Autogramm Dacia Sandero: Mehr Auto braucht kein Mensch

Von Tom Grünweg

Autogramm Dacia Sandero: Das Konzept ist billig Fotos
Dacia

Dacia ist der Aldi unter den Autobauern - und jetzt gibt's ein neues Sonderangebot. 6990 Euro kostet der fabrikfrische Sandero. Damit bleibt das Vier-Meter-Auto der billigste Neuwagen der Republik. Die Frage ist nur: Was darf man von so einem Billigmodell erwarten?

Der erste Eindruck: Oh là là, der neue Dacia Sandero sieht ja richtig gut aus. Offenbar hat der fünftürige Kleinwagen einen Abstecher in die Designabteilung gemacht. An den neuen Clio der Schwestermarke Renault kommt er zwar nicht heran, doch er hat sich rundum gemausert. Aus den Scheinwerfern in Glasbaustein-Optik sind kleine Schmuckstücke geworden, die Frontpartie erhielt etwas Chromschmuck, und die Flanken tragen jetzt konturierende Falze. Zwischen den schlichteren Versionen von VW Polo, Opel Corsa oder Ford Fiesta auf dem Leihwagenparkplatz macht der Sandero keine schlechte Figur mehr.

Das sagt der Hersteller: Renault ist stolz auf und erleichtert über den Erfolg der Tochtermarke Dacia. Ohne die rumänische Billigmarke sähe die Bilanz des Konzerns deutlich schlechter aus. "Wir haben, wonach viele Wettbewerber streben", sagt der deutsche Markenverantwortliche Damien Scopel mit Verweis auf die Bemühungen von beispielsweise VW, möglichst bald eine Billigmarke zu etablieren.

"Während die Konkurrenz noch plant, haben wir schon mehr als zwei Millionen Dacia-Exemplare verkauft und bringen mit dem neuen Sandero bereits die zweite Fahrzeuggeneration an den Start", sagt Scopel. Dabei setzt Dacia nicht mehr allein auf den Kampfpreis, sondern verspricht ein "besseres Auto mit mehr Ausstattung".

Das ist uns aufgefallen: Der Sandero ist tatsächlich richtig gut geworden. Wer einfach nur einigermaßen bequem, sicher und sparsam von A nach B kommen möchte und nichts darauf gibt, was die Nachbarn denken, fährt mit dem Fünftürer aus Rumänien genauso gut wie mit Polo & Co. - nur eben zum halben Preis. Die Platzverhältnisse sind prima, man kann als Erwachsener auch hinten ordentlich sitzen, und der Kofferraum ist mit 320 Litern Fassungsvermögen deutlich größer als der des VW Polo (280 Liter).

Zwar sind die Sitze ein wenig dünner als bei der teureren Konkurrenz, beim Einstellen der Position muss man etwas ruckeln und stellt man den fragilen Innenspiegel ein, fühlt sich das billig an. Aber das sind Kleinigkeiten. Hightech-Extras wie eine Abstandsregelung oder einen Totwinkel-Warner sucht man in der Preisliste vergebens, doch heiß begehrt werden all die teuren Zusatzausstattungen bei VW, Opel oder Ford wahrscheinlich auch nicht sein.

Was wirklich wichtig ist, haben die Rumänen an Bord: Vier Airbags, ESP und eine Servolenkung sind bei allen Varianten Standard, und die üblichen Extras bietet Dacia zu Schleuderpreisen an. Eine Klimaanlage für 590 Euro, Ledersitze für 500 und ein fest eingebautes Navigationssytem für 180 Euro. Dafür gibt's bei VW oder Ford kaum einen Satz Fußmatten.

Auch auf der Straße macht der Sandero eine gute Figur. Was die Konkurrenz an Sportlichkeit und Kurvenspaß zu bieten hat, kompensiert der Billigheimer mit Gleichmut und Gelassenheit. Keine Bodenwelle ist ihm zu hoch, kein Schlagloch zu tief, als dass er mit dem komfortbetonten Fahrwerk nicht darüber hinweg bügeln würde. Und schlecht ist die Straßenlage in schnell gefahrenen Kurven oder auf der Autobahn auch nicht. Schließlich wurde die Plattform auf den neuesten Stand gebracht, das Fahrwerk überarbeitet und die Bremsen spürbar verbessert. Würden nicht lästige Windgeräusche ab 120 km/h die Bemühungen um eine bessere Motordämmung konterkarieren, der Sandero wäre ein idealer Kilometerfresser für sparsame Vielfahrer.

