Daimler-Namensstreit Gezerre um Gottlieb

DaimlerChrysler möchte sich in Daimler umbenennen - doch der Name gehört dem Ford-Konzern. Der Mercedes-Hersteller darf das Signet fortan zwar benutzen, die volle Kontrolle über den Namen ihres Gründervaters Gottlieb Daimler bleibt den Stuttgartern aber verwehrt.

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Wer durch die feineren Stadtteile Hamburgs oder Münchens flaniert, bekommt ab und zu einen Daimler zu Gesicht, der nicht aus Stuttgart kommt - sondern aus Coventry. Der Daimler Super Eight ist eine in kleiner Serie produzierte Limousine der Ford-Nobeltochter Jaguar. Der gehören seit 1960 die Rechte am Namen des Automobil-Übervaters Gottlieb Daimler.

Das klingt ungewöhnlich, war aber bislang kein allzu großes Problem. Nun aber möchte sich die Stuttgarter DaimlerChrysler AG gerne wieder nach ihrem Firmengründer benennen. Nachdem der Mercedes-Hersteller seine sieche Tochter Chrysler an einen Finanzinvestor verkauft hat, soll das Unternehmen mit dem Stern nach dem Willen von Konzernchef Dieter Zetsche fortan als Daimler AG firmieren. Faktisch war und ist das ohnehin eine gängige Bezeichnung: Der Stuttgarter "schafft beim Daimler".

Im Oktober sollen die Aktionäre den Plan absegnen. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, haben die Daimler-Leute bereits im Mai den Segen des Konkurrenten aus Dearborn eingeholt. Der Ford-Konzern habe der Nutzung der Namensrechte gegen Zahlung eines Geldbetrages zugestimmt, dessen Höhe die Parteien nicht nennen wollen.

Amerikaner als Verwalter des Daimler-Erbes

Dass die an Ego und Selbstbewusstsein nicht armen Herren aus Stuttgart bei dem vermutlich in ihren Augen zweitklassigen Autoriesen aus Dearborn um Erlaubnis fragen mussten, hat etwas Demütigendes. Tatsächlich besteht das Namensproblem allerdings schon fast so lange wie das Stuttgarter Unternehmen selbst. Der Mercedes-Benz heißt auch deshalb so, weil der Name Daimler aus rechtlichen Gründen von den Stuttgartern nie benutzt werden durfte.

1890 hatte Motorenpionier Gottlieb Daimler im schwäbischen Cannstatt zusammen mit zwei Kompagnons die Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet. Bereits nach drei Jahren verließ der Erfinder das Unternehmen jedoch für einige Jahre im Streit und engagierte sich zusammen mit dem britischen Industriellen Frederick R. Simms in England beim Daimler Motor Syndicate.

Während die deutsche Daimler-Gesellschaft 1926 mit dem Konkurrenten Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG fusionierte, bestand die britische Firma unter dem Namen Daimler Motor Company weiter, bis sie 1960 von Jaguar geschluckt wurde. Der britische Nobelauto-Hersteller baute jedoch weiterhin Limousinen mit dem Namen des Autopioniers.

1989 schließlich landeten die Daimler-Namensrechte bei Ford. Die Amerikaner hatten beschlossen, sich ein paar Luxusmarken zuzulegen, darunter Jaguar. Aus Daimler Benz AG wurde im Jahr 1998, nach der Fusion mit dem drittgrößten US-Autobauer, die DaimlerChrysler AG.

Ford will Daimler nicht verkaufen

DaimlerChrysler möchte sich zu den Namensverhandlungen mit Ford nicht im Detail äußern. Offensichtlich aber ist, dass Dearborn nicht bereit ist, den Namen des seligen Gottliebs vollständig herauszurücken. "Wir verwenden den Namen für ein Modell und haben noch Pläne mit der Marke Daimler", sagte ein Jaguar-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE.

Die Stuttgarter dürften den Namen Daimler lediglich als Handels- oder Firmenbezeichnung nutzen, so der Sprecher weiter. Zudem seien den Deutschen keinerlei Namensrechte dauerhaft übertragen worden. Ford und Jaguar können folglich weiterhin nach Belieben Autos unter der Marke Daimler verkaufen.

Der klamme Ford-Konzern möchte die Luxusmarke Jaguar übrigens lieber heute als morgen loswerden. Mehrere asiatische Autokonzerne, darunter die indische Tata Motors sowie diverse chinesische Firmen, sollen an den glanzvollen Namen Jaguar und Daimler interessiert sein. Ein Daimler, Made in China? Manch ein Ingenieur in Stuttgart dürfte bei dem Gedanken vor Wut ins Lenkrad beißen.



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