Daihatsu Charade Das letzte Aufgebot

Ja was denn nun? Kürzlich erst kündete die Kleinwagenmarke Daihatsu den Abschied aus Europa an, jetzt bringen die japanischen Autobauer hierzulande noch einmal ein neues Auto an den Start. Der Trick dabei: Das Modell Daihatsu Charade ist ein verkleideter Toyota Yaris.

Daihatsu Charade: Verwandelte Version des Toyota Yaris

Daihatsu Charade: Verwandelte Version des Toyota Yaris


So viel Stirnrunzeln hat eine Meldung von Daihatsu selten ausgelöst. Nicht, dass die Premiere eines neuen Kleinwagens des japanischen Nischenanbieters die Autowelt oder zumindest den deutschen Pkw-Markt ins Wanken brächte. Doch wenn ein Hersteller, der ein neues Auto auf den Markt bringt, in diesem Fall handelt es sich um den Kleinwagen Charade, nur wenige Wochen zuvor den Rückzug aus dem Europa-Geschäft angekündigt hat, dann wird man doch hellhörig.

Den Abschied von Europa hat die auf Autos von deutlich unter vier Meter Länge abonnierte Toyota-Tochter mit den schlechten Wechselkursen begründet, die die ohnehin schon geringe Gewinnmarge bei Kleinwagen vollends aufzehren. Zudem hatte Daihatsu in Europa kein wirklich glückliches Händchen mit der Modellpalette. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland lediglich 5317 Autos verkauft. Obendrein wurden auch noch die beiden einzigen Modelle mit einem gewissen Charme - der kantig-extrovertierte Minivan Materia und der Bonsai-Roadster Copen - vom Markt genommen.

Über den Daihatsu-Rückzug wird, abgesehen von den rund 300 Händlern der Marke hierzulande, kaum jemand trauern. Dabei steht die japanische Marke im weltweiten Maßstab sogar recht ordentlich da. Immerhin verkaufte Daihatsu im abgelaufenen Geschäftsjahr knapp 1,3 Millionen Autos, von denen zwei Drittel als Daihatsu und der Rest vor allem als Toyota oder mit dem Label der amerikanischen Toyota-Tochter Scion ausgeliefert wurden. Zum Vergleich: BMW kommt auf rund 1,5 Millionen Autos, der japanische Hersteller Mazda auf etwa 1,3 Millionen.

Obwohl das Ende in Europa nahe ist, schleicht sich Daihatsu also nicht still und leise davon. "Wir arbeiten wir mit unverminderter Anstrengung am Erfolg der Marke", sagt Matthias Heinz, der Daihatsu-Chef in Deutschland. Deswegen debütiert jetzt, kurz vor Schluss, das neue Modell Charade. Den 3,79 Meter langen Kleinwagen mit fünf Sitzen und einem Kofferraumvolumen von 275 bis 1183 Litern gibt es ausschließlich als Fünftürer mit steilem Abschluss und auch nur mit einer Motorvariante: Unter der Haube steckt ein 1,33 Liter großer Benziner mit 99 PS, der das Auto auf maximal 175 km/h beschleunigt.

Tatsächlich ist der neue Charade ein verkleideter Toyota Yaris

Immerhin lassen die Japaner ihren Kunden die Wahl zwischen einem manuellen Sechsganggetriebe oder einer automatisierten Schaltung. Mit letzterer an Bord verbraucht der Charade etwas mehr als fünf Liter. Über den Preis will Daihatsu erst kurz vor der Markteinführung des Modells im Mai reden, Matthias Heinz spricht vorerst nur von einem "für Daihatsu typischen, hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis". Unter diesen Voraussetzungen dürfte das Auto in seiner einfachsten Version deutlich unter 15.000 Euro zu haben sein.

Dass der Wagen dem Betrachter sattsam bekannt vorkommt, ist keine Überraschung. Denn nachdem Daihatsu seit vielen Jahren kleine Autos für Toyota produziert, revanchiert sich die Konzernmutter jetzt und überlässt der Tochtermarke fürs malade Europageschäft das Modell Yaris: ein paar neue Logos, schon wird er zum Daihatsu Charade. Sorge um Konkurrenz aus dem eigenen Hause muss der Konzern nicht haben. Bis der Charade so richtig anläuft, startet bereits die nächste Generation des Yaris.

