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Coda Automotive: Der elektrische Biedermann

Aus Santa Monica berichtet

Mit dem Tesla Roadster aus Kalifornien kam das Thema Elektroauto ab 2008 so richtig ins Rollen. Die kalifornische Firma Coda hat nun eine Limousine mit Elektro-Antrieb entwickelt, die quasi das alltags- und familientaugliches Pendant zum Hip-Sportwagen werden soll.

Coda Automotive: Elektroauto ohne Allüren Fotos
Tom Grünweg

Normalerweise kauft man hier Designermode, teuren Schmuck oder edles Schuhwerk. Doch seit ein paar Wochen gibt es in der schillernden Westflield Century Mall zwischen Beverly Hills und Santa Barbara einen ungewöhnlichen Neuzugang: Coda steht an der Holzfassade der kleinen Boutique, die aussieht wie eine coole Kaffeebar. Drinnen jedoch steht das Schnittmodell eines Autos, und davor parkt ein Kleinwagen, der nicht zum noblen Ambiente passen will. Die ausgesprochen schlichte Stufenhecklimousine versprüht noch weniger Charme als ein Chevrolet Cruze. Dennoch bleiben ständig Passanten vor dem Viertürer stehen, viele betreten danach das Geschäft. Sie werden angelockt von bunten Aufklebern: "All-Electric, No Tailpipe - No Emissions" steht auf denen. "Voll elektrisch, kein Auspuff - keine Abgase."

Entwickelt hat das Auto das in Santa Monica beheimatete Startup-Unternehmen Coda, in das fünf internationale Fondsgesellschaften bereits 300 Millionen Dollar investiert haben. Genau wie Tesla Motors, dem Elektroauto-Pionier der ein paar hundert Meilen weiter im Norden beheimatet ist, elektrifizierten die inzwischen 200 Coda-Mitarbeiter ein bestehendes Fahrzeug. Während Tesla auf einen exotischen Sportwagen auf Basis des Lotus Elise setzt und das Auto für mehr als 100.000 Dollar anbietet, setzt Coda auf Elektromobilität für Jedermann.

"Wir denken an den ganz normalen Durchschnittsamerikaner, an Pendler wie dich und mich", sagt Coda-Marketing-Chef Thomas Hausch. Und so entstand eine biedere Stufenheck-Limousine, wie sie der Großstädter als Auto für Kind und Kegel kauft. Der Preis liegt bei 44.900 Dollar, wobei Käufer mit einer Elektro-Auto-Förderung von 7500 Dollar von der US-Regierung und weiteren 2500 Dollar von der kalifornischen Exekutive rechnen dürfen.

Ein "Guru" erklärt, wie das Auto funktioniert

Wie die kleine Limousine namens Coda funktioniert, lassen sich täglich bis zu 300 Interessenten von Männern wie Jason Wigard erklären. Die heißen bei Coda nicht "Berater", sondern "Guru" und können stundenlang über die Technik referieren. Von ihnen lernt man, dass der Wagen eigentlich als Lizenzbau eines ausrangierten Mitsubishi von Hafei im chinesischen Harbin gebaut und ohne Antrieb als so genannter Glider nach San Francisco geliefert wird. In Kalifornien dann baut Coda den 136 PS starken E-Motor sowie die 728 Lithium-Eisen-Phospat-Akkus ein, die ebenfalls aus China stammen und eine Kapazität von 36 kWh haben. "Das reicht selbst bei voll aufgedrehter Klimaanlage für 150 Kilometer Fahrstrecke", sagt Hausch.

