Zweckentfremdeter Tesla-Mietwagen Sixt verstrickt sich in Widersprüche

Daimler hat nach SPIEGEL-Informationen über Sixt einen Tesla von Privatleuten gemietet und den Wagen bei Tests ramponiert. Jetzt reagierte die Autovermietung - und versucht, den Vorgang umzudeuten.

Tesla-Fahrzeuge
REUTERS

Tesla-Fahrzeuge


Ein Autokonzern beschafft sich über eine Fahrzeugvermietung bei einem Unternehmerpaar ein Modell der Konkurrenz, unternimmt damit Tests, schraubt es offenbar sogar auseinander und wieder zusammen - und lässt es in desolatem Zustand wieder zurückliefern. Über diese Folgen einer dubiose "Vergleichsfahrt" berichtete kürzlich der SPIEGEL. Jetzt geht der Fall in die nächste Runde.

Bei dem Konzern handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um Daimler; bei der Autovermietung um Sixt; und bei dem ramponierten Wagen um ein Exemplar des Elektro-SUV Tesla Model X. Es gehört dem Unternehmerpaar Monika Kindlein und Manfred van Rinsum.

Während der Mietdauer von rund sieben Wochen - das konnte Manfred van Rinsum dank der Ortungsfunktion seines Teslas belegen - wurde der Wagen bis nach Spanien transportiert, auf eine Autotestbahn bei Barcelona. Außerdem ortete er sein Auto auf einer Teststrecke des Mercedes-Werks in Sindelfingen sowie bei einer Stuttgarter Firma, die ihren Kunden, darunter auch Daimler, Tests "inklusive Testaufbauten" anbietet.

Weitervermietung unmöglich

Im Laufe der Mietzeit litt der Tesla. Wie heftig, das dokumentiert ein Gutachten der Prüforganisation Dekra: Demnach entstand ein Schaden von 15.674 Euro sowie ein Wertverlust von 2000 Euro an dem Auto.

Ein Wagen in diesem Zustand lässt sich nicht weitervermieten. Manfred van Rinsum musste deshalb einem Kunden, der den Tesla direkt im Anschluss an die verhängnisvolle Miete gebucht hatte, ein Ersatzfahrzeug von einer anderen Autovermietung besorgen. Kurze Zeit später ging auch noch die Antriebseinheit seines Model X kaputt.

Van Rinsum stellte Sixt eine Summe von insgesamt 99.392,79 Euro in Rechnung; sie enthielt die Reparaturkosten, den Nutzungsausfall, seinen Arbeitsaufwand, eine Vertragsstrafe von 1000 Euro pro Tag für die Nutzung auf dem Testgelände in Spanien, die Reparatur der Antriebseinheit und eine Abstandszahlung für eine Verschwiegenheitserklärung.

Die Reaktion von Sixt: Die Autovermietung beglich den von der Dekra festgestellten Schaden inklusive Wertminderung und Gutachterkosten in Höhe von 18.500 Euro. Die restlichen von van Rinsum in Rechnung gestellten Positionen bezeichnete das Unternehmen nun in einer Pressemitteilung als "völlig willkürlich".

In der Mitteilung von Sixt heißt es unter anderem, allen Beteiligten sei klar gewesen, dass der vermietete Tesla von einem "industriellen Kunden" zu "Vergleichs- und Testzwecken" eingesetzt werde.

Extreme Tests waren vertraglich verboten

Van Rinsum hatte sich jedoch vor dem Mietvorgang zusichern lassen, dass der Wagen nicht auf Teststrecken und nicht unter Extrembedingungen gefahren werden dürfe. Die Antwort des Sixt-Vertreters damals darauf: "Das hört sich doch gut an." Ebenso steht dies in dem Mietvertrag zwischen van Rinsum und Sixt. Nachdem Sixt schließlich bei van Rinsum mietete, hielt sich der Kunde des Autovermieters aber nicht an die Absprachen.

Zudem bestätigte auch Sixt nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung auf Anfrage des SPIEGEL, dass die Nutzung auf Teststrecken unter Extrembedingungen der von Sixt vermieteten Fahrzeugen ausgeschlossen sei. So sei es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Sixt geregelt.

