Inspektion von 2,7 Millionen Autos: Chrysler knickt im Rückruf-Streit ein

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Jeep Grand Cherokee: In den USA inspiziert Chrysler 2,7 Millionen Autos

Chrysler hat im Streit um einen Massenrückruf nachgegeben. Auf Drängen der US-Verkehrssicherheitsbehörde ordert der Autohersteller 2,7 Millionen Jeep Grand Cherokee und Jeep Liberty in die Werkstatt. Die Behörde stellt die Feuersicherheit der Tanks in Frage.

Auburn Hills - Von einer "Rückrufaktion" will bei Chrysler niemand reden. Wenn der Autokonzern nun 2,7 Millionen Fahrzeuge der Modelle Jeep Grand Cherokee und Jeep Liberty in die Werkstatt ordert, handelt es sich laut Pressemitteilung um eine "freiwillige Serviceaktion". Denn wenn es nach dem Hersteller geht, wäre der ganze Aufwand gar nicht nötig. Warum aber dann doch diese Millionen-Inspektion?

Chrysler sieht sich von der US- Verkehrssicherheitsbehörde zu dem Rückruf gezwungen. Die Beamten fürchten, dass bei den betroffenen Modellen der Tank bersten und ein Feuer entstehen könnte, wenn sie von hinten gerammt werden. Die National Highway Traffic Safety Administration (NTHSA) zählte bis zurück ins Jahr 1996 Dutzende derartige Unfälle mit 51 Todesopfern.

Chrysler hatte noch vor zwei Wochen einen Rückruf vehement abgelehnt und beharrt laut Pressemitteilung immer noch darauf, dass "diese Fahrzeuge nicht defekt sind und zu den sichersten ihrer Klasse gehören". In einem von der NHTSH beanstandeten Fall soll es zu einem Feuer gekommen sein, nachdem eine Sattelzugmaschine mit 65 Meilen pro Stunde mit einem stehenden Grand Cherokee kollidiert ist. Das rechtfertige nach Chrysler-Angaben keinen Rückruf.

Allerdings habe der Fall Bedenken bei den Kunden geweckt, hieß es bei dem Autobauer. Die Fiat-Tochterfirma teilte deshalb mit, die betroffenen Wagen einer "visuellen Inspektion" zu unterziehen und gegebenenfalls die hintere Struktur zu verstärken, um die bei einem Auffahrunfall auftretenden Kräfte besser in den Griff zu bekommen.

Betroffene Fahrzeuge werden auch in Deutschland angeboten

Wie der Fall außerhalb der USA behandelt wird, steht laut Angaben eines Deutschland-Sprechers von Jeep gegenüber SPIEGEL ONLINE noch nicht fest. Er bestätigte jedoch, dass die beiden Modelle baugleich in Europa angeboten werden. Anrufe von besorgten Käufern beim Kundenservice sind ihm nicht bekannt.

Die fraglichen Autos sind der Jeep Grand Cherokee der Modelljahre 1993 bis 2004 sowie der kleinere Jeep Liberty aus den Jahren 2002 bis 2007, der außerhalb der USA ebenfalls unter der Bezeichnung Cherokee vertrieben wird. Bei diesen Fahrzeugen sitzt der Tank hinter statt vor der Hinterachse. Durch diese Konstruktion sei der Tank verwundbarer für rückwärtige Crashs, schrieben die Experten der US-Verkehrssicherheitsbehörde Anfang Juni in einem Brief an Chrysler.

