Concorso d'Eleganza Schaufahrt der automobilen Schönheiten

Schon der Name dieser Show klingt so stilvoll wie wohl kein anderer: Concorso d'Eleganza Villa d'Este. Der Auto-Schönheitssalon am Comer See ist nicht nur ein spektakulärer Markt automobiler Eitelkeiten, sondern auch eine erstklassige Gelegenheit für große Geschäfte in gepflegter Atmosphäre.

Aus Cernobbio berichtet


Der Himmel auf Erden? Wo genau der liegt, weiß auch Simon Kidston nicht. "Aber die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß, dass es genau hier ist," sagt der Brite und lässt den Blick schweifen über die Villa d'Este, den anschließenden Park, den Comer See und die Berge ringsum. Und dann sind da an diesem Wochenende ja noch die Autos. Wer exquisites Alteisen mag, für den ist hier tatsächlich der Himmel auf Erden. Bei Kidston ist das der Fall, er ist der Conferencier beim legendären Concours d'Elegance und kommentiert schon seit Jahren das Defilée von mehr als 50 der schönsten, edelsten und teuersten Oldtimer der Welt.

Die Flotte der Chromjuwelen reicht in diesem Jahr von einem Rolls-Royce 20/25 Drophead-Coupé aus dem Baujahr 1932 als ältestem Modell bis zu einem Citroën SM Opera von 1972 als jüngstem Auto und ist einmal mehr so prominent besetzt, dass der älteste Concorso der Welt - die erste Veranstaltung fand 1929 statt - auch einer der wichtigsten bleibt.

Es sind nicht allein die berühmte Marken wie Bugatti, Alfa Romeo, Ferrari, Delage oder Rolls-Royce, die den Concours so besonders machen. Und auch nicht die hohen Preise, die man für die Fahrzeuge bei einem Verkauf erzielen könnte, sondern es sind einzigartige Fahrzeuge wie der DAF 55 Siluro von 1968 in einer Michelotti-Karosserie, der aussieht als sei er direkt vom Mars eingeflogen worden. Oder der Siata 400 F von 1953, oder der schon erwähnte Citroën SM Opera, den Chapron 1972 zum Prunkwagen baute. Und es sind die Geschichten, die Experten wie Kidston oder die Besitzer selbst zu den Autos erzählen können. Etwa die Grande Dame neben dem Talbot-Lago von 1938: Die Amerikanerin trägt ein Kleid in exakt den gleichen Grün- und Weißtönen, in denen ihr fulminantes Coupé lackiert ist. "Das habe ich eigens zum Auto nähen lassen", sagt die Dame, dann lässt sie sich am Seeufer an der Jury vorbei chauffieren.

Die Fahrzeugbesitzer und die geladenen Gästen, die den Concours am ersten Tag bei Champagner-Cocktails auf der Hotelterrasse genießen, eint die Begeisterung fürs edle Altmetall. "Der liebe Gott muss ein Oldtimer-Fan sein", sagt ein Mann aus München mit einer Geste, die alle Autos, den Park und das Panorama mit einschließt: Er ist von der Veranstaltung so angetan, dass er seit der Neuauflage unter dem Patronat von BMW im Jahr 1999 noch keinen Concorso versäumt hat.

Auch Alex Vazeos strahlt, als er mit seinem Delage D8 105 S von 1935 durch den Park rollt. "Das ist für mich einer schönste Momente des Jahres", schwärmt der Grieche. Noch glücklicher allerdings dürfte Clive Joy aus Großbritannien sein. Immerhin hat sein Alfa Romeo 33 Stradale mit Scaglione-Karosserie von 1968 den "Coppa d'Oro" gewonnen, mit dem die Jury seit dem ersten Concours 1929 das schönste Fahrzeug der Konkurrenz kürt - damals übrigens ging die Trophäe an einen Isotta Fraschini mit einer Karosserie von Sala.

Eine Auto-Auktion am Abend bringt 23 Millionen Euro Umsatz

Es geht in Como nicht nur um Leidenschaften und Eitelkeiten, sondern auch um das Geschäft. Eine gute Bewertung bei einem Concorso gilt als eine Art Kaufempfehlung und treibt den ohnehin schon meist sechsstelligen Wert der Autos weiter in die Höhe. Ein Sieg ist für den Besitzer wie ein Hauptgewinn im Lotto - dann rechnen sich plötzlich auch viele Jahre und noch mehr Tausender, die in die Restaurierung des Klassikers geflossen sind.

Um wie viel Geld es geht, zeigt an diesem Wochenende nichts besser als die RM-Auktion im Park der benachbarten Villa Erba. 32 Oldtimer und auch ein halbes Dutzend Studien und Prototypen der Designschmiede Bertone, kamen dort unter den Hammer. Zum Verkauf standen beispielsweise die ersten Entwürfe des Lancia Strato, sowie einige ziemlich schräge Lamborghini' wie der Marzal von 1967.

Valentino Balboni kennt die Sportwagen, schließlich war er jahrzehntelang Testfahrer bei Lamborghini. Manches Auto würde er sich am liebsten selbst kaufen. "Aber das ist für einen Pensionär wie mich wohl kaum drin", sagt er und hofft, dass die Autos in gute Hände kommen. "Vielleicht darf ich dann ja doch noch einmal ans Steuer." Ob das klappt, weiß natürlich noch keiner. Doch mit der Vermutung, dass die Autos extrem teuer sind, lag er richtig: Der Marzal zum Beispiel ging für 1,5 Millionen Euro weg. Insgesamt verkaufte RM an diesem Abend drei Viertel der angebotenen Fahrzeuge, setzte damit rund 23 Millionen Euro um und erzielte für den teuersten Wagen 3,16 Millionen. Es war ein Talbot-Lago T150 C SS Teardrop Coupé von 1938.

Hier trifft Luxusautobau auf Luxuskundschaft - ideal für Geschäfte

Dass es in Como immer mehr ums Geschäft geht, sieht man auch am Engagement der Fahrzeughersteller. Weil es eine eigene Kategorie für Designstudien und Prototypen gibt, sind auch reichlich Showcars mit von der Partie. Auch Unikate werden hier im gediegenen Rahmen präsentiert. So hat sich zum Beispiel der New Yorker Geschäftsmann Peter Kalikow im Gedenken an seinen ersten Ferrari vor 45 Jahren einen aktuellen Ferrari 599 zum Klappdach-Roadster Super America 45 umbauen lassen und sitzt jetzt selbst am Steuer, um den Umstehenden den Verdeckmechanismus zu demonstrieren.

Daneben parkt ein V12-Rennwagen von Aston Martin, den die Designschmiede Zagato eingekleidet hat. Mit dem Auto feiern Briten und Italiener den 50. Geburtstag ihrer Liaison, die 1961 mit dem DB4 Zagato begann. Bislang gebe es zwei Exemplare des 517 PS starken Renners, sagt Europa-Chef Jeff Scott, und beide werde man beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring im Einsatz sehen. Wie viele Autos noch gebaut werden und ob es auch eine Straßenversion gibt, sei noch nicht entscheiden und hänge auch von der Nachfrage ab. Die scheint zumindest in Como durchaus vorhanden. Ein Kaufvertrag wurde gleich vor Ort noch unterschrieben.

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