Screenshots von van Rinsums Handy indes zeigen den Tesla in Spanien auf der Rüttelstrecke, der Traktionsstrecke, der Schlechtwegstrecke und am Steigungshügel. Das Auto, so kann man schlussfolgern, wurde sehr wohl auch unter Extrembedingungen getestet.

"Sie parken falsch"

Van Rinsum hatte seine Rechnung über 99.392,79 Euro auch an Daimler geschickt. Von der Rechtsabteilung des Konzerns erhielt er die Antwort, er könne "sich darauf verlassen", dass seine Ansprüche geprüft würden.

Daimler wollte den Vorgang auf Anfrage des SPIEGEL nicht bestätigen. Der "Stuttgarter Zeitung" bestätigte ein Konzernsprecher, dass Daimler ein Fahrzeug bei Sixt gemietet habe. Ob es sich dabei um einen Tesla handelte, wollte er nicht kommentieren.

Dem SPIEGEL hatte Daimler zuvor mitgeteilt, eine Anmietung zu "Vergleichsfahrten" sei in der Branche üblich. Das stimmt. Im Fall von van Rinsum kam der Wagen allerdings mit einem 15.000-Euro-Schaden zurück, unter anderem waren Verkleidungsteile mit Klebeband angepappt worden und der Lack beschädigt. Im Handschuhfach lag außerdem ein Zettel mit der Notiz "Sie parken falsch". Es war eine Nachricht aus dem Mercedes Benz Technology Center in Sindelfingen.

Für Mercedes und Sixt ist die Sache gleichermaßen peinlich: Der Autokonzern hat sich erneut dabei ertappen lassen, wie er auf vermeintlich geheime Weise ein Elektroauto der Konkurrenz beschaffte. Und die Autovermietung offenbart, wie sie Privatleute im Stich lässt, wenn sich ihre Vertragspartner nicht an Absprachen halten.

fis/cst

insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
tkedm 07.12.2017
1.
Wie kann man bei Daimler und Sixt denn so dumm sein, ein gemietetes Auto in desolatem Zustand wieder zurück zu geben? Ganz zu schweigen von den Vertragsbrüchen. Und da soll noch mal einer sagen, die Deutschen seien so korrekt. Armteurhaft ist das von vermeintlich professionellen Unternehmen.
Beauregard 07.12.2017
2. Na und?
ein Privatstreit zwischen mehr oder weniger gewieften Geschäftsleuten, die sich gegenseitig das Fell über die Ohren ziehen... Und der Spiegel wird jetzt als Vehikel dabei eingesetzt schon mit dem zweiten Artikel.
_luk_ 07.12.2017
3. Jetzt ist es aber irgendwann auch mal gut
Der wievielte Artikel dazu ist das jetzt? Gehen dem Spiegel die Themen aus oder warum wird aus diesem Blödsinn so ein Theater gemacht? Wen interessiert es was Daimler für ein Mist baut, hatten halt ein Auto ausgeliehen und defekt zurück gebracht. Dumm, ärgerlich und weiter? Muss man deshalb jetzt tagelang Artikel schreiben mit dem Versuch ein Skandal zu erzeugen.
hiddensen 07.12.2017
4. Der Tesla verträgt keine Schlaglöcher, bzw. hatte einen Unfall - OH-JE
Natürlich wollte Daimler Schwächen finden. Von Sektenanbetern von Elon Musk kann man dies ja nicht erwarten. Es wird immer deutlicher das TESLA auch in 5-10 Jahren nicht für den Massenmarkt geeignet ist. Und ohne Massenproduktion geht TESLA PLEITE. Da der Tesla immer noch Schrott ist, wird Daimler mit seinen Elektroautos noch warten !! 1 Auto von Tesla ist bei Standardtest kaputt gegangen.
fd2fd 07.12.2017
5. Richtig so!
Ich hoffe der Herr stellt täglich weitere 1000€ in Rechnung für die nicht gegebene Nutzung!
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