Mehr SUV, höherer Flottenverbrauch CO2-Werte von Mercedes steigen sprunghaft

Der Trend zu SUV und eine neue Messmethode belasten Daimlers CO2-Bilanz schwer. Dem Hersteller drohen Strafen in Milliardenhöhe.

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Für Daimlers Pkw-Sparte Mercedes-Benz rückt das gesetzlich vorgeschriebene CO2-Ziel in weite Ferne. Der Wert sei 2018 im Flottenschnitt auf 134 Gramm CO2 pro Kilometer gestiegen, teilte der Hersteller mit. Im Vorjahr hatte er 125 Gramm betragen. Ab 2020/21 muss Mercedes einen Wert von 105 Gramm erreichen.

Hauptgrund für den höheren Flottenwert ist die große Nachfrage nach schweren SUVs. Sie sind zunehmend mit spritschluckenden Benzinmotoren ausgestattet. Autos mit etwas sparsameren Dieselaggregaten ließen sich im Zuge des Abgasskandals schwerer verkaufen. Schon 2016 hatten die Schwaben erstmals seit 2007 die CO2-Emissionen deshalb nicht mehr senken können.

Zudem hat das 2018 eingeführte Abgasmessverfahren WLTP die CO2-Werte gesteigert. Die Werte würden zwar weiterhin in die alte NEFZ-Norm umgerechnet. Da der WLTP-Test aber deutlich strenger sei, fielen die umgerechneten Werte höher aus, hieß es.

E-Autos sollen 2020 die Wende bringen

Mercedes werde nun noch stärker auf Elektroautos setzen, erklärte Jochen Hermann, Entwicklungschef für Elektroantriebe bei der Daimler-Tochter. Die Zahl der Modelle mit reinem Batterie- oder Hybridantrieb werde bis 2020 von fünf im vergangenen Jahr auf 20 steigen. In diesem Jahr kommt das erste Modell der neuen E-Auto-Marke EQ von Mercedes auf den Markt, der EQC. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte vergangene Woche, die Nachfrage sei hoch, es komme zu längeren Wartezeiten.

Daimler gehe trotz der gestiegenen CO2-Werte davon aus, das Ziel 2020/21 zu erreichen, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die Autohersteller müssen den CO2-Ausstoß von Neuwagen in der Europäischen Union im Schnitt bis 2020/21 auf 95 Gramm pro Kilometer senken, das entspricht einer Reduktion um 40 Prozent im Vergleich zu 2007.

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CO2-Ziele: Wer es schafft, wer's verpatzt

Halten die Hersteller die Vorgabe nicht ein, drohen harte Strafen: Für jedes Gramm zu viel werden 95 Euro Strafe je verkauftem Fahrzeug fällig. Da Daimler etwa eine Million Autos im Jahr in Europa verkauft, entsprechen zehn Gramm zu viel CO2 einer Strafe von knapp einer Milliarde Euro.

Helfen könnte Daimler und anderen Herstellern die Elektroautohochburg Norwegen: Die dortigen Verkäufe zählen in der Berechnung neuerdings mit - und könnten den errechneten CO2-Ausstoß um das eine oder andere entscheidende Gramm Kohlendioxid drücken.

ene/Reuters/dpa



insgesamt 108 Beiträge
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Thilo_Knows 15.02.2019
1. Willkürliche Grenzwerte - nächste Runde
Womit wir wieder bei unsinnigen und willkürlichen Grenzwerten wären. Aber Hauptsache LKW, Flugzeuge, Schiffe, Kohlekraftwerke und Co. dürfen fröhlich weiter ein Vielfaches an CO2 in die Luft blasen. Aber mein V8 ist die Todsünde! Willkommen in Absurdistan!
temp1 15.02.2019
2. Na hier sehe ich eher Druck auf die Verbraucher erforderlich
Die Autokäufer sollten mit in die Haftung genommen werden für ihren Wunsch nach sinnnlosen umweldschädigenden Großautos. Steuer nach Benzinverbrauch und zwar so viel, dass es ein echtes Verkaufsargument wird ... oder eben als anderes Steuerungsinstrument - Benzinsteuer rauf, und auch hier nicht kleckern, sondern klotzen. Na dann sind vielleicht auch die Gelbwesten hier ... also vielleicht lieber die KFZ Steuer nach Verbrauch.
heikhen 15.02.2019
3. Augenwischerei
was zählt ist der echte Verbrauch/Ausstossen. Die Flottenbetrachtung ist nichts als Augenwischerei und der Sache nicht dienlich. Aber das scheint uch nicht die Absicht zu sein. Solange SUV noch steuerliche Vergünstigungen geniessen ist das Ganze nur eine Farce. Echte Lösungen, Fehlanzeige.
RioTokio 15.02.2019
4. Mercedes
Super - Strafen in Milliardenhöhe für Mercedes. Für nichts! Da werden wilde Dinge in der EU vereinbart, unsere Politiker stimmen zu ohne zu wisssen, ob diese Flottenverbräuche überhaupt erreichbar sind. Die wenigsten sind vom Fach und haben Ahnung. Neue Meßmethoden, Minigrenzwerte, wilde Flottenverbrauchsvorschriften. Und dann soll ein deutsches Unternehmen wie Mercedes ihr Geld an die EU zahlen, wo es für irgendwas eingesetzt wird, statt das Geld in die Entwicklung von Zukunftsprojekten zu investieren. Will die deutsche Politik, wollen Merkel CDU, SPD und Grüne uns deindustrialisieren? Nebenbei sollen die Bürger gefälligst andere Autos kaufen oder am besten Fahrradfahren oder eben Bus und Bahn. Vielleicht kommt ja der Trabbi wieder...
Mara Cash 15.02.2019
5. Mobilität wird entsprechend verteuert
Die Automobilhersteller werden die Kosten ihrer SUV´s wegen des erhöhten Emissionsausstoßes entsprechend an ihre Kunden weiter geben. Das dürfte klar sein. Wer unbedingt ein relativ emissionsstarkes KFZ fahren möchte, muss sich dies dann auch leisten können.
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