Dacia Logan MCV: Hallo Echo!

Von Tom Grünweg

Er ist der Star am unteren Ende der Einkaufsliste. Auch wenn viele den Dacia Logan anfangs als altbacken belächelten, hat sich der Preisbrecher zum Bestseller gemausert. Mit einem Kombi schafft Konzernmutter Renault jetzt in Paris Raum für neue Erfolge.

Carlos Ghosn hat derzeit nicht nur Grund zur Freude. Die Doppelrolle als Chef von Renault und Nissan dürfte ebenso an seinen Nerven zerren wie zuletzt die erfolglosen Kooperationsverhandlungen mit General Motors. Doch zumindest wenn seine Gedanken auf der Reise zwischen Tokio, Paris und Detroit für ein paar Minuten in Pitesti Station machen, kann er sich ein wenig entspannen. Während ihn bei Renault und Nissan Qualitäts- und Absatzsorgen plagen, entwickelt sich die rumänische Tochter Dacia offenbar prächtig.

Obwohl das Billigauto Logan allenthalben belächelt wurde, hat sich das preiswerte Stufenheckmodell zum heimlichen Bestseller gemausert und den Franzosen in zwei Jahren mehr als 300.000 Zulassungen beschert. Kein Wunder, dass Dacia in den Planungen Ghosns eine zentrale Rolle spielt und er für die nächsten Jahre mindestens fünf weitere Modellevarianten angekündigt hat. Auf dem Automobilsalon in Paris machte er den ersten Teil dieser Ankündigung nun wahr und enthüllte als zweite Logan-Spielart einen Kombi, der Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen soll. Ihm werden auf jeden Fall noch ein Schrägheck und ein Pick-Up folgen, und auch über einen Van denken die Franzosen angeblich nach.

Der zweite Logan, der in Paris noch das Kürzel MCV trägt und in Deutschland einfach Kombi heißen wird, basiert auf der vor einem halben Jahr in Genf gezeigten Studie "Steppe", von der er sogar einen Teil der Offroad-Optik übernimmt. Die Schutzleisten an den Türen sind breit und robust, die Stoßfänger etwas wuchtiger als üblich, und die Bodenfreiheit wurde um zwei Zentimeter angehoben. Wichtiger allerdings ist der deutliche Zuwachs in der Länge: So haben die Franzosen den Radstand des Rumänen um 27 Zentimeter gestreckt und damit Platz für eine dritte Sitzreihe geschaffen, die es in Deutschland allerdings nur gegen Aufpreis geben wird.

Sieben Sitze oder Platz für einen kleinen Umzug

Wird der Logan nicht als Shuttle für die Großfamilie benötigt, lässt er sich mit wenigen Handgriffen zum Lademeister umbauen. Zwar können die Sitze – irgendwo muss ja gespart werden – nicht wie bei vornehmeren Minivans verschoben oder im Boden versenkt werden. Doch kann man bei der dritten Reihe immerhin die Lehne umlegen, die gesamte Bank senkrecht gegen die Reihe zwei klappen oder im Handumdrehen komplett ausbauen. Auch die Plätze drei bis fünf können flach gemacht oder nach vorn gehievt werden. Auf diese Weise wächst das Ladevolumen schrittweise von 200 Litern bei voller Bestuhlung auf 2350 Liter im Zweisitzer. Wer dann durch die beiden Flügeltüren am Heck nach dem Fahrer ruft, kann wahrscheinlich sogar sein Echo hören. Für noch sperrigere Lasen gibt es eine serienmäßige Dachreling. Und für den allfälligen Kleinkram haben die Entwickler ein paar Dutzend Ablagen vom Alkoven unter dem Dach bis zum Gepäcknetz in der Kofferraumtür eingeplant, die nochmals 54 Liter Stauraum bieten.

Unter der Haube des Kombi bietet Dacia zunächst dieselben Motoren wie im Stufenheck, die allesamt auch im letzten Renault Clio zum Einsatz kamen. Den Einstieg markiert also auch hier ein 1,4-Liter großer Vierzylinder mit 75 PS und 112 Nm, den man sich allerdings nur schwerlich als glückliche Wahl vorstellen kann, wenn man an das Gewicht von sieben Erwachsenen und ein paar Koffern denkt. Fahrfertig wiegt der Logan MCV zwar nur 1240 Kilo, doch voll beladen legt er sicher zehn Zentner zu. Schon besser passen könnte der 1,6-Liter-Benziner, den Renault in zwei Leistungsstufen nach Rumänien liefert.

Als Zweiventiler kommt er auf 87 PS und 128 Nm, und mit 16 Ventilen sind sogar 105 PS und 148 Nm möglich. Dann beschleunigt der Kombi in 11,8 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht immerhin 174 km/h. Und der Verbrauch von 7,6 Litern passt auch noch zum sparsamen Grundgedanken des Billigautos. Wer noch mehr sparen möchte, bekommt den Kombi auch mit einem 1,5 Liter großen Diesel. Der leistet 68 PS, geht mit 160 Nm zu Werke und ist mit 5,3 Litern zufrieden.

Ein Riesen-Kombi zum Preis von 8500 Euro

Zwar ist es für den genauen Preis noch etwas zu früh. Doch soviel steht angesichts der 7200 Euro, bei denen die Tarife für das Stufenheckmodell beginnen, jetzt schon fest: Mehr Raum für weniger Geld wird es wohl bei keinem anderen Anbieter geben. So soll der Logan Kombi als Fünfsitzer dem Vernehmen nach rund 8500 Euro kosten, und selbst mit der dritten Bank und allen Extras dürfte es schwer werden, den Preis in fünfstellige Regionen zu heben.

Die aggressive Preispositionierung hat dem Logan in Deutschland schon als Stufenheck einen respektablen Erfolg beschert. Zwar konnte Renault von seinem Billigauto in den ersten acht Monaten nur etwa so viele Exemplare verkaufen wie VW vom Golf in einer Woche. Doch sind knapp 4000 Logan-Zulassungen von Januar bis August immerhin fast das doppelte Volumen des Nissan Almera und liegen rund 50 Prozent über dem Fiat Stilo. Nicht umsonst hat Renault die Absatzprognosen für Deutschland bereits um 50 Prozent angehoben.

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