Carsharing mit selbst fahrenden Autos Daimler eifert Google nach

Mit dem Prototyp eines selbst fahrenden Wagens hat Google vor Kurzem die Autoindustrie düpiert. Jetzt holt Mercedes zum Gegenschlag aus: Der deutsche Hersteller will in Kalifornien eine ganze Carsharing-Flotte mit autonom fahrenden Smarts testen.

Car2Go in Stuttgart: Carsharing als Exportschlager von Daimler
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Car2Go in Stuttgart: Carsharing als Exportschlager von Daimler

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Daimler will mit einer Carsharing-Flotte von autonom fahrenden Autos dem Internetriesen Google Paroli bieten. Bei dem Projekt des Stuttgarter Autobauers, das sich derzeit noch in der Konzeptphase befindet, sollen selbst fahrende Smart-Modelle im Süden Kaliforniens zum Einsatz kommen.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE haben die Verantwortlichen für ihren Versuch eine private Wohnsiedlung in Orange County in die nähere Auswahl gezogen. Eine Daimler-Sprecherin bestätigte nur, dass man für das Pilotprojekt "den Süden Kaliforniens" in Erwägung ziehe.

Mit den Plänen setzt sich Daimler gegen neue, erstarkende Konkurrenten wie Google zur Wehr. Durch den zunehmenden Einzug von IT ins Auto drohen Internet- und Elektronikspezialisten etablierten Autobauern einen Teil des Geschäfts streitig zu machen. So hatte der Internetriese Google erstmals im Mai ein autonom fahrendes Auto vorgestellt und damit viel Aufsehen in der Öffentlichkeit erregt.

Die Konzepte sind vergleichbar: So will auch Google sein selbst fahrendes Auto nicht verkaufen, sondern als Taxiservice anbieten. Bei dem IT-Spezialisten Apple gibt es ebenfalls immer wieder Spekulationen, die Firma könne irgendwann ins Mobilitätsgeschäft einsteigen.

Ob IT-Firmen wie Google oder Apple tatsächlich daran interessiert sind, im großen Stil als Autobauer aufzutreten, ist jedoch fraglich. Denn das Geschäft ist kapitalintensiv und verspricht nur geringe Margen. Vielmehr könnte es für Google und Co. darum gehen, durch die Bewegungsprofile der Autofahrer neue Daten zu sammeln, die sich teuer vermarkten lassen.

Daimler testet autonomes Fahren auch bei Lkw

Im Vergleich zu den direkten Konkurrenten BMW und Audi gehört Daimler mit Car2Go zu den Pionieren im Carsharing. BMW betreibt zusammen mit Sixt DriveNow, Audi ist auf dem Gebiet der geteilten Mobilität blank. Die Konzernmutter VW bietet Quicar an - allerdings eher halbherzig. Dass autonomes Fahren bei einem Hersteller auch bei kleinen Fahrzeugen und zudem in einem Mietkonzept zum Einsatz kommen könnte, hätten viele Experten nicht gedacht. Die aufwendige Technologie wird eher in der Luxus- und Oberklasse angesiedelt.

Daimler besitzt über ausreichend Expertise bei autonom fahrenden Autos. So schickte der Hersteller symbolträchtig eine S-Klasse auf eine historische Route von Mannheim nach Pforzheim, auf der Bertha Benz mit dem Patent-Motorwagen ihres Mannes 1888 eine Fahrt absolvierte.

Zuletzt haben die Stuttgarter einen Lkw vorgestellt, der ohne Fahrereingriff über ein noch nicht freigegebenes Autobahnstück fuhr. Spätestens in zehn Jahren will der Konzern einen Serientypen präsentieren. Fast alle Autohersteller arbeiten an autonom fahrenden Autos. Durch diese können Unfälle reduziert, Sprit gespart und der Verkehrsfluss verbessert werden.



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Rob_25 15.07.2014
1. ...eifert google nach?
Bin zwar kein Fan der Marke, aber die Überschrift, klingt so, alles hätte Google das Prinzip des autonom fahrenden Autos erfunden und Mercedes eifert dem nun nach!? Das ist so absolut falsch. Mercedes entwickelt schon sehr lange an einem selbstfahrenden Fahrzeug und hat dies auch im Alltagsverkehr bereits unter Beweis gestellt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autonomes-fahren-unterwegs-mit-einer-s-klasse-auf-autopilot-a-920803.html
dingodog 15.07.2014
2. Logischer Schritt
Ein völlig logischer Schritt. Habe ich kommen sehen, nachdem mir das erste autonom fahrende Auto der FU Berlin begegnet ist. Taxifahrer ist ein Beruf ohne Zukunft. Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Positiv ist, dass ein hoher Anteil von autonomen Taxis die Emotionalität aus der Mensch-Auto-Verbindung herausnimmt und die Aufrüstung zu immer größeren und schwereren Fahrzeugen beendet. Auch wird die Masse der parkenden, die Gegend verschandelnden Autos reduziert. Negativ ist aber, dass die Zahl gefahrener Kilometer nicht reduziert wird. Autonome Taxis ("Autaxen"?) machen das Autofahren langfristig sogar billiger, da die Fahrzeuge dann viel besser ausgelastet sind als heute (vgl. Billigflieger-Geschäftsmodell). Um die Priorität des Autos im Verkehr zu beenden, müssen deshalb auch andere Maßnahmen dazukommen, z.B. zeitweise autofreie Zonen in den Städten, oder Kombi-Angebote von Autonomen Taxis und Schnellbussen / S-Bahnen.
Kudi 15.07.2014
3. Schön, aber...
Weshalb fährt Daimler diese Versuche in Kalifornien und nicht in Deutschland, wo angeblich die Hochburg der Automobiltechnik angesiedelt ist?
mcvitus 15.07.2014
4. Der Induvidialverkehr ist eine Sackgasse!
Er ist letztlich aufgrund begrenzter Ressourcen ein Auslaufmodell. Zudem verantwortungslos, weil dafür rücksichtslos die letzten Rohstoffe unseres Planeten ausgebeutet werden. Für ein oder zwei Generationen wird's noch reichen, dann ist Schluss. Zumal die Menschheit und ihr Hunger nach Rohstoffen unaufhörlich wachsen.
ogni42 15.07.2014
5. Alter Hut
Das konnte Daimler schon vor 20 Jahren recht gut: http://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus_(Forschungsprogramm) Nur sind autonome Fahrzeuge die groesste Bedrohung der Automobilindustrie. Wer will denn noch ein - oder gar mehrere - PKW besitzen, wenn die autonom fahren und man sich nur noch rechts hinten reinsetzt?
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