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04. Februar 2013, 15:27 Uhr

CO2-Regelung bei Neuwagen

Bundesregierung unterstützt die Autolobby

Im Streit mit der EU um die Abgasnorm für Neuwagen hat die Autolobby einen Verbündeten: Die Bundesregierung will die Pläne der Pkw-Hersteller unterstützen. Sie wirbt für eine großzügigere Berücksichtigung von Hybrid- und Elektroautos - hat sich dafür aber schon vorab eine Abfuhr eingeholt.

Frankfurt - Die Autos der deutschen Hersteller sind oft luxuriös, schwer und stark motorisiert. Das macht die Fahrt zwar kommod, sorgt aber für einen hohen Spritverbrauch - und einen entsprechenden CO2-Ausstoß. Die durchschnittlich zulässige Höhe der Emission legt die EU fest. Überschreitet der Flottenausstoß eines Herstellers diesen Wert, drohen Strafzahlungen. Deshalb ringen die Verantwortlichen mit der Politik um die exakte Berechnung des Wertes.

Wie die "FAZ" in ihrer Montagsausgabe berichtet, bekommt die Autolobby nun von der Bundesregierung Unterstützung. Demnach sollen neue Grenzwerte für 2025 nicht vor 2017 verhandelt werden. Außerdem sollen Pkw-Bauer Fahrzeuge mit geringem oder gar keinem Ausstoß wie Elektroautos mit dem Faktor drei für die CO2-Bilanz ihrer Flotte anrechnen dürfen. Ein Hybrid- oder E-Mobil könnte damit also den Verbrauch mehrerer Spritschlucker kompensieren.

Die Wünsche der Industrie gehen noch weiter. Denn die Konzerne sollen die Bonuspunkte schon jetzt sparen und dann nach 2020 nutzen können, um strengere Regeln einzuhalten. Von 2020 an sollen Autos im Schnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. 2012 lag der Durchschnitt der Neuzulassungen in Deutschland nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamts noch bei knapp 142 Gramm.

Besonders die deutschen Oberklassehersteller wie BMW , Daimler oder die VW-Töchter Audi und Porsche liegen zum Teil deutlich über dem Schnitt. Sie dürften mit ihren schweren Wagen mehr Probleme mit den Grenzwerten bekommen als Massenhersteller wie Peugeot , Renault und Fiat oder der weltgrößte Autobauer Toyota, der besonders viele Hybridfahrzeuge verkauft.

Sollte sich die deutsche Position, die auf frühere Forderungen des Branchenverbands VDA zurückgeht, durchsetzen, könnten sich die Hersteller bei der CO2-Reduzierung mehr Zeit lassen. Allein durch die Mehrfachanrechnung von Elektroautos würde das Ziel für 2020 von 95 Gramm pro Kilometer nach Zahlen der "FAZ" auf rund 105 Gramm verwässert.

Umweltverbände kritisieren schon lange die Pläne zur Mehrfachanrechnung und fordern noch strengere Auflagen mit Grenzwerten von 70 Gramm CO2 pro Kilometer. Das entspräche dann in etwa einem Spritverbrauch von drei Litern auf 100 Kilometer.

Die EU-Kommission hat den Wünschen der Bundesregierung und der Autoindustrie aber schon vorab eine Abfuhr erteilt: Man bleibe bei den eigenen Vorschlägen, sagte ein Sprecher von Klimakommissarin Connie Hedegaard. Zwar favorisiert auch die EU eine höhere Anrechnung von Elektroautos, allerdings nur mit dem Faktor 1,3.

rom/dpa-AFX

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