Crashtest mit Baumarkt-Einkauf Achtung, Steingut im Anflug

Sorgloser Umgang mit Ladegut im Auto kann zur lebensgefährlichen Falle werden. Denn ungenügend gesicherte Fliesen oder Farbeimer verwandeln sich bei einem Unfall in scharfe Geschosse. Nach einem Crashversuch waren selbst die Tester des ADAC überrascht von den Auswirkungen.

ADAC

München - Ein variabler Innenraum und eine große Heckklappe gelten oft als kaufentscheidendes Kriterium. Die einfache Bedienung verführt jedoch nicht selten zu allzu sorglosem Umgang mit dem Ladegut. Da landet der wöchentliche Großeinkauf einfach so im vergrößerten Heckabteil, genauso wie die Staubsauger, Lampen und restliches Geschirr bei einem Umzug.

Die Gefahren, die eine solche Wagenladung birgt, kann jeder beschreiben, der nur eine Sekunde genauer darüber nachdenkt Eine Vollbremsung oder gar ein Unfall und die Milchtüten, Äpfel, Birnen oder Flaschen fliegen durch den Innenraum - mit oftmals dramatischen Folgen für die Insassen. Und trotzdem ist die Zahl derjenigen, die dem durch eine akribische Absicherung Rechung tragen, erschreckend gering.

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Crashtest: Achtung - tödliche Fliesen im Anflug
Die Unfallforscher des ADAC in München hatten exemplarisch für viele Kleinwagen einen Fiat Punto getestet, der mit typischen Gegenständen aus einem Baumarkt beladen wurde. Mitarbeiterin Bettina Hierath sagte: "Fliesen und Splitter hätten im Ernstfall zu schweren Schnitt- und Wirbelsäulenverletzungen geführt. Die Sitze können der Wucht der Gegenstände nicht Stand halten. Sie bieten den Lendenwirbeln der Insassen kaum Schutz."

In einem zweiten Testdurchlauf bewiesen die Ingenieure, dass sich das Risiko mit etwas Sorgfalt minimieren lässt. Die richtig gesicherte Ladung blieb weitgehend an ihrem Platz, als der Wagen auf der Barriere auftraf. Die Lehne der Rücksitzbank des getesteten Kleinwagens sei allerdings bereits mit zwei Paketen Fliesen an ihre Belastungsgrenze gelangt, so die Bilanz der Crash-Tester.

Haken und Ösen fehlen

"In vielen kleineren Autos fehlen Haken und Ösen zum Festzurren der Ladung", kritisiert Hierath. Auch sei es nicht immer empfehlenswert, die Rückbank umzuklappen, da sie als schützende Trennwand dienen könne.

Für das Beladen mit umgeklappter Rücksitzlehne sollte auch für Kleinwagen Sicherheitszubehör wie stabile Netze angeboten werden, fordern die Experten des Autoclubs. Im Laderaum selbst sollten in jedem Fahrzeug genügend Ösen zum Festzurren vorhanden sein und eindeutig als solche gekennzeichnet werden. Wie die Ladung im Wagen sicher verstaut werde, sollte in der Bedienungsanleitung nachzulesen sein. Ein Hinweis auf die Belastungsgrenze der Halterungen gehöre ebenso dazu - eine Empfehlung, die jedoch nur eingeschränkten Wert für die Praxis besitzt, denn wer weiß schon, welche Belastung im Falle eines Unfalls auf die Öse zukommen.

Offenbar sehen sich die Experten auch genötigt, auf ein Selbstverständlichkeiten hinzuweisen: Dazu gehört, dass Gegenstände nicht frei auf der Ladefläche stehen sollten, sondern bündig an festen Flächen wie der Rückbank stehen. Die Rücksitzlehne könne durch diagonal geschlossene Gurte unterstützt werden, falls dort niemand sitzt. Schwere Gegenstände gehörten in den Fußraum, Zerbrechliches sollte in Decken eingewickelt werden. Spanngurte im Auto sollten auch für spontane Einkäufe immer mitgeführt werden.

mik/dapd



insgesamt 9 Beiträge
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FoxhoundBM 28.03.2011
1. ...
Ladungssicherung scheint für viele Leute ein Fremdwort zu sein. Wenn ich sehe, was da in den Sommerferien so an mir vorbeifährt oder auf den Rastplätzen steht ... Kombis und Van's vollgepackt bis zur Oberkante. Sicherung? Fehlanzeige! Aber Hauptsache 180 mit den Kindern hinten drin. Natürlich sollten auch die Autohersteller wieder Verzurr-Ösen aus Metall in die Kofferräume bauen. Das Billig-Plaste-Zeug bricht ja schon bei 'ner Vollbremsung mit dem IKEA-Einkauf hinten drin ...
MausBerlin 28.03.2011
2. ADAC überrascht??
Schon vor 30 Jahren (oder so) wurde berichtet, wie gefährlich Verbandkästen und Regenschirme auf der Hutablage im Kollisionsfalle sind, mit den aktuellen Modellen mit variabelem Laderaum mulitpliziert sich die Gefahr - althergebrachte Stufenheckmodelle dagegen haben meist zwischen Kofferraum und Innenraum Karosserieversteifungen... aber den Einkauf festzurren im PKW? Das macht doch keiner...
avollmer 28.03.2011
3. Bringdienst
Für ein paar Euro kann man sich Baumaterialien liefern lassen. Dann kann man generell ein kleineres Auto fahren und vom gesparten Geld wiederum die Lieferkosten bezahlen. Zeit spart es auch und Anstrengungen und kein Dreck und keine Abnutzung am Auto. Braucht nur etwas Planung.
alfredjosef 28.03.2011
4. Richtig
Ich kann das nur bestätigen: Eines Tages fuhr ich mit meinem riesigen selbst-geernteten Kürbis im Kofferraum. Das hat aber sowas von gerumst beim Bremsen - unglaublich, welches Trägheitsmoment schwere Gegenstände haben! Das sollte man keinesfalls unterschätzen. aj
Machine 28.03.2011
5. Ösen
Die Ösen lassen sich für wenige Euro leicht selber nachrüsten. Bezugsquellen sind die Campingzubehörhändler. Die Ösen sollte man mit stabilen Metallplatten und/oder großen Unterlegscheiben auf der Gegenseite versehen. Das habe ich schon vor 20 Jahren so gemacht. Wenn ich allerdings in einigen Fahrzeugen die Serienösen so ansehe, dann denke ich immer, die dienen der Show, so dünn wie die sind.
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