Elektroautos Volt und Bolt Chevrolets neue Strom-Linie

Elektroautos sind auf der Auto-Show in Detroit nur noch ein Randthema. Einzig General Motors hat elektrisierende Neuheiten zu bieten. Eine davon ist eine deutliche Kampfansage an den kalifornischen Hightech-Autobauer Tesla Motors.

Tom Grünweg

Die Frau ist Elektroingenieurin, man darf also annehmen, dass sie weiß, was sie tut. Andere Autobosse berauschen sich auf der Motorshow in Detroit an niedrigen Benzinpreisen und lassen im Viertelstundentakt potente Turbo-Motoren in neuen Sport- oder Geländewagen bis zum Anschlag aufdrehen. GM-Chefin Mary Barra hingegen fährt still und leise gleich zwei Autos mit Elektroantrieb auf die Bühne. Einmal den gründlich überarbeiten Chevrolet Volt, und zum Zweiten die Elektro-Studie Chevrolet Bolt. Der Doppelpack soll ein deutliches Signal senden. "Wir unterstreichen damit unser Bekenntnis zur Elektromobilität und erschließen die Technik für den Massenmarkt", behauptet Barra.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Vom bisherigen Volt wurden binnen drei Jahren rund 60.000 Autos verkauft. Angesichts der sonst üblichen Stückzahlen bei Chevrolet-Modellen (vom Cruze wurden allein 2014 in den USA 280.000 Stück verkauft) ist das ein ziemlich mageres Ergebnis. Auf der anderen Seite preist Chevrolet das Auto als meistverkauftes Plug-in-Hybridmodell in den USA.

Das Antriebskonzept des Volt bleibt auch in Zukunft unverändert: Ein 150 PS starker E-Motor treibt das Auto elektrisch voran. Geht die Akkuladung zur Neige, springt ein Benzinmotor ein, um Strom zu produzieren und, in bestimmten Situationen, Drehmoment direkt an die Räder zu schicken. Im bisherigen Volt kam zu diesem Zweck ein 1,4-Liter-Benziner mit 86 PS zum Einsatz, im neuen Volt ist es ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit 101 PS. Zudem wurde die elektrische Reichweite des neuen Modells um 20 Prozent auf 50 Meilen (80 Kilometer) angehoben und das Gewicht um 45 Kilogramm verringert.

Elektrisches Duell: Chevrolet Bolt gegen Tesla 3

Beim nagelneuen Bolt, der jetzt als Studie in Detroit debütiert und von 2017 an auf die Straßen kommen soll, ändert Chevrolet das Antriebskonzept. Der kompakte, hoch aufragende Fünfsitzer, der entfernt an den BMW i3 erinnert und bei der Karosserie mit einem Mix aus Aluminium, Magnesium und Karbon ebenfalls auf Leichtbau setzt, fährt ausschließlich mit Strom. Das Auto soll dank verbesserter Akkutechnik auf eine Reichweite von mehr als 200 Meilen (320 Kilometer) kommen. Der Preis? Nach Abzug der staatlichen Förderung etwa 30.000 US-Dollar, verkündet Barra. "Das ist kein Experiment aus dem Physikunterricht, sondern wir meinen es damit sehr ernst."

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Elektroautos Volt und Bolt: Neu verkabelt
"Das Rennen um das erste alltagstaugliche Elektroauto für den amerikanischen Massenmarkt ist eröffnet", kommentierte die US-Presse den GM-Vorstoß. Der Bolt zielt nämlich weniger auf Fahrzeuge wie den Nissan Leaf, der mit einer Reichweite von 84 Meilen (135 Kilometer) kaum zum Fahrverhalten der meisten US-Pendler passt, sondern er ist vor allem eine Kampfansage an das von Tesla angekündigte Einstiegsmodell (Tesla 3), für das Firmenchef Elon Musk mit ähnlichen Eckwerten wirbt - 200 Meilen Reichweite, etwa 35.000 Dollar Kaufpreis.

Der Bolt trifft Tesla Motors in einer empfindlichen Phase. Denn so hip und cool die erste Automarke aus dem Silicon Valley auch sein mag - sie verlor zuletzt arg an Glanz. Der Aktienkurs stürzte ab, die Modell-Entwicklung stockt. Der Start des vor zwei Jahren angekündigten Model X - das erste elektrisch angetriebene Cross-Over-Fahrzeug - wurde wiederholt verschoben, und für das besagte Model 3 gibt es noch gar keinen Termin. Wenn sich das nicht ändert, könnte aus dem Pionier Tesla rasch ein Nachzügler werden.

E-Autos ermöglichen den Verkauf dickerer SUVs

Kein Wunder, dass General Motors für den Vorstoß mit dem Bolt viel Lob erntet. "Das ist ein mutiger Schritt in einer schweren Zeit", sagt Matt Weiss, der Chef des Automobilmarkt-Analysten Jato Dynamics in den USA. "Als die Gallone Benzin noch mehr als vier Dollar kostete, hat sich ein Elektroauto für viele Kunden tatsächlich gerechnet. Doch bei den aktuellen Benzinpreisen von teilweise deutlich unter zwei Dollar muss man schon verdammt überzeugt sein von der Technologie, wenn man sich so ein Auto kauft."