Guru Wigard kann auch erklären, wieso der Coda trotz der preisdrückenden China-Connection gut 5000 Dollar mehr kostet als der Elektro-Kompaktwagen Nissan Leaf, der in Japan und in den USA gebaut wird. "Wir haben die besseren Akkus", sagt er voller Überzeugung. Nicht nur die Kapazität und damit die Reichweite sei um 50 Prozent größer. Die Akkus des Coda ließen sich auch schneller laden. "Eine Stunde Ladezeit für 50, zwei Stunden für 100 Meilen und sechs Stunden, bis der Akku voll ist. Das ist doppelt so schnell wie bei Nissan." Außerdem seien die Akkus im Coda klimatisiert und machten daher alle Witterungsbedingungen mit. "Mit unserem Auto kann man von Florida bis Alaska fahren", sagt Marketing-Mann Hausch.

Auch wie der Coda fährt, können Interessenten gleich in der Westfield Mall ausprobieren. Denn in der Tiefgarage stehen immer einige Autos zur Testfahrt bereit: Die beginnt durchaus spritzig, weil der Wagen in weniger als neun Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 140 km/h, was in einem Land mit 75-Meilen-Limit niemanden stören dürfte. Ärgerlich ist dagegen das lustlose Design, der lieblos gestaltete Innenraum und die faden Instrumente. Hausch reagiert auf derartige Kritik lässig. Mann wolle mit dem Coda keine Autonarren, sondern Durchschnittsbürger erreichen.

Anfang 2012 soll der Verkauf der Coda-Limousinen beginnen

Kaufen jedoch kann man das Auto noch nicht. Mehr als eine Reservierung sowie eine 99 Dollar Anzahlung ist derzeit nicht drin. "Die eigentliche Bestellung und Auslieferung erfolgt über ein klassisches Händlernetz, das wir gerade aufbauen", sagt Hausch. Die ersten Betriebe sollen zum Jahreswechsel öffnen. "Starten wollen wir in fünf Regionen", sagt Hausch, geplant sind die Großräume San Francisco, Los Angeles, San Diego, New York und Chicago. Weitere US-Gebiete sollen folgen, später soll der Wagen auch exportiert werden. "Ab 2014 werden wir mit neuen Modellen auch neue Märkte erschließen", sagt Hausch mit Blick auf Europa. Doch zunächst soll das Geschäft in den USA florieren. Der US-Markt für reine Elektrofahrzeuge wird von Experten für 2012 auf 40.000 Fahrzeuge taxiert. "Gut ein Drittel davon könnte auf unser Auto entfallen", sagt Coda-Sprecherin Larkin Hill.

Zwar gibt es die Marke erst seit drei Jahren, und das erste Experience Center in der Westfield Mall eröffnete vor wenigen Wochen. Ganz neu ist die Idee von Coda trotzdem nicht. Denn hinter der Marke steht der Elektro-Visonär Miles Rubin, der 2005 als erster begann, Elektroautos aus China im Sinne der US-Crasherfordernisse umzurüsten und in den USA zu verkaufen.

