Technologiemesse CES Harley-Davidson baut erstes Elektro-Motorrad

Verkehrte Welt bei Harley-Davidson: Der Hersteller will mit einem Batterie-Motorrad jüngere Kunden locken. Der Strategieschwenk soll dem US-Unternehmen aus der Krise helfen.

Harley-Davidson

Harley-Davidson hat in Las Vegas die Eckdaten für sein erstes Elektro-Motorrad bekanntgegeben. Das LiveWire soll von null auf 60 Meilen pro Stunde (96,5 km/h) in 3,5 Sekunden beschleunigen und ist ab knapp 30.000 Dollar (gut 26.000 Euro) zu haben. Ausgeliefert werden soll es ab August.

Das Batterie-Motorrad soll Harley-Davidson den Weg aus einer schweren Krise weisen. Die amerikanische Industrie-Ikone kämpfte zuletzt mit Absatzproblemen. Der Hersteller verkaufte im Jahr 2006 noch 370.000 Motorräder, für das Jahr 2018 rechnete er mit 231.000 bis 236.000 Stück. Deshalb springt die legendäre Marke, deren Zweiräder sich mit einem charakteristischen Motorsound auszeichnen, nun auf die Elektromobilität auf - und will den Absatz mit der "LiveWire" steigern.

Die Harley wird zum Ladenhüter

Vor allem in den USA schrumpft das Geschäft, da jüngere Amerikaner weniger Interesse an den Motorrädern haben - und die "Baby Boomer" sich der Altersgrenze nähern. Gleichzeitig machen Motorradfahrer Harley-Davidsons Vorstandschef Matt Levatich zufolge nur 2,8 bis 2,9 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner aus. "Wir sind eine seltene Spezies." So ist das elektrische LiveWire-Modell auch eine Chance, wieder jüngere Käufer anzusprechen.

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LiveWire: Das ist die Elektro-Harley

Harley-Davidson präsentierte das Motorrad am Montag auf der Technikmesse CES in Las Vegas zusammen mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic, der wichtige Technik beisteuert - unter anderem für die Vernetzung. Per Smartphone-App lässt sich nicht nur der Ladestand prüfen, sondern der Fahrer bekommt zudem eine Nachricht, wenn das Motorrad umgestoßen oder bewegt wurde. Dieser Onlinedienst mit dem Namen "H-D Connect" werde aber nicht auf allen Märkten verfügbar sein, schränkte Harley-Davidson ein.

Auch andere US-Hersteller bieten E-Motorräder an

Die Reichweite einer Batterieladung gibt Harley-Davidson mit 110 Meilen (rund 177 Kilometer) an - weist aber darauf hin, dass die Werte beim Serienmodell abweichen und auch vom Wetter abhängen könnten. Die Akkus können sowohl zu Hause an der Steckdose als auch an Schnelllade-Stationen aufgefüllt werden.

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Fahrrad-Pick-up, Gefühlserkennung, Schneeroboter: So tobt sich die Autoindustrie bei der CES in Las Vegas aus

Harley-Davidson ist nicht der erste Zweirad-Hersteller, der elektrische Modelle baut. Zur Elektro-Konkurrenz gehört mit Herausforderer Zero Motorcycles auch ein amerikanischer Hersteller, sowie der italienische Kleinserienhersteller Energica, der auch das Motorrad für die Elektro-Rennserie MotoE liefert. Und auch andere Traditionshersteller orientieren sich um, so entsteht bei Piaggio ab September die Vespa Elettrica.

Anm. d. Red.: In einer ursprünglichen Fassung des Textes hieß es, Victory gehöre zu den Konkurrenten von Harley-Davidson auf dem Markt für E-Motorräder. Die Marke wurde jedoch im Jahr 2017 eingestellt. Die Angabe der Nachrichtenagentur dpa haben wir korrigiert.

ene/dpa



insgesamt 95 Beiträge
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three-horses 08.01.2019
1. Die Welt geht den Bach runter.
Harte Männer auf einem e-Roller. Kein Blubbern, kein Parfum der nach Benzin stinkt. Aber vielleicht finden die Frauen hier ihren Spaß. Und die Männer werden Socius.
phantasierender... 08.01.2019
2. Wow geiles Teil
wen jetzt noch die Reichweite stimmen würde (mind. 300km) würde ich sie kaufen.
Joshua 08.01.2019
3. Widerspruch 30k US$ und jüngere Kundschaft
Für 30k US Dollar bekommt man in den USA ein ziemlich gut ausgestattetes Auto mit 200 PS. Eine junge Kundschaft hat bei Gott Wichtigeres zu bezahlen als ein völlig überteuertes E-Mororrad, z.B. immense Schulden abzuzahlen. Aber vielleicht benennen sich ja die Hells Angels in Heavenly Angel um und steigen auf die Elektroscooter um. Irgendetwas sagt mir, mit dem Harley Davidson-Geschäftsmodell stimmt irgendetwas nicht.
Tomix 08.01.2019
4. Geht's noch?
Mal eben schlappe 26.000 Euro für ein Elektromoped aufrufen? Da wird der Absatz bei HD in Zukunft wohl ganz sicher in ungeahnte Höhen schießen.
nadennmallos 08.01.2019
5. Zero ist da einen kleinen Schritt weiter, was ...
... Preis (...ist aber auch noch zu teuer!) und Reichweite angeht. Aber Harley muss einfach was tun. Vielleicht wäre das Umdenken auf ein kleineres, kostengünstiges Bike ein marktgerechterer Schritt. Fahren auf einem E-Bike macht Spaß (Probefahrt bei Zero nutzen. Seeeehr empfehlenswert!), nur die Zuverlässigkeit und die Reichweite, die lassen noch zu wünschen übrig.
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