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Chevrolet Volt: Wie elektrisch fährt dieses Elektroauto?

Von Jürgen Pander

Seit Jahren wird der Chevrolet Volt als Elektroauto der Zukunft angepriesen. Nun räumt Hersteller GM ein, der Benzinmotor des Wagens erzeuge nicht nur Strom, sondern treibe mitunter auch direkt die Räder an. Eingefleischte Stromer-Fans sind empört - und fühlen sich getäuscht.

Chevorlet Volt/Opel Ampera: Elektro- oder Hybridauto? Fotos

"Did the General lie to us?" Hat General Motors uns belogen? Die Frage wird derzeit in der US-Autopresse und in einschlägigen Blogs gestellt und heftig diskutiert. Auslöser ist die offizielle Vorstellung des Chevrolet Volt in den USA, bei der Journalisten erstmals mit dem Auto fahren konnten - und bei der die Verantwortlichen des Autokonzerns erstmals ein paar neue Details zum Antrieb des Elektroautos enthüllten, die prompt zu einer heftigen Kontroverse führten.

Im Kern geht es um die Frage, ob der Chevrolet Volt - das Auto ist übrigens technisch identisch mit dem Opel Ampera, der Ende 2011 in Deutschland auf den Markt kommt - nun ein reines Elektroauto ist oder doch eher ein Hybridmodell. General Motors hatte bislang stets betont, beim Volt handle es sich um ein Elektroauto ganz neuer Bauart.

Der Antrieb besteht aus drei Motoren: Einem großen Elektromotor mit 150 PS, einem kleinen Elektromotor der als Generator fungiert und einem Vierzylinder-Benziner mit 81 PS, der als Range Extender bezeichnet wird. Range Extender deshalb, weil die Maschine immer dann anspringt, wenn die elektrische Energie in den Lithium-Ionen-Akkus zur Neige geht. Der Verbrenner erzeugt dann über den Generator Strom, mit dem das Auto weiter fahren kann. Mit vollen Akkus, so GM, fahre der Wagen bis zu 60 Kilometer rein elektrisch und völlig abgasfrei; der Vierzylinder könne dann, einen vollen Sprittank vorausgesetzt, während der Fahrt Strom für weitere rund 500 Kilometer erzeugen. Das Problem der begrenzten Reichweite von Elektroautos sei damit gelöst.

Bei der jüngsten Pressevorstellung stellte sich nun aber heraus, dass es noch einen dritten Betriebszustand gibt, bei dem nicht nur der große Elektromotor die Räder des Autos antreibt, sondern bei dem auch ein Teil des vom Verbrennungsmotor gelieferten Drehmoments über ein Planetengetriebe abgezweigt und direkt an die Antriebsräder geleitet wird. Das entspräche technisch einem Hybridantrieb - zwei unterschiedliche Motoren sorgen für das Vorwärtskommen eines Fahrzeugs, und es gibt eine mechanische Verbindung zwischen Verbrenner und Rädern.

"Das wichtigste Ziel war die maximale Effizienz"

Andrew Marshall, Technologie-Sprecher von Opel, bestätigte SPIEGEL ONLINE diese Antriebskonfiguration - machte aber deutlich, dass der Wagen in jeder Fahrsituation vor allem vom großen Elektromotor angetrieben werde. "Wenn die Batterien voll sind und das Auto beschleunigt auf 130 km/h, geschieht das rein elektrisch, allerdings schaltet sich der kleinere Elektromotor dann zu", sagt er. "Wenn die Energie in den Akkus geringer wird, fährt der Ampera bei geringerem Tempo ausschließlich mit der Kraft des Elektromotors und der Benziner produziert Strom. Wir, etwa an Steigungen oder bei höheren Geschwindigkeiten, mehr Antriebskraft benötigt, ist es tatsächlich so, das ein Teil der Kraft des Verbrenners direkt an die Räder geleitet wird." Das Auto fährt dann also nicht mehr rein elektrisch.