Es sei vermutlich trotzdem ein schwerer Fehler, erklärt Weiss, beim Thema Elektromobilität im Stillstand zu verharren wie Ford oder wie Chrysler quasi überhaupt nichts anzubieten. Denn beim Elektroauto gehe es nicht nur um die Akzeptanz der Kunden, sondern auch um Markenimage und natürlich um die Erfüllung gesetzlicher CO2-Grenzwerte. Etliche US-Staaten fordern von den Herstellern einen wachsenden Anteil von Zero-Emission-Fahrzeugen unter den Neuzulassungen und die Regierung in Washington hat den Autobossen strenge Ziele für den Flottenverbrauch diktiert.

Und Elektroautos helfen dabei, diese Ziele zu erreichen, ohne auf den lukrativen Verkauf großer Geländewagen und schwerer Pick-Ups verzichten zu müssen. Analyst Weiss formuliert es so: "Dafür lohnt es sich allemal, in die neue Technik zu investieren und die Preise für Elektrofahrzeuge künstlich niedrig zu halten."

Der Volt rollt weiter, dem Ampera wird der Stecker gezogen

Während GM-Chefin Barra mit dem elektrischen Doppelpack Volt und Bolt ihr Bekenntnis zum Elektroantrieb in den USA unterstreicht, zieht die deutsche Tochter Opel erst einmal den Stecker. "Mit dem Generationswechsel des Volt läuft der Ampera aus", bestätigt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann am Rande der Messe. Bislang wurden von dem 2012 eingeführten Auto rund 9500 Exemplare verkauft.

Eine Erfolgsstory sieht anders aus, doch Neumann lässt auf den Ampera nichts kommen. Seine Frau fährt privat so ein Modell und war seitdem praktisch nie mehr an einer Tankstelle, streut der Opel-Chef ins Gespräch ein. "Mit den beiden neuen Modellen hat General Motors einen Baukasten, aus dem wir uns bedienen und das für Europa richtige Konzept konstruieren können", sagt Neumann. Trotz des Ampera-Abschieds und des Rückzugs von Chevrolet aus Europa - die Technik des neuen Volt wird von Herbst an dennoch hierzulande verfügbar sein: in Gestalt des Cadillac ELR.



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
gewgaw 14.01.2015
1. Warum fällt das nicht auf?
E-Autos ermöglichen den Verkauf dickers SUVs
rennflosse 14.01.2015
2. Marketing
Wenn auf dem Ding "Cadillac" draufsteht, dann sind die Leute vielleicht eher bereit, aberwitzig viel Geld auszugeben als mit einem "Opel" - Logo. Es wusste ja auch jeder dass es sich um einen umgelabelten Volt handelte.
arrogist 14.01.2015
3. Der Benzinpreis...
...wird ganz sicher nicht ewig so niedrig bleiben: Erstens weil bei geringer Gewinnspanne keiner mehr in neue Anlagen zur Ölförderung investiert, zweitens weil es eine endliche Ressource ist und bleibt und - drittens - weil bei einem dauerhaft niedrigen Ölpreis ganz sicher der Finanzminister auf Ideen kommt, wie er seine Kassenlage verbessern könnte. Daher ist es auch wirtschaftlich auf mittlere Sicht schon richtig, in neue Antriebstechnologien zu investieren, auch wenn der Strom für Elektroautos erzeugt werden muss - das geht schon heute zumindest auch über erneuerbare Energiequellen wie Wind und Solar, aber hat schonmal einer was von erneuerbar erzeugtem Diesel gehört? Jaja, aus Algen und Pflanzen, wo der Düngerinput höher ist als die Energieausbeute. Auch Wasserstoff muss erzeugt werden, das mit der Brennstoffzelle (Toyota) mag funktionieren, ich glaube da nicht so wirklich dran. Und da ja auch die CO2-Grenzwerte ohne Strom kaum zu erreichen sind, geht es nur mit Elektro. Dass GM nun was auf die Beine stellt, ist ja positiv, erstens könnte das Tesla und der anderen Konkurrenz Beine machen. Noch ist der Bolt nur eine Studie (und Tesla hat das Model X ja auch mehrfach verschoben) und der Preis des Bolt dürfte ohne die US-Incentives eher bei 40.000 Doller liegen (bei den angekündigten Materialien sowieso), in Europa sowieso wegen der im Endpreis enthaltenen MwSt und anderer Aufschläge noch höher. Aber Tesla wird sich ranhalten müssen, wenn die Gigafactory nicht wirklich zu einer deutlichen Senkung der Batteriepreise führt, dann wird es wirklich eng.
chris4you 14.01.2015
4. Nein, da muß nich Cadillac
drauf stehen, in -D- muss es VW oder Audi sein (etron), ist zwar das gleiche Prinzip und wird als "Vorsprung durch Technik" angepriesen, läuft aber als "Ampera" schon deutlich länger... soviel zum Vorsprung durch Technik und die Statusabhängigkeit des dt. Käufers (jede Wette, die kopierten Konzepte mit den genannten Labels laufen besser ;o)!
pace335 14.01.2015
5. Die Elektromobilität ist vor allem für
den Ottonormalfahrer der größte Flop des Jahrhundert!
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