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Das ë-Auto: Russe will Hybridwagen für 10.000 Euro bauen

Von Tanja Rieckmann

"Made in Russia" steht in der Automobilindustrie nicht gerade für Hightech oder gar Innovationsfreude. Der russische Milliardär Michail Prochorow will das ändern: Er hat die Entwicklung und Produktion eines Hybridautos für umgerechnet 10.000 Euro angekündigt.

Hybrid-Auto ë: Hightech zum Discountpreis Fotos
REUTERS

Pkw aus russischer Fabrikation sind für deutsche Autofahrer nicht unbedingt ein Grund, mit der Zunge zu schnalzen. Lada und Wolga fristen ein Nischendasein auf Deutschlands Straßen, in diesem Jahr gab es nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts hierzulande gerade mal 2040 Neuzulassungen der beiden Marken.

"Wir sollten nicht vergessen, dass die Russen den ersten Mann ins All geschickt haben, aber leider hinken wir in den letzten 50 Jahren technisch etwas hinterher", sagt der russische Oligarch Michail Prochorow zum Status Quo in Sachen russische Innovationsfreudigkeit. Das soll sich jetzt ändern. In diesen Tagen präsentierte der Milliardär nämlich seine neueste Geschäftsidee in Moskau: Billigautos mit Hybridantrieb "made in Russia".

Das Yo-Auto soll außerdem mit dem Vorurteil aufräumen, aus Russland kämen keine innovativen Automobile. Diese ambitionierte Zielvorgabe hat Prochorow ebenfalls für das neue Projekt auserkoren. Dafür investiert der selbsternannte Retter des Autostandorts Russland viel Geld: Umgerechnet 150 Millionen Euro steckt der Gründer und Finanzier der Yo-Auto-Company in die Entwicklung des Hybridautos, das in einem Joint Venture zwischen Yarovit Motors, einem Lkw-Produzenten aus St. Petersburg, und Onexim, der Investmentgruppe von Prochorow, gebaut werden soll. Staatliche Unterstützung gibt es laut Prochorow nicht; doch das wird er verschmerzen: Mit einem Vermögen von 13,4 Milliarden Dollar gilt der Unternehmer als zweitreichster Mann Russlands und belegt in der Weltrangliste der Milliardäre Platz 39. Aufsehen erregte er erst vor wenigen Monaten, als er das NBA-Team der New Jersey Nets für 250 Millionen Dollar kaufte.

Es sollen durch und durch russische Hybridautos werden

Der Name ë stammt übrigens aus dem kyrillischen Alphabet, es ist der siebte Buchstabe, der wie "yo" ausgesprochen wird. Geplant sind drei verschiedene ë-Modelle: ein Minivan als Familienauto, ein Cross-Coupé für eine junge und designorientierte Zielgruppe und die Variante City-Furgon als kleiner Lieferwagen. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE betonte Andrej Birjukow, Vorstandschef der ë-Auto-Company", dass "die Autos hauptsächlich mit russischen Komponenten und eigener Technologie gebaut werden sollen und dafür neue Fabrikgebäude errichtet werden."

Dabei setzen die Yo-Auto-Macher, anders als viele andere Automobilunternehmen, nicht auf den Elektro-Antrieb. "Wir glauben fest daran, dass nur die Hybrid-Technologie die Automobilindustrie voranbringt. Reine Elektro-Fahrzeuge haben keine Zukunft", so Birjukows Einschätzung.

Antrieb aus Wankel- und Elektromotor sowie Energie aus Superkondensatoren

Kombiniert werden ein 60 PS starker Einkammer-Wankelmotor, der entweder mit Benzin oder Gas betrieben werden kann sowie ein Elektromotor. Die Maschine tritt dem Verbrenner beim Beschleunigen zur Seite. Einen speziellen Akku gibt es nicht, dafür sogenannte Superkondensatoren, die kurzzeitig den bei der Bremsenergie-Rückgewinnung erzeugten Strom speichern können, um die Energie beim nächsten Beschleunigen sogleich wieder an die E-Maschine abzugeben. Eine teure Batterie ist also gar nicht erst an Bord. Als Durchschnittsverbrauch werden 3,5 Liter Sprit je 100 Kilometer genannt, zudem werde das Auto die Abgasnorm EU-5 erfüllen und maximal 130 km/h erreichen.

Die Technik ist das eine, der Preis ist das andere. Angesichts der teuren Technik, die in Hybridautos steckt, klingen die angepeilten, umgerechnet 10.000 Euro, der das ë-Auto kosten soll, geradezu als Kampfansage an die etablierten Hersteller. Zumal nach dem russischen auch der europäische und später sogar der Weltmarkt erobert werden soll. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Andrej Birjukow die Billigstrategie so: "Wir belasten uns nicht mit veralteten Technologien, sondern starten das Projekt ganz von vorn, sozusagen bei null. Das erlaubt uns, die effizientesten Lösungen zu wählen, die viel weniger Investitionen verlangen." Die Gewinnschwelle soll ab 10.000 produzierten Einheiten pro Jahr erreicht werden, für Mitte 2012 ist der Verkaufsstart des ë in Russland geplant.

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insgesamt 64 Beiträge
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1. Russe will ...
avollmer 23.12.2010
Wollen tät er schon, bloß können tut er nicht. (Fränkische Binsenweisheit)
2. na ja
alfa-typ 23.12.2010
Zitat von avollmerWollen tät er schon, bloß können tut er nicht. (Fränkische Binsenweisheit)
halt dein mund
3. unterer ß-Rang
Gegengleich 23.12.2010
Zitat von alfa-typhalt dein mund
So, alfa-typ. "Halt dein Mund" ist wohl in Ihrer Umgebung eine geläufiges Sprichwort. Ich könnte mir auch vorstellen, woher das kommt!
4. Gegen Titel
cor 23.12.2010
Zitat von alfa-typhalt dein mund
Was'n hier los? Achja sind ja gerade Schulferien wegen Weihnachten. Zum Thema: Ich würd ja laut loslachen wenn sogar die Russen es schaffen vor den Deutschen "Premiumherstellern" ein Hybridmodell marktfähig zu machen.
5. .
bilder_rahmen 23.12.2010
Mensch, das Coupe sieht ja sogar mal gar nicht schlecht aus. Für den Preis ein sparsames Hybridauto klingt wirklich sehr gut, das einzige was mich stutzig macht ist der Wankelmotor. Ist dieser Motor doch bekanntlich durstiger als ein Ottomotor, aber auch wesentlich weniger anfällig für technische Fehler, da er weniger bewegliche Teile besitzt. Mit bis zu 130 km/h also sogar autobahntauglich. klingt doch gut... ... und um die Reichweitenprobleme eines normalen Elektroautos muss man sich auch keine Gedanken machen.
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

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Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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