Chinesen auf der IAA Die Xerox-Strategie

Allen Plagiatvorwürfen und Klagedrohungen zum Trotz: China Automobile Deutschland hat auf der IAA den umstrittenen Geländewagen CEO gezeigt. Am Frankfurter Stand des Importeurs erlebt der Besucher reichlich Déjà-vus, unter anderem beim nicht ganz einzigartigen Firmenlogo.


Frankfurt - Dieser Drachenkopf kommt einem irgendwie bekannt vor. Kein Wunder: Das martialische Wappen, das der Auto-Importeur China Mobile Deutschland an seinem Stand auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt verwendet, sieht aus wie eine exakte Kopie des Signets aus dem Computerspiel-Klassiker Mortal Kombat.

Geschäftsführer Karl Schlössl sind derartige Details egal. Ähnlich gleichgültig ist dem robusten Bayern, dass seine Importfirma seit vergangenen Freitag eine Klage des ungleich größeren BMW-Konzerns an der Backe hat. Der Vorwurf: Der chinesische Autohersteller Martin Motors, dessen Geländegänger CEO Schlössl in Deutschland vertreibt, habe sich hemmungslos bei den Designs der Münchner bedient. Vor allem von einer früheren Version des Geländewagens X5 hätten die Chinesen allerlei abgekupfert.

Neben BMW hatte auch Mercedes gegen diese Xerox-Strategie protestiert, sogar die Kanzlerin hatte ihr Missfallen zum Ausdruck gebracht. Schlössl zeigt die Autos trotzdem. Warum sollte er sich diese Show auch entgehen lassen? An seinem kleinen Stand stehen dank der Medienresonanz der vergangenen Wochen mehr Kamerateams als bei asiatischen Wettbewerbern wie Kia oder Daihatsu. "Uns bringt das zehn Millionen Dollar an Publicity", tönt der Geschäftsführer. "Das könnten wir uns sonst gar nicht leisten."

Inspirationen aus Mode und Musik

Schlössl muss natürlich rundheraus bestreiten, dass die Autos von Herstellern wie Martin, Jonway oder Shanghuang Plagiate sind. Schon wegen des laufenden Verfahrens. "Ob da aber wie bei Musik oder Mode Inspirationen von woanders drin sind ...", sagt er und lächelt. Überhaupt, sehen nicht alle Autos a bisserl gleich aus? Schlössl: "Johann Strauß hat mal gesagt: Im Dreivierteltakt klingt es halt immer wie a Walzer."

Dabei gilt unter Experten als unstrittig, dass chinesische Autobauer erstens fleißige Kopisten sind und zweitens beim CEO besonders emsig zu Werke gingen. Das Lenkrad erinnert an jenes einer früheren Generation des BMW 3er. Ein hübsches Detail sind auch die X5-Blinker, die von den Asiaten eins zu eins kopiert wurden - inklusive der Buchstaben "L" und "R", die auf den länglichen Plastikblenden eingestanzt wurden.

Schlecht kopierter Blinker

Die Markierung hilft den Monteuren, die Blinker richtig herum anzubringen. Beim CEO wurde der X5-Blinker um 180 Grad gedreht und seitenverkehrt angeklebt - der rechte hat nun ein "L", der linke ein "R". "Das ist so was von offensichtlich kopiert - und dann auch noch schlecht", ärgert sich ein BMW-Kenner.

Ob die Gerichte das auch so sehen, muss sich noch zeigen. Schlössl glaubt, die Sache könne sich lange über verschiedene Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg hinziehen. "Bis das entschieden ist", so der China-Importeur, "verkaufen wir hier schon die dritte Genration des CEO."



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