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Comeback der Citroën DS: Leichenfleddern hinterm Louvre

Aus Paris berichtet

Das Gerücht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Citroën bringt die legendäre DS zurück. Doch die aufwendige Präsentation in Paris geriet zur herben Enttäuschung. Statt einer Neuauflage der "Göttin" wird es lediglich ein paar wunderliche Kleinwagen geben.

Zu Citroën ist die Autokrise offenbar noch nicht vorgedrungen. Während andere Hersteller einen rigiden Sparkurs fahren, gehen die Franzosen noch einmal richtig in die Vollen. Am Arc de Triomphe hatte das Unternehmen am Donnerstag alte DS-Modelle aufstellen lassen; an den Champs Elysées wurde ein Kino angemietet; und hinter dem Louvre gab es eine Präsentationsfläche für die neue DS.

"Wir legen die Hände nicht in den Schoß", tönte Marketing-Chef Vincent Besson und versprach ein millionenschweres Programm, mit dem die bislang wenig glamouröse Marke Citroën mächtig aufpoliert werden soll. Es gibt einen neuen Slogan ("Créative Technologie") und ein laut Besson völlig neues Markenlogo.

Es hat zwei Doppelwinkel, sieht also genau so aus wie das alte.

Griff in die Marken-Mottenkiste

Wer "Le standing" möchte, also etwas Repräsentatives, der kauft in der Regel keinen Citroën. Dies würde das Unternehmen gerne ändern, und helfen soll dabei die gute alte DS. Sie ist das gediegenste, was Citroën je im Programm hatte - sogar Staatspräsident Charles de Gaule fuhr eine déesse (Göttin). Obwohl Citroën bereits über eine weit aufgefächerte Modellpalette verfügt, soll es deshalb zukünftig eine eigene Reihe für automobile Trendsetter geben - unter dem Signet DS.

Status, Emotion und Raffinesse solle sie vermitteln, die neue DS. Die Abkürzung stehe jetzt, erklärt Besson, für "Different Spirit". "Die Linie umfasst drei Fahrzeuge die DS3, DS4 und DS5 heißen und bis zur Mittelklasse reichen werden." Also Klein- und Kompaktautos - und damit das genaue Gegenteil jener Prunklimousine aus den französischen Wirtschaftswunderjahren.

Pomp und Kulisse - für eine große Enttäuschung

Was Citroën nahe der Seine am Donnerstagabend als Studie enthüllte, muss Fans des Originals vorkommen wie Blasphemie auf dem Auto-Olymp. Mit dem Geiste der wahren DS hatte das gezeigte Wägelchen nämlich schlichtweg überhaupt nichts zu tun.

Als in einem Glaspavillon peepshowgleich für 30 Sekunden ein aus Ketten gewirkter Vorhang vor der Studie geliftet wurde, konnte man die Enttäuschung der über 400 geladenen Gäste förmlich spüren: Statt einer extravaganten Limousine in der Tradition des Originals stand da ein etwas unkonventionellerer Kleinwagen, der wohl mit Autos wie dem Mini oder dem Alfa Mito konkurrieren soll.

Keine Details zur Technik

Technische Daten oder andere Details verriet Citroën bei der Pariser Luftnummer noch nicht. Doch wirkt der etwa 3,40 Meter lange Zweitürer überraschend stämmig. Die Frontpartie trägt das neue Markenlogo, sichelförmige LED-Leisten für das Tagfahrlicht und eine Motorhaube, die verdächtig an den VW Golf erinnert.

Das Dach ist weiß abgesetzt und schwebt scheinbar über dunkel getarnten Karosseriesäulen. Dazu gibt es unkonventionelle Front- und Heckscheinwerfer sowie einen Zacken in der Flanke, der wie eine Haifischflosse ins hintere Fenster ragt.

Es gilt die Ansage, dass sich Citroën die Rückkehr zur Extravaganz bezahlen lassen möchte. "Wir planen begehrenswerte aber erreichbare Objekte", sagt Besson und spricht vom höheren Preissegment.

Das dürfte vielen preisbewussten Citroën-Kunden nicht gefallen. Sie sollen jedoch weiterhin die bisherigen Modelle kaufen können. Alternativ käme auch eine alte DS in Frage. Die gibt es schon für ein paar tausend Euro - schöner als der in Paris gezeigte Kleinwagen ist sie allemal.

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