Wie ernst Dacia die Aufrüstung nimmt, zeigt auch der Blick unter die Motorhaube. Dort gibt es neben den bekannten Vierzylindermotoren jetzt auch den nagelneuen Dreizylinder-Turbo, der gerade im Clio seinen Einstand gab. Aus 0,9 Litern Hubraum holt die Maschine 90 PS und ist mit maximal 135 Nm Drehmoment flott bei der Sache.

Das muss man wissen: Der neue Sandero kommt im Januar in den Handel und kostet in der Basisversion 6990 Euro. Diese Variante dient zwar vor allem der Preiskosmetik und sichert dem Sandero den Titel als billigster Neuwagen hierzulande, tatsächlich jedoch greifen nur rund fünf Prozent der Kunden zu diesem spartanischen Auto. Doch selbst wer die teuerste Variante mit dem stärksten Motor und allen Extras bestellt, zahlt keine 15.000 Euro und spart gegenüber einem vergleichbaren VW Polo locker 5000 Euro.

Außer mit dem Dreizylindermotor wird das Auto mit einem 1,2 Liter großen Vierzylinder-Benziner mit 75 PS angeboten, den es für 800 Euro Aufpreis auch mit einer Flüssiggas-Umrüstung gibt. Außerdem haben die Rumänen ein Dieselaggregat im Programm. Das schöpft aus 1,5 Liter Hubraum 90 PS und kommt auf einen Normverbrauch von 3,8 Liter - rund 20 Prozent weniger als beim Vorgänger. Beim Spritsparen hilft eine neue "Eco-Taste". Sie senkt die Leistung des Motors und drosselt den Eifer der Klimaanlage, was bis zu zehn Prozent Verbrauch spart.

Zeitgleich mit dem Standard-Sandero startet erneut die in Deutschland besonders beliebte Variante "Stepway", die es nur mit den beiden 90-PS-Motoren gibt. Für Preise ab 9990 Euro bietet dieses Modell ein paar Zentimeter mehr Bodenfreiheit und eine modische Offroad-Optik. Später soll es auch noch einen Kombi geben. Er ersetzt den Logan MCV, der ebenso wie das Logan-Stufenheckmodell künftig wohl als Lada verkauft werden wird.

Das werden wir nicht vergessen: Die vielen Details, mit denen sich der Sandero allmählich nach oben pirscht. Plötzlich gibt es Chromringe um Instrumente und Lüfterdüsen, im Cockpit glänzen die Kunststoffe in unterschiedlichen Farben, die Sitzbezüge haben Zierstreifen, es gibt mehr Ablagen und sogar ein Tempomat, der vom Lenkrad aus bedienbar ist, kann geordert werden.

Die umklappbare Rücksitzlehne ist jetzt asymmetrisch geteilt, und selbst die Fensterhebeschalter sind fein modelliert. Gespart wird nur noch da, wo man es nicht gleich sieht: Den Schminkspiegeln fehlen die Abdeckungen, das Blech der Ladekante ist nicht verkleidet, und einige Kanten im Kofferraum sind gefährlich scharf. Aber etwas Abstand zu Clio & Co. muss Dacia ja lassen.

