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Crashtest-Blamage in den USA: ADAC warnte deutsche Hersteller vor Schwachstellen

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Crashtest: Ein Lexus IS 250 bei einer in den USA durchgeführten Simulation Zur Großansicht
AP/ Insurance Institute for Highway Safety

Crashtest: Ein Lexus IS 250 bei einer in den USA durchgeführten Simulation

Ausweitung der Knautschzone: Beim ADAC ist man vom schlechten Abschneiden deutscher Autohersteller beim sogenannten Small Overlap Crashtest in den USA nicht überrascht. Vor den nun aufgedeckten Schwachstellen hatte der Automobilclub längst gewarnt - vergebens.

Das schlechte Abschneiden deutscher Automarken beim sogenannten Small Overlap Crashtest in den USA hat für Wirbel gesorgt. Für die betroffene Hersteller Mercedes, Audi und VW bedeuten sie einen empfindlichen Imageschaden. Dem Automobilclub ADAC kommen die peinlichen Testergebnisse der heimischen Autobauer aber gelegen: "Ich bin glücklich, dass bei diesem Thema endlich richtig Druck aufgebaut wird", sagt Volker Sandner, Leiter für Fahrzeugsicherheit.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass bei einem vom Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) veröffentlichten Crashtests von 13 Premium-Pkw nur die Marken Acura (Honda) und Volvo mit der Note "gut" abgeschnitten hatten. Vor allem deutsche Hersteller, die bislang immer als das Maß der Dinge in Sachen Insassensicherheit galten, kamen dabei schlecht weg. Der Audi A4 und die C-Klasse von Mercedes erhielten in dem Test nur die Note "mangelhaft".

"Enormer Handlungsbedarf"

Beim Small Overlap Test kracht das Fahrzeug nur mit dem Scheinwerfer in ein Hindernis. Anders als beim bisher durchgeführten Frontalcrash, bei dem das Fahrzeug mittig versetzt auf das Hindernis prallt, wird dabei nicht ein großer Teil der Aufprallenergie von der Sicherheitszelle und dem Antriebsstrang aufgefangen. Entsprechend sind die Verformungen an der Karosserie andere - und offensichtlich extremere.

Doch die Testmethode ist nicht unumstritten - die deutschen Hersteller verwiesen vor allem drauf, dass beim Test eine starre Barriere als Unfallhindernis gewählt wurde, wo doch in der Realität meist eher zwei Autos, also weiche Ziele aufeinanderträfen. ADAC-Experte Sandnder will diesen Einwand nicht gelten lassen: "Bei den Sicherheitsstrukturen am vorderen Außenbereich der Fahrzeuge besteht enormer Handlungsbedarf." Im Bereich des Kotflügels sei die Knautschzone bei den meisten Modellen viel zu gering.

Die Erkenntnisse aus dem US-Test wurden laut Sandner auch bei jüngst durchgeführten Crash-Analysen des ADAC gewonnen. Dabei wurde ein Unfall mit zwei Fahrzeugen simuliert, bei dem die Autos seitlich stark versetzt aufeinander prallten. Die Folgen waren laut Sandner drastisch. "In einigen Fällen wurden die Räder weggerissen und die A-Säule stark beansprucht. Bei einem richtigen Crash würde der Fahrer dabei starke Verletzungen an den Beinen erleiden." Umfassende Ergebnisse dieses sogenannten Kompatibilitätstests werden laut ADAC im September veröffentlicht.

Zweifel von Mercedes an der Realitätsnähe des US-Test wies Sandner wegen der ähnlichen Ergebnisse zurück. Ein Mercedes-Sprecher hatte in einer ersten Reaktion auf die Testergebnisse aus den USA gesagt, dass ein Zusammenstoß auf Scheinwerfer-Breite statistisch "nicht signifikant" sei. "Das sehe ich anders", sagt der ADAC-Experte. "Bei fast der Hälfte aller Frontalzusammenstöße stoßen die Autos mit den vorderen Ecken aufeinander."

Die Kunst des Abgleitens

"Wir haben die Hersteller deshalb bereits 2009 gemahnt, die Knautschzonen an den Außenbereichen zu verstärken", sagt er. Getan habe sich nichts. Dabei wäre die Lösung einfach: "Die Kunst heißt abgleiten", sagt der Leiter der ADAC-Fahrzeugsicherheit, "und Volvo zeigt, wie das geht." Der schwedische Autohersteller verbaut eine sogenannte Abgleitstruktur in seinen Fahrzeugen. Durch eine Verstärkung der Seite bleibt die Karosserie so stabil, dass sie sich bei einem Aufprall seitlich am Hindernis vorbeischiebt. Wie gut das funktioniert, bewies der Test in den USA: dort schnitt Volvo am besten ab.

Sandner begrüßt deswegen ausdrücklich die Diskussion, die die Ergebnisse aus den USA ausgelöst hat: Trotz der Zweifel an dem Test hat Mercedes angekündigt, das Thema stärker zu berücksichtigen. "Natürlich werden wir uns damit auseinandersetzen, denn so oder so sind die Kunden durch die Ergebnisse verunsichert", sagte Dirk Ockel, Leiter Unfallforschung bei Mercedes-Benz. Ähnlich äußerte sich ein Audi-Sprecher: "Wir wollen das nicht bagatellisieren und nehmen das Ergebnis ernst." Und auch bei VW, dessen Passat in der Studie schlecht wegkam, räumte man ein, dass das Modell bei seitlichen Zusammenstößen in Sachen Sicherheit "Nachholbedarf" habe.

Mit Material von Reuters/dapd

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insgesamt 168 Beiträge
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1. Ach so...
.......... 17.08.2012
Das ist also Made in Germany?
2. Bitte jetzt keine Polemik
pierrevomdeich 17.08.2012
Die seit vielen Jahren bei Aufpralltests geltenden Parameter sehe ich schon lange sehr kritisch. Der US-Test überzeugt mich mehr, ist realitätsnäher, ich vertraue ihm. Unsere deutschen Automobilhersteller sollten jetzt schnellstens handeln.
3. Form follows function
sanctum.praeputium 17.08.2012
Ein intelligenter Leitsatz der vom "Bauhaus" wieder aufgenommen wurde, lautete: "Form follows function". Bei einem Seitenaufprall kann bei den gegebenen Konstruktionen kein Automobil keine ausreichende Sicherheitsfunktion erfüllen, was schon der sehr intelligente Test der geringen Überlappung gezeigt hat. Vermutlich wäre eine im horizontalen Längschnitt angebrachte Ellipsenförmige Sicherheitsstruktur funktional, würde aber das Design radikal verändern.
4. Non vitae, sed scolae discimus
drstrangelove 17.08.2012
Bei neuen Test-Varianten zeigt sich dann halt, wer das Thema wirklich ernst nimmt und wer nur fuer die Klausur vom Vorjahr studiert hat.
5. Hier brilliert der Begriff
herr_kowalski 17.08.2012
Zitat von sysopAP/ Insurance Institute for Highway SafetyAusweitung der Knautschzone: Beim ADAC ist man vom schlechten Abschneiden deutscher Autohersteller beim sogenannten Small Overlap Crashtest in den USA nicht überrascht. Vor den nun aufgedeckten Schwachstellen hatte der Automobilclub längst gewarnt - vergebens. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,850686,00.html
Made in Germany wie in vielem anderen auch: Made ( daraus werden später Fliegen ) in Germany. Alles faul also.
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