Citroën C-Cactus Das aufgeklärte Auto

Weniger Bauteile, weniger Schnickschnack, viel weniger Spritverbrauch - der französische Hersteller Citroën hat ein vollwertiges Auto entwickelt, das alles kann, aber nichts mehr beweisen will. Sieht so die Zukunft des Pkw aus?

Von Jürgen Pander


Es muss eben nicht immer mehr sein. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt (IAA), die in der kommenden Woche beginnt, wird Citroën ein Fahrzeug vorstellen, das einen bisweilen schon lächerlichen Reflex der Autohersteller einfach ignoriert: jedes neue Modell mit immer mehr Technikdetails, Elektronikspielereien oder Luxusmätzchen auszustaffieren. Die Franzosen haben stattdessen ein minimalistisches Auto gebaut, 4,20 Meter lang, rundum originell und intelligent, das von einem Diesel-Hybrid-Antrieb flottgemacht wird und dennoch nicht mehr kosten soll als 16.000 Euro.

Wie das? Man habe, erklären die Citroën-Entwickler, "bewusst auf alle Ausstattungen verzichtet, die nicht wesentlich für das Wohlbefinden der Insassen sind". Wert gelegt wurde vielmehr "auf eine Technik, Gestaltung und Ausstattung, die mit dem Umweltbewusstsein und der Konsequenz aufgeklärter Fahrzeugnutzer im Einklang" stehe.

Ökologisch ist der Wagen ein Musterknabe: Der 70 PS starke Dieselmotor geht gemeinsam mit einem 30 PS starken Elektromotor ans Werk, der im Kupplungsgehäuse integeriert ist. Dadurch liegt der Verbrauch im Durchschnitt bei 3,4 Litern Diesel je 100 Kilometern, was einem CO2-Ausstoß von 78 Gramm je Kilometer entspricht.

Intelligente Reduktion auf das Wesentliche

Dabei handelt es sich beim C-Cactus, so der Name der aufgeweckten Studie, nicht um ein verhärmtes Geizmobil, sondern im Gegenteil um ein luftiges, fröhliches Auto. Studieren lässt sich an dem Modell vor allem die Kunst des Weglassens. Ein Armaturenbrett beispielsweise gibt es nicht. Alle wichtigen Bedienelemente und Anzeigen sind entweder in der feststehenden Lenkradnabe oder in der Mittelkonsole untergebracht, die sich zwischen den beiden Vordersitzen aufschwingt.

Statt eines Handschuhfachs gibt es eine Tasche, die dort angeklippt, aber auch außerhalb des Wagens genutzt werden kann. Und weil der C-Cactus über eine Klimaanlage verfügt, wurde auf Fensterheber verzichtet. Lediglich die Scheibe an der Fahrertür lässt sich aufschieben, um ein Parkticket zu lösen oder nach dem Weg zu fragen.

Diese Art von Sparsamkeit, die den Nutzwert des Autos kein bisschen einschränkt, führt zu geringeren Kosten. Das überschüssige Geld kann Citroën in den komplexen Hybridantrieb stecken. Der Minimalismus führt auch zu weniger Gewicht, denn der C-Cactus wiegt gerade mal 1306 Kilogramm. Im Innenraum, teilt Citroën mit, wurden lediglich 200 statt der sonst üblichen 400 Teile verbaut.

Die Türverkleidung etwa besteht aus zwei Teilen, in manchen Limousinen kommen hier zwölf Bauteile zum Einsatz. Und weil es Entwicklungskosten spart, taucht das untere Karosserieteil der Frontpartie exakt gleich noch einmal am Heck auf - die Herstellung werde so aufgrund von Skaleneffekten deutlich billiger, argumentiert Citroën.

Neue Ästhetik durch Verzicht auf Verkleidungen

Die Konsequenz, mit der die Ingenieure den C-Cactus auf Verträglichkeit in jeder Hinsicht trimmten, ist beachtlich. Die Bodenverkleidung wurde aus recycelten Lederresten hergestellt, zahlreiche Bauteile sind aus Kork gefertigt und an den Türverkleidungen kommt Filz zum Einsatz. Weil auf Blenden und Abdeckungen weitgehend verzichtet wurde, entstand im Innenraum eine ungewohnte Ästhetik: Die Lenksäule, die Luftkanäle der Klimaanlage oder die Längsverstellung der Vordersitze sind vollständig sichtbar.

Schmückendes Beiwerk wurde nirgendwo angebracht. Im Gegenteil: Die Designer haben den C-Cactus mit Löchern dekoriert. So wurden aus Sitzschalen oder Verkleidungen Blumen-, Pflanzen- und Schmetterlingsmotive ausgefräst. Es entstanden so hübsche Ornamente, die auch noch Gewicht sparen.

Äußerlich erscheint der C-Cactus etwas pummelig, doch wirkt das Auto - auch aufgrund der großen 21-Zoll-Räder - durchaus nicht träge. Das Gepäckabteil bietet ein Stauvolumen von 500 bis 1100 Liter, angenehme Extras wie ein großes Panoramaglasdach, ein Navigationssystem sowie eine Musikanlage sind an Bord.

Die Höchstgeschwindigkeit des Wagens, der in der Stadt übrigens auch rein elektrisch und damit abgasfrei fahren kann, ist auf 150 km/h beschränkt. Citroen möchte damit "den Willen zu einem neuen Denken in Sachen Autofahren" zeigen und träumt vom "Autofahrer in Harmonie mit seiner Umgebung, der Umwelt und anderen Verkehrsteilnehmern". Es besteht also noch Hoffnung.

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