USA Daimler schließt Strafen im Dieselskandal nicht aus

In den USA laufen Ermittlungen gegen den Autohersteller Mercedes. Der Verdacht: ein Dieselbetrug wie bei VW. Jetzt warnt das Unternehmen seine Kunden vor möglichen Rückrufaktionen.

Mercedes-Stern
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Der Abgasskandal wird für Daimler immer bedrohlicher. Der Konzern schließt angesichts der Ermittlung von US-Behörden wegen möglicherweise unerlaubter Funktionen in Dieselmotoren empfindliche Strafen nicht aus.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Behörden zu dem Schluss kämen, dass in Dieselfahrzeugen von Mercedes möglicherweise unzulässige Funktionalitäten enthalten seien, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Quartalsbericht des Stuttgarter Autobauers.

Falls die Ermittlungen zu nachteiligen Ergebnissen führten, könnte Daimler unter anderem zu Geldstrafen oder Rückrufaktionen verpflichtet werden, erklärte der Konzern. "Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass die vorgenannten Risiken erhebliche nachteilige Auswirkungen auf unsere Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage haben könnten", hieß es in dem Quartalsbericht. Schon in einem im Februar veröffentlichten Geschäftsbericht hatte Daimler auf die möglichen Konsequenzen des Dieselskandals hingewiesen.

Auch in Deutschland laufen Ermittlungen

2016 hatte das US-Justizministerium Daimler aufgefordert, eine interne Untersuchung des Zertifizierungsprozesses in Bezug auf Abgasemissionen in den USA anzustoßen. Hintergrund war die Aufdeckung des Abgasbetrugs bei dem Hersteller VW.

Der Mercedes-Konkurrent VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden eingeräumt, die Abgaswerte zum Stickoxidausstoß bei fast 600.000 Dieselwagen manipuliert zu haben. Für Vergleiche mit Klägern in den USA und Kanada muss der Konzern umgerechnet mehr als 22 Milliarden Euro zahlen.

In Deutschland laufen ebenfalls Ermittlungen gegen Daimler-Mitarbeiter wegen eines möglichen Dieselbetrugs. "Wir ermitteln gegen namentlich bekannte und unbekannte Mitarbeiter der Daimler AG wegen des Verdachts des Betrugs und der strafbaren Werbung", hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ende März mitgeteilt.

Vor einem Jahr hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt mehrere Hersteller - darunter auch Mercedes - zu einem freiwilligen Rückruf verdächtiger Dieselmodelle aufgefordert. Die betroffenen Autos waren bei Abgasnachmessungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) durch stark erhöhte Stickoxid-Werte aufgefallen. Sie sind mutmaßlich auf sogenannte Thermofenster zurückzuführen: Viele Hersteller stellen die Abgasreinigung ihrer Fahrzeuge so ein, dass sie erst ab einer bestimmten Außentemperatur arbeiten - häufig erst oberhalb von zehn Grad. Die Thermofenster sind zwar ethisch fragwürdig, nach den EU-Richtlinien aber unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

cst/Reuters



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poetnix 26.04.2017
1. Überzeugung
Ich bin überzeugt, dass unsere Ingenieure das Problem in den Griff bekämen, würde sich das Management nicht auf Abgasbetrug und ausschließlich auf Aktionärsgewinne konzentrieren. Sie sollten sich auf die Optimierung der Motoren konzentrieren, denn Elektroautos werden kaum eine Lösung sein und volkswirtschaftlich einen Riesenschaden anrichten (Arbeitsplätze). Vorbild für diesen Schaden sollte die Verbrennung von "Lebensmitteln" - E 10 Benzin - sein, für die riesige Waldflächen gerodet werden.
bescheuert 26.04.2017
2. Und
warum Nachprüfungen des KBA und wie sehn die aus? Gibt es keine mobilen Endrohrmeßgeräte die die Polizei bei Kontrollen einsetzten kann bei verkehrskontrollen? Das geht doch mit den dezibel bei Motorradkontrollen auch. Stichprobenartige Kontrollen und bei Überschreitung Bußgeld u. Nachbesserung Mal sehen ob da nicht plötzlich leben in die Bude kommt
ronald1952 26.04.2017
3. Nun Ja, als nächstes
dürfte dann Audi an die Reihe kommen. Ungeachtet der Manipullationen die vorgenommen wurden kann einem schon der Gedanke kommen das wir Deutschen oder die Deutsche Industrie die Geldkuh sind die man in den USA zu melken gedenkt. Wie aber ist es mit Französischen, Japanischen , Koreanischen und Amerikanischen Fahrzeugen denn so bestellt? Diese Herrschaften manipulieren doch genauso, denke ich mal.Unser Industrie sollte langsam anfangen sich zur Wehr zu setzen und mal Ihre Gier nach profit hinten anstellen.Bei uns geht es schließlich um Arbeitsplätze,oder? schönen Tag noch,
brunosacco 26.04.2017
4. Daimler
Was wohl Gottlieb Daimler sagen würde? " Das Beste oder Nichts". Wenn es schon bei der Verarbeitung nicht klappt hätte man wenigstens bei der Schummelsoftware "das Beste" kaufen können. Natürlich hat auch der freundliche Herr mit dem Seehundbart von nichts gewusst. Tolle Elite die wir uns da für teuer Geld leisten. Ausbaden darf es die Umwelt und die Gesamtbevölkerung. Zahlen der Kunde und der Aktionär. Was macht eigentlich Herr Winterkorn und seine Karpfensammlung? Wissmann und unser Bundesverkehrsminister lachen sich schlapp ueber den doofen Michel. Hat eigentlich Toll Collect - gehört auch dem netten Mann mit dem Seehundbart - schon Schadenersatz bezahlt für das erste Mautdesaster? Bisher weigert man sich ja. Hat aber dafür wohl schon ohne Ausschreibung den Folgeauftrag erhalten. Zum Dank bekommt unser Verkehrsminister sicher nach der Wahl einen hochdotierten Posten in Stuttgart. Herr Wissmann hat ja vorgemacht wie es geht. Und wir regen uns ueber korrupte Strukturen auf dem Balkan auf....
haresu 26.04.2017
5. Es könnte ...
Das wird doch nicht etwa ein Geständnis sein? Nein! Selbstverständlich ist das nur eine unbedeutende börsenrechtlich erzwungene Mitteilung, dass es vielleicht doch zu gewissen Kurskorrekturen kommen könnte wenn bestimmte "Funktionalitäten" als nicht ganz zulässig interpretiert werden sollten. Also doch ein Geständnis. Ab in den Knast!
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