Verdacht der Abgasmanipulation Daimler droht Rückruf Hunderttausender Diesel

Das Kraftfahrt-Bundesamt prüft nach SPIEGEL-Informationen weitere Modelle von Daimler. Nicht nur beim Transporter Vito soll der Konzern manipuliert haben, sondern auch bei populären Massenmodellen.

Mercedes C-Klasse bei der Premiere 2014 in Detroit
Tom Grünweg

Mercedes C-Klasse bei der Premiere 2014 in Detroit

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Dem Daimler-Konzern droht der amtliche Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen unter anderem der Baureihen C und G. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, geht das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einem konkreten Verdacht nach, dass bei diesen Fahrzeugen unzulässige Abschalteinrichtungen die Wirkung des Abgassystems manipulieren. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Derzeit finden bereits Prüfungen an den betreffenden Autos statt. Die Modelle haben einen vergleichbaren Motor wie der Mercedes-Van Vito mit 1.6-Liter-Motor und Schadstoffklasse Euro 6. Das Aggregat stammt vom Daimler-Kooperationspartner Renault. Der französische Hersteller war bereits vor zwei Jahren in den Verdacht der Abgasmanipulationen geraten, im Januar 2016 durchsuchten Ermittler die Konzernzentrale und weitere Standorte. Auch die französische Antibetrugsbehörde (DGCCRF) wirft dem Unternehmen vor, illegale Software in seinen Modellen installiert zu haben. Renault weist bisher jedes Fehlverhalten zurück.

Daimler wollte sich zu neuerlichen Prüfungen des KBA nicht äußern

Am Mittwoch hatte das Bundesverkehrsministerium den unverzüglichen Rückruf des Mercedes-Transporters angeordnet. Als der SPIEGEL den Daimler-Konzern einen Tag später um Stellungnahme bat, machte das Unternehmen den Rückruf des KBA öffentlich, kündigte zugleich aber rechtliche Schritte dagegen an. Der Wagen verfüge über eine "robuste Abgasreinigung", er solle aber ein Softwareupdate bekommen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist verärgert über den neuerlichen Manipulationsvorwurf. Gegenüber dem SPIEGEL kündigte er an, Daimler-Chef Dieter Zetsche am Montag ins Ministerium einzubestellen.

Er habe "das Kraftfahrt-Bundesamt angewiesen, weiteren Verdachtsfällen bei Mercedes unverzüglich nachzugehen". Zu den neuerlichen Prüfungen des KBA wollte sich Daimler auf Nachfrage nicht äußern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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richey_edwards 25.05.2018
1. Wann hört die
Industriesabotage unter dem Deckmantel Umweltschutz endlich auf? Unrealistische Grenzwerte sind das Problem nicht die Autos. Entsprechend liegt das Versagen bei Frau Merkel und nicht der Autobauer.
t0schef 25.05.2018
2. Betrogen haben doch alle...
Und geben es erst zu, wenn es gar nicht anders mehr geht. Warum soll MB oder auch Renault nicht beschissen haben, um so Geld zu sparen? Auch Mitsubishi hat Dreck am Stecken, der ASX meines Vaters hat einen 3-Liter-Harnstoffbehälter, welcher angeblich das Autoleben lang reichen soll, ein Austausch durch den Hersteller ist nicht vorgesehen. Selbst wenn der Inhalt dieses Behälters 100% rein ist, kann das rein rechnerisch gar nicht aufgehen.
ocelot 25.05.2018
3. Politische Untätigkeit zerstört die Glaubwürdigkeit
Ohne einen nicht wieder gut zu machenden Glaubwürdigkeitsverlust kann die Politik nicht weiter stillhalten. Nun sind ggfs. auch erhebliche Teile der Fahrzeugflotte des Bundes betroffen. Allein das sollte genügen, um endlich die Fronten zu klären. In der Automobilbranche wurde mit einer vermeintlich unschuldigen Selbstverständlichkeit mit Absicht ein Netzwerk aus Täuschung und Irreführung geschaffen, das in der Tat seinesgleichen sucht. Wenn die Politik hier nicht tätig wird und maximalen Aufklärungsdruck erzeugt, ist das nichts anderes Duldung von Rechtsbruch, wenn nicht gar schon Begünstigung.
hajueberlin 25.05.2018
4. Wie sicher...
... müssen die Autotypen sich fühlen, wenn das in so einem großen Umfang geschieht. Erst, bei den ersten Meldungen, dachte ich, es wäre nur eine Ausnahme. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es wohl der Standard ist. Also nochmal und deutlich: Betrug ist Standard. Das hat nichts mehr mit tricksen zu tun. Was müssen diese Typen auch noch alles machen, wenn dieses Verhalten der Standard ist? Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht nur in der Autobranche so ist, ist m. M. n. sehr hoch. In den anderen Branchen sitzen die gleichen Typen. Und die Politik spielt mit. Ist also auch mitschuldig! Was ist das für ein Land? Pfusch, Oberflächlichkeit, Lug und Betrug allerorten. Und dann wird sich über das Eine oder Andere in den Südländern aufgeregt. "Wir" sind keinen Deut besser.
shaboo 25.05.2018
5. Für mich als Laien ...
... ist es nur schwer vorstellbar, dass einige Hersteller/Modelle überhaupt erst mit einer ganzen Phalanx illegaler Abschalteinrichtung (waren es nicht jüngst volle 5 beim Audi A6?) verkaufs- und (scheinbar) zulassungsfähig werden, während anderenorts darauf komplett verzichtet werden kann. Das legt doch den Verdacht nahe, dass sich bei hinreichend sorgfältiger Prüfung bei nahezu jedem Hersteller und jedem Modell etwas finden lassen müsste.
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