01.2016
Warum wird der Fokus in dieser Branche so stark auf autonomes Fahren gelegt? Gab es einmal einen Schrei der breiten Masse danaxg
3. was hat das Teil mit dem Bulli zu tun???
1000sassa 06.01.2016
Außer dass der Budd-e vom VW kommt hat er mit dem Bulli nichts gemeinsames, weder bei Form noch Antrieb, Fahrwerk oder Austattung. Wer kann sich nur so einen Vergleich einfallen lassen???
4.
syracusa 06.01.2016
Zitat von sickandinsaneWarum wird der Fokus in dieser Branche so stark auf autonomes Fahren gelegt? Gab es einmal einen Schrei der breiten Masse danaxg
Es gibt jedenfalls einen riesigen Markt. Und sobald die Marktdurchdringung stark genug ist, werden nur noch Autos zugelassen, die autonomes Fahren ermöglichen. Und 10 Jahre danach wird das nicht-autonome Fahren weitgehend verboten. Da müssen die Rodeofahrer sich eben auf der Nürburgring-Nordschleife austoben.
5. das glaube ich nicht
manni.baum 06.01.2016
Zitat von syracusaEs gibt jedenfalls einen riesigen Markt. Und sobald die Marktdurchdringung stark genug ist, werden nur noch Autos zugelassen, die autonomes Fahren ermöglichen. Und 10 Jahre danach wird das nicht-autonome Fahren weitgehend verboten. Da müssen die Rodeofahrer sich eben auf der Nürburgring-Nordschleife austoben.
allerdings wäre das autonome Fahren viel einfacher wenn der Computer nicht ein "irrationales Verhalten von zweibeinigen Emotionsdödeln" mit einkalkulieren müsste.
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