Warum das so ist? Marshall: "Das wichtigste Ziel war, den Ampera so effizient wie möglich zu entwickeln. Und durch diese Verteilung der Motorkraft wird der gesamte Antrieb um zehn bis fünfzehn Prozent sparsamer." Als offizieller Durchschnittsverbrauch nach der neuen EU-Formel für Elektro- und Hybridfahrzeuge wurden für den Opel Ampera 1,6 Liter je 100 Kilometer errechnet, was einem CO2-Ausstoß von 37 Gramm je Kilometer entspricht.

Wann ist ein Elektroauto wirklich ein Elektroauto?

Effizient ist das Auto also zweifellos. Und 60 Kilometer rein elektrisch fahren kann es auch. Die Diskussion, ob man den Wagen nun als Hybrid- oder Elektroauto klassifiziert, wirkt für Normalverbraucher etwas abgehoben - Vertretern der reinen Lehre vom Elektroauto hingegen erscheint der mechanische Antrieb als schlimmer Frevel. Sie wollten einen reinen Stromer und fühlen sich nun getäuscht. "GM hat die Welt belogen", schreibt etwa der renommierte US-Autojournalist Scott Oldham. Und das Automagazin "Jalopnik" zeigt den Volt mit Teufelshörnern.

Der Chevy Volt ist GMs vielleicht wichtigstes Auto - und produziert nun, kurz vor dem Marktstart, Negativschlagzeilen. Bleibt die Frage, warum GM die Tatsache, dass Volt und Ampera eben keine lupenreinen Elektroautos sind, jahrelang verschwiegen hat. Das sei keineswegs ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit, sondern schlichte Notwendigkeit gewesen, sagt Opel-Sprecher Patrick Munsch. "Da ging es um patentrechtliche Fragen, schließlich stehen wir gerade mit dieser neuen Technik in scharfem Wettbewerb zu anderen Herstellern."

Seit 21. September, so hört man, seien die Patentrechte unter Dach und Fach. Das ist insofern gut, als es jetzt nichts mehr zu verschweigen gibt. Denn eine neue Technik muss, soll sie akzeptiert werden, vor allem Vertrauen gewinnen.

