Col de Turini Karussell mit Kiefernduft

Die Passhöhe liegt auf 1607 Meter. Ein paar Häuser, eine Kreuzung, ein staubiger Platz - der Col de Turini ist oben am unspektakulärsten. Die vier Straßen aber, die hinauf führen, bieten Fahrvergnügen par excellence. SPIEGEL ONLINE zeigt, "Wo Fahren Spaß macht".

Von Jürgen Pander


Wegweiser in Sospel: Hier bitte links blinken
Jürgen Pander

Wegweiser in Sospel: Hier bitte links blinken

"La Suisse Nicoise" - also die "Schweiz von Nizza" -, so wurde die Region im Hinterland der Cote d'Azur vor rund hundert Jahren genannt, um zunächst Franzosen in die kargen, dünn besiedelten Berge zu locken. Heute zieht die Gegend vor allem ambitionierte Rad-, Motorrad- oder Autofahrer an, denn die schmalen, rauen und oft kühn sich über dem Abgrund dahinschlängelnden Straßen sind ein ideales Revier, um die Monotonie glatt gezogener Autobahnen oder Schnellstraßen abzuschütteln. Wer hier unterwegs ist, sollte sein Fahrzeug beherrschen und vor allem: sich selbst beherrschen können. Denn in den Kurven liegt oft Sand und anstelle von Leitplanken gibt es knorrige Wälder, kniehohe Steinquader oder eben gar nichts außer gähnender Tiefe.

Gorges de Piaon: Auf dem Weg zur Südostrampa des Col de Turini
Jürgen Pander

Gorges de Piaon: Auf dem Weg zur Südostrampa des Col de Turini

Die anspruchsvollen Sträßchen durch die Berge des Massif du Mercantour, und besonders die Rampen auf den Col de Turini, sind bekannt durch die Rallye Monte Carlo. Walter Röhrl, zweimaliger Rallye-Weltmeister und viermaliger Gewinner der "Monte" (1980, 1982, 1983, 1984) erinnert sich: "Oben auf dem Col de Turini drängten sich bis zu 30.000 Leute. Du kamst den letzten Buckel auf die Passhöhe praktisch hochgeflogen und sahst nichts mehr außer einer grellen Wand aus Blitzlichtern. Und schon ging es wieder hinunter. Auf vereisten Straßen durch die 'Nacht der langen Messer', wie die Sonderprüfung hieß." Bis zu dreimal wurde der Col de Turini damals gefahren. Die Tücke der Strecke im Winter bestand vor allem darin, dass unten im Tal die Straße noch trocken und griffig war, weiter oben jedoch schneebedeckt und rutschig. "Es war jedes Mal ein Poker um die richtigen Reifen", sagt Röhrl.

Otto Normalfahrer haben solche Probleme nicht. Sie können sich ganz auf die großartige Landschaft konzentrieren - und natürlich auf die schwierige, oft unübersichtliche Strecke. Hier eine sichere und saubere Linie zu fahren - und zwar über viele Kilometer, auf denen sich Kurve an Kurve reiht - ist durchaus eine Herausforderung.

Abfahrt nach Lucéram: Durch Serpentinen ins Tal
Jürgen Pander

Abfahrt nach Lucéram: Durch Serpentinen ins Tal

Je nach persönlicher Vorliebe, Zeit und Fahrlust gibt es zahlreiche Varianten einer "Col-de-Turini-Tour". Ein Vorschlag ist zum Beispiel eine rassige Runde über mehrere Pässe, die an der Autobahnausfahrt Nummer 59 (Menton/Sospel) beginnt. Die erste Station ist der kleine Ort Sospel, malerisch am Flüsschen Bevera gelegen, über dem sich das Fort St. Roch erhebt, zu dem eine unterirdische Festungsanlage gehört, die besichtigt werden kann. In Sospel gibt es die ersten Wegweiser zum Col de Turini, und bald nach dem Ort gewinnt die Straße auch allmählich an Höhe.

Auf der Passhöhe lädt die Terrasse des Hotels zum Verweilen ein, empfehlenswert aufgrund der grandiosen Aussicht ist auch ein Abstecher zum Mont Authion, um dessen Flanken sich eine neun Kilometer lange Panoramaroute zieht, der Circuit de la découverte de l'Authion. Zurück im Camp d'Argent, wie die paar Häuser auf der Passhöhe heißen, führt die Strecke auf der D 2566 in Richtung Peira Cava. Nach etwa zwölf Kilometern (vom Col de Turini gerechnet) geht es nach links in Richtung Luceram. Eine wunderbare Serpentinenpiste führt hinab in den Ort. Von Luceram bis l'Escarène sind es nur sieben Kilometer, und dort geht es schon wieder hinauf: in Haarnadelkurven auf die nackte Kuppe des Col de Braus.

Col de Braus: Die mit Haarnadelkurven verzierte Westrampe des Passes
Jürgen Pander

Col de Braus: Die mit Haarnadelkurven verzierte Westrampe des Passes

Die Passhöhe ist nicht besonders hübsch, dafür wird die Abfahrt in Richtung Sospel umso sehenswerter. Vor allem, wenn man auf halber Höhe (zirka 15 Kilometer nach l'Escarène) nach rechts abbiegt in Richtung Col de Castillon. Es folgt ein sehr schmaler, sehr lauschiger, fast schon lieblicher Abschnitt über den Col de Castillon, bis wieder die D 2566 erreicht wird. Auf dieser Straße gelangt man in zirka einer halben Stunde zurück zum Ausgangspunkt, der Autobahn A8.

Eine Variante wäre, in l'Escarène auf die D 21 abzubiegen in die Schlucht der Paillon und nach gut fünf Kilometern links die Abzweigung nach Peille (D 53) zu nehmen.Von hier oben bietet sich ein bezaubernder Blick auf Monte Carlo und die Küste, zu der es in vielen Kurven hinabgeht. Von hier aus, der Ort heißt la Turbie, ist die Autobahn A8 über die Auffahrt 57 am besten zu erreichen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.