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CO2-Ranking: Gesundheitsministerin Schmidt fährt den umweltschädlichsten Dienstwagen

In der Debatte um den CO2-Ausstoß von Autos rücken die Dienstwagen der Bundesminister immer stärker in die Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe hat jetzt eine Rangliste der klimaschädlichsten Minister-Limousinen veröffentlicht. Ganz vorn liegt ausgerechnet die Gesundheitsministerin.

Berlin - Sie sind groß, sie sind schnell und sie ziehen immer mehr Kritik von Umweltschützern auf sich: Die Dienstwagen von Spitzenpolitikern werden in der Debatte um den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß von Autos zunehmend angeprangert. Grund: Viele dieser Limousinen sind wahre Dreckschleudern. Zuerst kündigte EU-Kommissar Stavros Dimas an, seinen deutschen Dienstwagen auszutauschen, dann rief Grünen-Fraktionschefin Renate Künast zum Kauf von umweltverträglicheren Toyota-Modellen auf.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in einem ihrer Dienstwagen: Umweltschützer verlangen von den Ministern, ihre Autos auszutauschen
MARCO-URBAN.DE

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in einem ihrer Dienstwagen: Umweltschützer verlangen von den Ministern, ihre Autos auszutauschen

Jetzt hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Mitglieder der Bundesregierung aufgefordert, ihre Dienstwagen durch weniger klimaschädliche Modelle zu ersetzen. Angesichts der aktuellen Diskussion um die Verbrauchswerte von Pkw sei es unverantwortlich, an den bisherigen schweren Spritschlucker-Limousinen festzuhalten, erklärte die Organisation heute in Berlin. "Die Mitglieder der Bundesregierung müssen mit gutem Beispiel vorangehen", verlangte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Besonders brisant: Laut DUH überschreiten alle Dienstwagen der deutschen Bundesminister und Staatssekretäre den von der EU-Kommission vorgegebenen Emissionszielwert von durchschnittlich 130 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer - und zwar deutlich.

Die Entwicklungsministerin fährt relativ umweltverträglich

Um ihr Anliegen zu untermauern, hat die DUH die Minister-Limousinen in einer nach CO2-Ausstoß gestaffelten Rangliste aufgeführt. Die schlechtesten Werte beim Schadstoffausstoß erreicht demnach der Dienstwagen von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) mit 286 Gramm CO2/km vor Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mit 271 Gramm CO2/km und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) mit 267 Gramm CO2/km. Schmidts Mercedes-Benz S500 führt zugleich die Negativ-Hitliste beim Kraftstoffverbrauch mit 17,7 Litern auf 100 Kilometer an.

Noch am umweltfreundlichsten fährt demnach Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), deren Mercedes-Benz E200 212 Gramm CO2/km ausstößt. Mehrere Spitzenpolitiker, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) waren laut DUH nicht zu Auskünften über den Spritverbrauch ihrer Dienstwagen bereit. Ausdrücklich als gepanzert ausgewiesene Limousinen wurden laut DUH nicht berücksichtigt.

Die Umwelthilfe verweist in ihrer Erklärung auf die Dienstvorschrift, wonach "bei der Auswahl der Fahrzeuge auf einen kostengünstigen Unterhalt und geringen Spritverbrauch" zu achten ist. Dabei müsse ein deutscher Minister nicht einmal, wie von Grünen-Fraktionschefin Renate Künast angeregt, ein japanisches Auto kaufen, wenn er einen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten wolle. Als Beispiel nannte die DUH den Mercedes-Benz E-220D mit 170 PS, 227 km/h Spitzengeschwindigkeit und einem moderaten Emissionswert von 167 Gramm CO2/km.

Gesundheitsministerium bemängelt "falsche Berechnung"

Klaus Vater, Sprecher im Bundesgesundheitsministerium, wies die Kritik der DUH zurück. Nur den Stadt-Spritverbrauch der Dienstwagen als Richtmaß zu nehmen, sei unangemessen. "Das trifft die Realität nicht", sagte Vater zu SPIEGEL ONLINE. Werde Stadt- und Landverkehr kombiniert berechnet, betrage der Spritverbrauch von Ministerin Schmidts Dienstwagen laut internen Berechnungen 13,7 Liter. Zudem könne aus Sicherheitsgründen nicht genau gesagt werden, welches Auto gepanzert sei und den Verbrauch dadurch erhöhe. Insofern seien die Berechnungen falsch.

Die DUH blieb auf Nachfrage bei ihrer Darstellung. Die Ministerien seien bei der aufwendigen Recherche der Daten ausdrücklich nach den Panzerungen gefragt worden, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Resch zu SPIEGEL ONLINE. Wo keine Panzerung genannt oder aufgrund des Gewichts zu vermuten sei, sei demnach von keiner solchen auszugehen.

Wer emittiert wie viel? PS, Spritverbrauch und CO2-Ausstoß aktueller Dienstwagen der Bundesminister bzw. ihrer Staatssekretäre
Ministerium Minister/ Staatssekretär Fahrzeug PS Sprit-verbrauch in der Stadt CO2-Ausstoß pro km
1. Gesundheit Ulla Schmidt Mercedes-Benz S500 388 17,7 l 286 g
2. Wirtschaft Michael Glos BMW 750i Benzin 367 16,9 l 271 g
3. Verkehr Wolfgang Tiefensee BMW 740i Benzin 367 16,3 l 267 g
4. Familie, Senioren, Frauen Ursula v. d. Leyen Audi A8 4,2 Benzin 350 15,7 l 259 g
5. Justiz Brigitte Zypris VW Phaeton V6 TDI 225 12,9 l 259 g
6. Inneres Staatssekretäre Hahlen/Hanning VW Phaeton V6 TDI 225 12,9 l 259 g
7. Finanzen Staatssekretäre Diller/Hendricks Mercedes-Benz S350 272 14,7 l 247 g
8. Umwelt Sigmar Gabriel Audi A8 4,2 TDI 326 13,3 l 249 g
9. Arbeit und Soziales Franz Müntefering Audi A8 4,2 TDI 326 13,3 l 249 g
10. Bildung und Forschung Annette Schavan Mercedes-Benz S350 272 14,7 l 247 g
11. Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz Horst Seehofer Audi A8 3,0 TDI 223 12,1 l 223 g
12. Auswärtiges Amt Staatsminister Erler/Gloser Audi A8 3,0 TDI 223 12,1 l 223 g
13. Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung H. Wieczorek-Zeul Mercedes-Benz E200 184 12,1 l 212 g
Quelle: DUH-Recherche vom 6. bis 12. Februar 2007. Folgende Häuser wollten keine Angaben machen: Verteidigungsministerium und Bundeskanzleramt bzgl. des Staatsministers im Kanzleramt. Ausdrücklich als gepanzert ausgewiesene Pkw wurden nicht aufgenommen

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har/AFP

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