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insgesamt 13 Beiträge
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dango 14.03.2011
1. Viel Beitrag um nichts, oder ?
Der ganze Bericht lässt sich doch recht simpel auf einen platz- und zeitsparenden Satz zusammenfassen: Toyota plant eine Weitervermarktung des dann alten Yaris-Modells parallel zum dann neuen Modell und verwendet dazu die Marke Daihatsu.
DerBlicker 14.03.2011
2. das was die Japaner halt können
alte Autos verkaufen, Amis/Italiener können das auch und nennen es badge engineering, umlabeln von Chrysler in Lancias. So wird man als Autobauer nicht mehr ernst genommen. Die deutschen Spitzenautobauer können sich entspannt zurück lehnen.
dango 14.03.2011
3. Schön wär's
Zitat von DerBlickeralte Autos verkaufen, Amis/Italiener können das auch und nennen es badge engineering, umlabeln von Chrysler in Lancias. So wird man als Autobauer nicht mehr ernst genommen. Die deutschen Spitzenautobauer können sich entspannt zurück lehnen.
Schön wärs :-) Googlen Sie mal nach dem Seat Exeo...
andrelei 14.03.2011
4. Klassisches Eigentor
Zitat von DerBlickeralte Autos verkaufen, Amis/Italiener können das auch und nennen es badge engineering, umlabeln von Chrysler in Lancias. So wird man als Autobauer nicht mehr ernst genommen. Die deutschen Spitzenautobauer können sich entspannt zurück lehnen.
Seat Exeo
glücklicher südtiroler 14.03.2011
5.
Zitat von dangoSchön wärs :-) Googlen Sie mal nach dem Seat Exeo...
Und der neue Seat Alhambra, VW Sharan... Und in Zukunft die ganze UP-Familie, die minimal modifiziert als VW, Audi, Seat und Skoda laufen wird... Ich finde es nicht schön; wird aber in Zukunft wohl bei vielen Marken noch öfter passieren...; Lancia-Chrysler/Fiat-Dodge eingeschlossen. Seat wird im Gegensatz zu Skoda innerhalb des VW-Konzerns immer mehr zur reinen Badgemarke, wo entweder wie im Falle des neuen Alhambra... http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,717142,00.html ...einfach eine andere Marke angeheftet wird, oder wie beim Exeo ein Recycling der alten Pressen vom Audi A4 stattfindet. Armes Schicksal einer Marke, die in Spanien nie eine echte Chance hatte und heute ein im eigenen Land extrem schwieriges Umfeld hat. Ibiza und Leon basieren auch auf Polo bzw. Golf; haben aber bei gleicher Technik eine andere Ausstrahlung und ein eigenständiges; meiner bescheidenen Ansicht nach auch ein schöneres, dynamischeres Design als die niedersächsischen Schwestern... Grund ist immer das Geld, zumal VW mit allen Marken Gewinn machen will bzw. muß... "Den größten Zuwachs erzielte die Marke VW-Pkw mit plus 29 Prozent, dicht gefolgt von Audi mit plus 28,7 Prozent. Die tschechische Marke Skoda steigerte die Auslieferungen um ein Drittel, ihre spanische Schwester Seat legte um 18,9 Prozent zu. Dennoch bleibt Seat unter den vielen einzelnen Marken das größte Sorgenkind des Konzerns. Seat rutschte 2009 tiefer in die roten Zahlen und verzeichnete einen Verlust in Höhe von 339 Millionen Euro, nach einem Verlust von 78 Millionen im Vorjahr. Seat habe unter den massiven Auswirkungen der Krise besonders im Kernmarkt Spanien gelitten, so der Vorstand. Die Substanz bei Seat aber stimme." http://www.deraktionaer.de/xist4c/web/Volkswagen--Absatz--Umsatz-und-Gewinn-rauf-fuer-2010_id_43__dId_11666979_.htm Fazit: Die meisten Marken machen das...; wird wohl Teil unser aller Zukunft werden... Viele Grüße aus Südtirol...
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