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insgesamt 262 Beiträge
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1. Recht groß
rennflosse 23.11.2012
Zitat von sysopDacia ist der Aldi unter den Autobauern - und jetzt gibt's ein neues Sonderangebot. 6990 Euro kostet der fabrikfrische Sandero - damit bleibt das Vier-Meter-Auto der billigste Neuwagen der Republik. Die Frage ist nur: Was darf man von so einem Billigmodell erwarten? Dacia Sandero: Zweite Generation des billigsten Neuwagens hierzulande - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/dacia-sandero-zweite-generation-des-billigsten-neuwagens-hierzulande-a-868078.html)
Schon der erste Sandero beeindruckte mich durch seine Größe. Man muss halt entscheiden, ob ein billiges Auto reicht, oder ob man für einen tatsächlichen oder ideellen Zugewinn mehr Geld ausgeben will. Dazu gehört auch die Werstattdichte, der Service, die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit und ... ja, auch ein bisschen die optische Anmutung und das Prestige. Alle wissen ja, dass es sich um ein Billigauto handelt. Aber manche Menschen haben auch Möbel von Roller und sind trotzdem glücklich. Mit einem fest eingebauten Navi im VW Golf VI habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, die Routenführung taugt gerade unter Berücksichtigung von sog. Verkehrsstörungen nichts und der Touchscreen, mit dem auch alles andere nebst Autoradio bedient wird, lenkt den Fahrer viel zu lange ab. Gute mobile Navis sind da besser. Wenn ich das Pensionsalter erreiche, dann ist der Sandero sicher eine gute weil vernünftige Wahl.
2.
statussymbol 23.11.2012
Zitat von sysopDacia ist der Aldi unter den Autobauern - und jetzt gibt's ein neues Sonderangebot. 6990 Euro kostet der fabrikfrische Sandero - damit bleibt das Vier-Meter-Auto der billigste Neuwagen der Republik. Die Frage ist nur: Was darf man von so einem Billigmodell erwarten?
Ich finde super dass es solch ein Auto gibt, zum fahren von A nach B auf kürzeren Strecken sollte es absolut reichen. Zumal es den Konkurrenzdruck erhöht und so ggfs. eventuell dem Verbraucher zu Gute kommt, da alle Marken gezwungen sind sich mehr oder weniger auch an solch niedrigen Preisen messen zu lassen. Beispielsweise ein 1er BMW ist zwar schon noch etwas hochwertiger, für meinen Geschmack aber längst nicht so hochwertig dass sich 5-8-facher Verkaufspreis rechtfertigen lässt...
3. Ich gönne...
Gerüchtsvollzieher 23.11.2012
Renault den Erfolg mit Dacia! Ich würde im Leben keinen Renault kaufen, einen Dacia schon. Man weiss, was man bekommt und was nicht und es ist letztlich alles Renault-Technik, ob man will oder nicht ;-) Man bekommt kein "Premium", aber das weiss man vorher. Diesen Erfolg mit einer Billigmarke hätte VW auch haben können, im Kleinen hat VW das auch mit Skoda, aber "weiter unten" wäre auch noch Platz, fragt sich nur mit welcher Marke. 1:0 für Renault. Am Ende gewinnt aber VW z. Zt. 10:1...;-)
4. Bei Renault
rennflosse 23.11.2012
Zitat von GerüchtsvollzieherRenault den Erfolg mit Dacia! Ich würde im Leben keinen Renault kaufen, einen Dacia schon. Man weiss, was man bekommt und was nicht und es ist letztlich alles Renault-Technik, ob man will oder nicht ;-) Man bekommt kein "Premium", aber das weiss man vorher. Diesen Erfolg mit einer Billigmarke hätte VW auch haben können, im Kleinen hat VW das auch mit Skoda, aber "weiter unten" wäre auch noch Platz, fragt sich nur mit welcher Marke. 1:0 für Renault. Am Ende gewinnt aber VW z. Zt. 10:1...;-)
Bei Renault bekommt man auch kein "Premium", was immer das ist. Wenn nach 50.000 km bereits das Lenrad "abgerubbelt" ist wie bei unserem Twingo, dann ist das Material wohl billig.
5. Naja...
a_priori 23.11.2012
Der Anschaffungspreis ist eine Sache, Qualität eine andere. Leider sieht Dacia in der TÜV-Statistik überhaupt nicht gut aus und befindet sich weit unten unter den Schlusslichtern. Von wegen "ausgereifte Renault-Technik"...
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Fahrzeugschein
Hersteller: Dacia
Typ: Sandero (2013)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Turbobenziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 898 ccm
Leistung: 90 PS (66 kW)
Drehmoment: 135 Nm
Von 0 auf 100: 11,1 s
Höchstgeschw.: 175 km/h
Verbrauch (ECE): 5,2 Liter
CO2-Ausstoß: 120 g/km
Kofferraum: 320 Liter
umgebaut: 1.200 Liter
Gewicht: 1.037 kg
Maße: 4057 / 1733 / 1523
Preis: 10.090 EUR


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