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insgesamt 66 Beiträge
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1. Fortschritt und Marketing
alfa2010 15.10.2010
Das GM den Volt als Elektroauto bezeichnet ist schon verwunderlich, dafür zeichnet sich sicher die Marketingabteilung des Hauses verantwortlich. Aber: Einen Durchschnittsverbrauch von 1,6 Litern pro 100 Kilometer für ein (Groß)serienreifes Fahrzeug soll erst einmal ein anderer Hersteller nachmachen. Fahrzeuge mit Range-Extender sind meiner Meinung nach Hybridautos, ob der Verbrenner für den Antrieb verantwortlich ist oder nicht. Wenn es der Umwelt auf Dauer dient und dies die Übergangstechnologie ist, dann ist mir der Name den sich die Marketingexperten einfallen lassen eigentlich egal. Hier gibt es auch einen interessanten Artikel, der die Thematik betrifft: http://www.emissionslos.com/auto/chevrolet/420-chevrolet-volt-concept-2007.html
2. ...
rwdd 15.10.2010
Zitat von sysopSeit Jahren wird der Chevrolet Volt*als Elektroauto der Zukunft angepriesen. Nun räumt Hersteller GM ein, der Benzinmotor des Wagens erzeuge nicht*nur Strom,*sondern treibe mitunter auch direkt die Räder an.*Eingefleischte Stromer-Fans sind empört - und fühlen sich getäuscht. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,723091,00.html
Es würde ja auch an ein Wunder grenzen, wenn man mit einem 81PS Motor und dem Umweg über Generator, Batterie, Elektromotor ein Auto angemessen bewegen kann. Von gleichzeitig Batterie laden mal ganz zu schweigen. Ich hab zwar keine Ahnung wie hoch der Verlust diese Wandlersystems ist.Geht man aber von einem Verlust von 30% aus währe das also in etwa so als würde man das AUto mit einem 55 PS Motörchen bewegen. Für mich stellt sich hier aber eher die frage, warum der Elektromotor so viel Leistung haben muss wenn es doch nach 60 km nicht mehr Möglich ist diese auch nur annähernd zu nutzen. Konsequent effizient sieht für mich anders aus.
3. elektromobile Illusion
hartmut rencker 15.10.2010
Die heranziehende Elektrozeit kann uns nicht die gewohnte Mobilität bewahren, jedenfalls werden mit einer Batterieladung niemals schwergewichtige Monster mit Tempo 160 oder mehr ohne zeitraubendes Nachladen oder Batteriewechsel von Frankfurt nach München bewegt werden können. Derzeit bewegen wir uns mit den fast perfekten Energieträgern fort, nämlich den hoch energiehaltigen und leicht handhabbaren Flüssigtreibstoffen Kerosin, Benzin oder Diesel. Diese Treibstoffe kommen dem brisantesten Energieträger Wasserstoff sehr nahe ohne dessen Probleme wie die Notwendigkeit der Tiefstkühlung oder schwergewichtiger Hochdruckbehälter, die bei 700 bar Druck gerade einmal 500 Gramm Wasserstoff speichern können. Beides ist in Fahrzeugen nicht sinnvoll realisierbar. Also bleiben nur chemische Speicher übrig, auch Batterien genannt. Diese verfügen bei allen nur denkbaren Fortschritten in der Speicherungstechnik immer über ein erhebliches Eigengewicht bei eher geringen Kapazitäten, langen Ladezeiten, einer begrenzten Lebensdauer und hohen Herstellungskosten. Die Zukunft der privaten Mobilität wird durch einen bescheidenem Radius bestimmt sein, also Stadtverkehr und etwas mehr, allenfalls ausdehnbar durch extreme Gewichtsreduzierung des Vehikels unter Inkaufnahme von Komfortverlust. Auch die gepriesene Hybridtechnik bringt nur bei viel Bremsbetrieb Vorteile, auf ebenen Langstrecken gar nichts oder wegen des Mehrgewichts sogar Nachteile. Für Euphorie besteht kein Anlass.
4. Verbrauch des Benzin Motors
johndo89 15.10.2010
Mich würde mal interessieren, wenn der Benzin Motor zu geschaltet wird, wie hoch der Verbrauch von dem teil ist. Wie groß ist eigentlich der Benzintank??
5. x
mmueller60 15.10.2010
Zitat von alfa2010Das GM den Volt als Elektroauto bezeichnet ist schon verwunderlich, dafür zeichnet sich sicher die Marketingabteilung des Hauses verantwortlich. Aber: Einen Durchschnittsverbrauch von 1,6 Litern pro 100 Kilometer für ein (Groß)serienreifes Fahrzeug soll erst einmal ein anderer Hersteller nachmachen. Fahrzeuge mit Range-Extender sind meiner Meinung nach Hybridautos, ob der Verbrenner für den Antrieb verantwortlich ist oder nicht. Wenn es der Umwelt auf Dauer dient und dies die Übergangstechnologie ist, dann ist mir der Name den sich die Marketingexperten einfallen lassen eigentlich egal. Hier gibt es auch einen interessanten Artikel, der die Thematik betrifft: http://www.emissionslos.com/auto/chevrolet/420-chevrolet-volt-concept-2007.html
Wahrscheinlich kommt man nur deshalb auf diese Zahl, weil das nächtliche Volltanken an der Steckdose nicht mitgerechnet wird? Keine Ahnung. Hab von dieser angeblichen "neuen Formel" zur Durchschnittsverbrauchsrechnung noch nie was gehört.
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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Geräusche von E-Modellen: Schräger die Autos nie klingen

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
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Elektroautos im Aufwind O: Modelle und Meilensteine

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