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1. ok,
Mr.Threepwood 29.10.2011
es ist ein e-auto. aber mit dem 90er jahre mazda design wird der wagen kein verkaufsschlage. das auge fährt halt mit. schade eigentlich.
2. Amalfi?
Vanderhellen 29.10.2011
Kommt mir komisch vor, dass neue Fahrzeugkonzepte entweder unbrauchbare Sportwagen, kutschenähnliche Karossen mit freistehenden Rädern oder ziemlich hässlicher Front gezeigt werden. Ist das Absicht? Aber warum? Warum kann diese Kiste nicht z.B. so aussehen, wie die nächste Skoda-Generation? Die Coda-Kiste sieht nach einem Amalfi aus - so ein Mix aus alter Renault-Front und altem Bora-Heck. Der McKilroy-Schwung in der Front ist doch mega out. Was ich gut finden würde: die komplette Antriebsbasis nebst Rahmen auch für andere Hersteller zu bauen - die Plattformstrategie von VW also markenübergreifend verfügbar zu machen. Das würde kleinen design-orientierten Unternehmen Marktchancen eröffnen - das Auge fährt schliesslich auch mit. Für den Kunden wäre es auch vorteilhaft.
3. Das ist einfach nur erbärmlich
greeper, 29.10.2011
Die kalifornische Firma Coda hat nun eine Limousine mit Elektro-Antrieb entwickelt, die quasi das alltags- und familientaugliches Pendant zum Hip-Sportwagen werden soll. Die Akkus des Coda ließen sich auch schneller laden. "Eine Stunde Ladezeit für 50, zwei Stunden für 100 Meilen und sechs Stunden, bis der Akku voll ist. Das ist doppelt so schnell wie bei Nissan." ------- ------- ------- ------- ------- ------- ------- Ja wow, das Elektroauto ist ja inzwischen offensichtlich total alltagstauglich. Bei diesen Werten brauche ich von Frankfurt nach Hamburg nur 13 Stunden. Das sind ja gewaltige 30 Stundenkilometer Durchschnittsgeschwindigkeit. Willkommen im 21. Jahrhundert! Wie wäre es denn, diese Technologie erstmal fertig zu entwickeln anstatt etwas vollkommen unpraktikables als Innovation zu verkaufen. Das ist einfach nur erbärmlich.
4. Mit doppeltem Absatz wie Tesla ist man schon erfolgreich
mitbestimmender wähler 29.10.2011
Coda Automotive: Das Design stammt aus Italien aus dem Hause Pininfarina Chassis stammt von Hafei Motor Company China das auf Lizenz von Mitsubishi basiert. Batterien stammen von Tianjin Battery Co. China 40% der Bauteile kommen von US Herstellern. Nun für 21 172 Euro würde auch dieses Design in Europa recht Gut verkauft, Golf, Smart etc. sehen auch altbacken aus, viele Hertseller setzten auf Tradition im Design und Youngtimer sind immer noch In, also passt diese Karre auch in diesen Markt.
5. knapp daneben...
whocaresbutyou 29.10.2011
Zitat von greeperDie kalifornische Firma Coda hat nun eine Limousine mit Elektro-Antrieb entwickelt, die quasi das alltags- und familientaugliches Pendant zum Hip-Sportwagen werden soll. Die Akkus des Coda ließen sich auch schneller laden. "Eine Stunde Ladezeit für 50, zwei Stunden für 100 Meilen und sechs Stunden, bis der Akku voll ist. Das ist doppelt so schnell wie bei Nissan." ------- ------- ------- ------- ------- ------- ------- Ja wow, das Elektroauto ist ja inzwischen offensichtlich total alltagstauglich. Bei diesen Werten brauche ich von Frankfurt nach Hamburg nur 13 Stunden. Das sind ja gewaltige 30 Stundenkilometer Durchschnittsgeschwindigkeit. Willkommen im 21. Jahrhundert! Wie wäre es denn, diese Technologie erstmal fertig zu entwickeln anstatt etwas vollkommen unpraktikables als Innovation zu verkaufen. Das ist einfach nur erbärmlich.
Für Langstrecken ist diese Art Fahrzeug ja auch garnicht gedacht... Dafür gibt es Fahrzeuge mit "Range-Extender". Ob man sich für 50.000 Euro ein tonnenschweres "Elektroauto" mit Minireichweite oder einen Mittelklassewagen herkömmlicher Bauart kauft ist derzeit noch eher eine Glaubensfrage. Aber auch der Flatscreen und das Handy haben mal unbezahlbar angefangen... eAutos machen im Alltag erst Sinn, wenn die Infrastruktur flächendeckend vorhanden ist. Wenn man beispielsweise seine Akkus zuhause, auf der Arbeit und im Parkhaus des Einkaufszentrums immer wieder auffrischen kann, während das Fahrzeug ohnehin nutzlos herumsteht, kommen die meisten auch mit 150km Einzelreichweite locker durch den Tag. Hierfür braucht es aber erstmal eine unbürokratische und vor allem einheitliche "Tank- und Bezahl"-Technik.
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Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)

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