Von Tom Grünweg
DER ERSTE EINDRUCK: Groß und gemütlich sind die ersten Adjektive, die einem im Malibu in den Sinn kommen. Vom Glanz der Heckflossen-Ära ist am einzigen echten Amischlitten in Deutschland nichts mehr zu sehen, einzig das goldfarbene "Bowtie"-Logo am riesigen Kühlergrill funkelt in der Sonne, und die Heckleuchten erinnern entfernt an den Camaro. Der Wagen dürfte übrigens Zivilfahndern und Gangstern gleichermaßen gefallen, denn er ist ansonsten so unauffällig, dass sich kein Zeuge an das Auto erinnern würde.
DAS SAGT DER HERSTELLER: Chevrolet krönt mit dem Malibu einen rasanten Aufstieg in Europa und zielt damit vor allem auf die Mittelklasse-Importmodelle aus der zweiten Reihe: Mazda 6, Renault Laguna, Citroen C5 gehören zum Beispiel zu den Konkurrenten. Die Markteinführung des Malibu findet übrigens deshalb erst im Juli statt, weil ab dann - neben dem Benziner - auch ein 160 PS starker Dieselmotor verfügbar ist.
DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Auch wenn wir ihn noch nicht gefahren sind können wir schon sagen, dass der Dieselmotor die bessere Alternative ist. Denn mit mit dem Benziner lässt sich nicht viel reißen. 2,4 Liter Hubraum, 167 PS und 225 Nm lauten die Eckwerte, die Maschine ist lahm und laut, und der Rest an Spritzigkeit versickert im Automatikgetriebe. Bis Tempo 100 braucht der Wagen 10,2 Sekunden, bei 206 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht und durstig ist der Benziner auch noch: Selbst bei gemütlicher Gangart sind locker zehn Liter fällig.
Abgesehen vom Ottomotor-Antrieb ist der Malibu ein ordentliches Auto. Das Platzangebot ist vergleichbar mit dem einer Mercedes E-Klasse. Der Innenraum ist vornehm ausgeschlagen und es gibt ein paar pfiffige Details: Die Zierkonsolen sind beleuchtet wie im Camaro und hinter dem Navi-Monitor gibt es ein Geheimfach für Handy und Geldbeutel - das ist richtig clever. Was es dagegen nicht gibt, sind moderne Assistenzsysteme: Kameraaugen und Radarsensoren sind in Europa der Konzernschwester Opel vorbehalten.
DAS MUSS MAN WISSEN: Der Malibu ist zwar im Grunde ein durch und durch amerikanisches Auto, doch das aktuelle Modell ist ein Produkt der Globalisierung. Das technische Grundgerüst stammt vom Opel Insignia und die für Europa bestimmten Modelle laufen in Korea vom Band. Den genauen Preis will Chevrolet erst zum Marktstart im Juli verraten. Das günstigste Modell dürfte knapp unter 30.000 Euro kosten - mit allen Extras inklusive, darunter auch Lederausstattung, Navigationssystem und Xenonlicht; nur Metalliclack und Automatikgetriebe kosten Aufpreis.
DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Die Ruhe und die Gelassenheit, die sich bei jeder längeren Etappe fast zwangsweise einstellen. Als wäre auch die deutsche Autobahn ein endloser amerikanischer Highway, schaltet man als Fahrer automatisch einen Gang zurück und lässt es langsamer angehen. Was anderes bleibt einem auch gar nicht übrig, denn Benziner und Automatik zwingen einen geradezu zum gemütlichen Cruisen. Dazu kommt, dass der Wagen überraschend gut gedämmt und amerikanisch kommod abgestimmt ist. In Kombination mit dem Dieselmotor könnte das ein feine Mittelklasse-Limousine ergeben.
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