cst/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Och Joh!
Carlo Nappo 19.06.2013
Na wenn der Tank eines PKW's einen LKW Aufprall von rund 105 km/h nicht standhält und dabei "sogar" reissen kann, einen derartigen Rückruf auslösen kann, sind wir alle gespannt, was da noch so folgt. Vermutlich kommt bald ein pauschaler Rückruf für Cabriolets, auf deren Verdeck kein Hubschrauber notlanden kann, ohne das dieses "zusammenbricht". Da wird dann vermutlich zur "Sicherheit" unter dem Verdeck eine stabile Stahlträgerkonstruktion eingeschweißt.
2. Die US-Amerikaner ticken .....
kenterziege 19.06.2013
Zitat von sysopChrysler hat im Streit um einen Massenrückruf nachgegeben. Auf Drängen der US-Verkehrssicherheitsbehörde ordert der Autohersteller 2,7 Millionen Jeep Grand Cherokee und Jeep Liberty in die Werkstatt. Die Behörde stellt die Feuersicherheit der Tanks in Frage. Chrysler ordert nun doch 2,7 Millionen Jeep Cherokee in die Werkstatt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/chrysler-ordert-nun-doch-2-7-millionen-jeep-cherokee-in-die-werkstatt-a-906591.html)
....anders. Es sind die Anwälte mit ihren abenteuerlichen Schadenersatzforderungen, die zu den abendteuerlichsten Entscheidungen führen. Ich hatte mir 1991 direkt in den USA einen Mazda MX5 gekauft. Die Betriebsanleitung war trotz der Tatsache, das techn. Englisch kürzere Sätze bei gleicher Information erlaubt, doppelt so dick, wie die deutsche Ausgabe. An jeder Stelle Warnhinweise für die simpelsten und bekanntesten Dinge. Aufkleber im Motorraum ohne Ende. Selbst im rechten Außenspiegel der Hinweis, das die Objekte näher sein können, als sie entscheiden. Der CEO von Toyota schmeißt sich in den Sand, weil suggeriert wird, dass ein spezieller Typ von allein beschleunigt, was dann die zuständige US-Behörde nach der ganzen getypten Kampagne selbst als Unsinn erklärte. Marchionne, als Kanadier weiß um diese Dinge. Die Schlagzeile " Chrysler gefährdet bewusst Menschenleben, weil sie sich die Kosten für den Rückruf ersparen" , will er unbedingt vermeiden. Ingenieure lachen sich über so eine Panikmache schlapp. Aber in den USA mehr , als anderswo regieren Juristen. Werden die AMI's ihre großen Infrastrukturprobleme mit dieser Art von "Denke" lösen? Wenn ein Land mehr Juristen hat, als Ingenieure - dann ist der Abstieg programmiert! Ic stelle mir gerade vor, die A-Klasse von Daimler wäre damals in den USA umgekippt.....
3.
Mart-73 19.06.2013
Unerklärlich aber bleibt warum extreme Umbauten in den unterschiedlichsten Fahrzeugklassen problemlos eine Straßenzulassung bekommen. Der Tüv in unserem Land würde für jede noch so kleine Lächerlichkeit jeden nur erdenklichen Nachweis verlangen, welcher die Sicherheit garantiert. Costumizer in Deutschland kennen dies nur zu gut. :-)
4.
tzdv9000 19.06.2013
Zitat von Mart-73Unerklärlich aber bleibt warum extreme Umbauten in den unterschiedlichsten Fahrzeugklassen problemlos eine Straßenzulassung bekommen. Der Tüv in unserem Land würde für jede noch so kleine Lächerlichkeit jeden nur erdenklichen Nachweis verlangen, welcher die Sicherheit garantiert. Costumizer in Deutschland kennen dies nur zu gut. :-)
Weil sie eben nicht überall eine Strassenzulassung bekommen - das ist von Staat zu Staat unterschiedlich, und nicht alles, was in den USA eine license plate trägt, ist zulassungsfähig bzw. zugelassen. ;-) Ansonsten bin ich da ganz bei Ihnen - für welche Lächerlichkeiten hierzulande ein Nachweis erforderlich ist, sorgt wahrscheinlich überall sonst für Reaktionen von befremdlichen Stirnrunzeln bis zum schallenden Gelächter.
5. Na ja,
schockierter! 19.06.2013
Chrysler, samt Jeep ist ja nun FIAT. Und das ist irgendwo hinterm Großem Wasser. Da muß man was machen. Es gibt zig Millionen Autos wo der Tank hinter! der HA unterm Kofferraumboden hängt Die spinnen, die Amis
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