Beschluss in Brüssel Neue CO2-Grenzwerte spalten Bundesregierung

Das Verkehrsministerium hadert mit den schärferen CO2-Grenzwerten, Umweltministerin Svenja Schulze sieht einen Erfolg für Klima und Arbeitsplätze. VW kündigt bereits Konsequenzen an.

Autoabgase (Symbolbild)
picture alliance/Franziska Kraufmann/dpa

Autoabgase (Symbolbild)


Teile der Bundesregierung haben mit Bedauern auf den Kompromiss für neue CO2-Grenzwerte in Brüssel reagiert. "Wir hätten uns sicherlich etwas anderes gewünscht", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), am Dienstag im Deutschlandfunk. "Aber so ist nun mal die Vorgabe der Europäischen Union."

Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments hatten gestern beschlossen, dass der CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2030 um 37,5 Prozent im Vergleich zu 2021 sinken soll. Für leichte Nutzfahrzeuge wurde eine CO2-Reduktion um 31 Prozent vereinbart. Als Zwischenziel soll in beiden Fahrzeugklassen bis 2025 eine Minderung um 15 Prozent erreicht sein.

Schulze: "Verbraucher könnten sich auf sparsamere Autos freuen"

Deutschland wollte ursprünglich nur 30 Prozent CO2-Minderung, hatte dann aber einem Kompromiss der 28 EU-Staaten für 35 Prozent Minderung zugestimmt. Mit 37,5 Prozent sind die Vorgaben nun noch einmal etwas schärfer geworden. Das Europaparlament hatte auf 40 Prozent gepocht.

Während die Bundesregierung zerknirscht ist, hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze den EU-Kompromiss zu schärferen Klimaschutzvorgaben für Neuwagen begrüßt. "Dieser Beschluss ist ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz im Verkehrsbereich. Um unsere Klimaziele zu erreichen, werden weitere folgen müssen."

Die Autobauer müssten sich zwar anstrengen, damit Neuwagen ab 2030 die geforderten 37,5 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 2021, sagte Schulze. Aber die Anreize für effizientere Autos und saubere Mobilität stärkten den Autostandort Europa. "Die EU-Standards werden dazu führen, dass die Hersteller nicht nur in China, sondern auch bei uns in Elektromobilität und Zukunftsjobs investieren", sagte sie. Verbraucher könnten sich auf sparsamere Autos freuen.

VW will Anteil der E-Autos am Gesamtabsatz steigern

Volkswagen reagierte indes sofort. VW-Chef Herbert Diess kündigte direkt nach der Entscheidung in Brüssel an, den Umbau der VW-Flotte künftig schneller als geplant vorantreiben zu wollen. Mit der Verschärfung des Flottenziels müsse der Konzern den Anteil der E-Autos am Gesamtabsatz bis 2030 auf über 40 Prozent hieven, sagte Diess in Wolfsburg.

"Das heißt, unser beschlossenes Umbauprogramm, das für diesen Systemwechsel erforderlich ist, reicht noch nicht aus", sagte Diess. Möglicherweise müssten weitere Verbrennermodelle entfallen, die Werksstrukturen radikaler umgebaut und weitere Batteriezellfabriken gebaut werden.

Volkswagen sei bisher davon ausgegangen, dass der CO2-Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent sinken solle, sagte Diess. Durch den Druck aus Brüssel müssen VW und auch die anderen großen Hersteller nun noch einmal neu planen.

cfr/dpa/Reuters



insgesamt 87 Beiträge
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dennisxxdecker 18.12.2018
1. Dekarbonisierung heißt Agrarkommunismus
Ohne Atom und Fossilen wird sich unsere Gesellschaft sehr schnell zur einer Agrargesellschaft wandeln. in der neueren Geschichte gibt es ein paar Beispiele, wie kann das funktionieren. Nicht mal D hat das Geld um die 300 000 Windkraftanlagen zu finanzieren.
Duffy73 18.12.2018
2. geht doch...
abgesehen davon, dass ich mir niemals einen VW kaufen würde: geht doch, wenn man will. Unsere deutschen Autohersteller sollten langsam kapieren, dass mit den Klimazielen keineswegs weniger Autos gekauft werden. Sie werden nur bei dem Hersteller gekauft, der die Abgasgrenze auch einhalten kann. Und wenn die deutschen Hersteller das nicht können, werden es eben ausländische Marken sein. Aber auch diese Autos müssen irgendwie hergestellt werden. Zusammengefasst heißt das: Ja, es könnten Arbeitsplätze bei deutschen Herstellern gefährdet sein. Aber die werden dann bei anderen Herstellern benötigt....
Marut 18.12.2018
3. So geht es aber nicht.
Die Autoindustrie hat 30 % erwartet und bekommt 37,5%. So geht es aber nicht. Schließlich ist die Autoindustrie seit Ewigkeiten gewohnt, dass die Politik nach ihren Vorstellungen funktioniert. Das Politiker nicht nach den Forderungen der Lobbyisten spuren, das hat es ja noch nie gegeben. So geht es aber nicht - wie sollen denn exorbitante Renditen erwirtschaftet werden, wenn nicht die gewünschten Vorgaben geliefert werden? Da müssen die doch gar ihr Angebot ändern und nicht mehr mit Vorrang teure und sehr schwere SUV-Panzer verkaufen, die dicke Gewinns garantieren. Und das alles wegen dieser blöden Umwelt. Das kriegen die, die heute entscheiden, doch gar nicht mehr mit. Und wenn die Kinder nach in schlechter Luft keuchen, kriegen die es doch auch gar nicht mehr mit. So was soll's - und sich dafür heute einschränken - das ist ja üble Planwirtschaft.
Marut 18.12.2018
4. Zu Beitag 1)
Zitat von dennisxxdeckerOhne Atom und Fossilen wird sich unsere Gesellschaft sehr schnell zur einer Agrargesellschaft wandeln. in der neueren Geschichte gibt es ein paar Beispiele, wie kann das funktionieren. Nicht mal D hat das Geld um die 300 000 Windkraftanlagen zu finanzieren.
Ist das jetzt als Ironie gemeint oder ist es etwa eine ernste gemeinte, geistig nicht gerade üppig durchdachte reale Meinung?
rosinenzuechterin 18.12.2018
5. Schön, sehr schön ... aber nicht schön genug
Ich bin zwar keine Freundin von VW, begrüße aber, dass man sich dort der Zukunft zu stellen bereit zu sein scheint. Dass man es - mit entsprechender Anstrengung, die allerdings wohl auch der Verbraucher in der Geldbörse spüren wird - offensichtlich als technisch machbar einstuft, zeigt die Richtigkeit der massiven Absenkung der Grenzwerte. ABER: 2050 wollten wir doch dekarbonisiert sein. Wir müssen dafür zwischen 2030 und 2050 die CO2-Emissionen um (ausgehend von 2030) 100% drücken. VW sollte bereits jetzt daran arbeiten, DAS zu schaffen, denn dieser Prozess muss in 31 Jahren, also 2 bis 3 Autoleben abgeschlossen sein.
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