Von Tom Grünweg
Gegen das neue Batmobil sind selbst die legendären Dienstwagen von James Bond nur Spielzeugautos. Denn wenn der dunkle Ritter in diesem Sommer mit dem Bühnenzauber "Batman Live" erst durch England und dann durchs restliche Europa tourt, fährt er den wohl schärfsten Schlitten im Showgeschäft. Das eigens für die Inszenierung mit mehr als 40 Schauspielern und einer spektakulären Kulisse gezeichnete Batmobil sieht aus wie ein Düsenjäger für die Straße. Der federleichte Rumpf aus Kohlefaser ist lang und schlank, die stromlinienförmig und rasiermesserscharf verkleideten Räder stehen frei und am Heck reckt sich ein Leitwerk, mit dem selbst Sebastian Vettel noch ein paar Sekunden gut machen würde.
Spektakulär wie das Design ist auch der Antrieb. Denn Batman reitet künftig auf der grünen Welle durch Gotham City - das Auto nutzt als Energiequelle nämlich eine Brennstoffzelle, die als Abgas lediglich Wasserdampf produziert. Sie generiert aus Wasserstoff Strom, der in Lithium-Ionen-Akkus gespeichert wird und bei Bedarf die "virtuellen Dioden-Räder" antreibt, deren speichenförmig angeordnete LED im Bühnenlicht geheimnisvoll funkeln. Sie sollen, so jedenfalls die Fiktion aus Batmans Rüstkammer, ein elektrisches Kraftfeld erzeugen und so das Auto in einen Schwebezustand vier Zentimeter über dem Boden bringen. Den Vortrieb erledigen zwei Nachbrenner aus Karbon und Keramik, die das Batmobil in nur zwei Sekunden von "Superspeed" auf "Hyperspeed" zu beschleunigen.
Die Wegfahrsperre reagiert auf "positive Energie"
Entworfen hat das Batmobil für die Liveshow Gordon Murray. Der britische Designprofessor macht gerade unter anderem mit dem revolutionären Stadtflitzer T.27 als Öko-Tüftler von sich reden. Ehe er auf die Umweltspur einbog, hat Murray sechs Formel-1-Weltmeisterautos gezeichnet und auch beim Supersportwagen McLaren F1 den Stift geführt. Jetzt das Batmobil zu gestalten, sei für ihn eine große Ehre gewesen, sagt Murray. "Immerhin ist das eines der berühmtesten Autos der Welt." Und einfach nur dahin phantasiert sei der Wagen keineswegs: "Das Batmobil könnte ein echtes Auto sein. Denn ich habe mich dafür an den Materialien und den aerodynamischen Grundsätzen der Formel 1 orientiert", sagt der Designer: "Allerdings so, wie ich sie in 20 Jahren erwarte".
Doch alles andere am neuen Batmobil ist pure Science Fiction: Die Wegfahrsperre zum Beispiel, die sich nur überwinden lässt, wenn die positive Energie eines Superhelden durch die Joystick-Lenkung fließt, ist ebenso ein Produkt der Phantasie wie die Scheinwerfer, die auf Knopfdruck zu Laserkanonen werden.
Ein weiteres Highlight ist das "Crime Fighting-Kit", mit dessen Hilfe Batman bei seiner Missionen gegen das Böse unsichtbar und geräuschlos durch Gotham City gleiten kann. Dann erhält das Batmobil eine atmungsaktive Karbonhülle, die sämtliche Luftverwirbelungen schluckt. Das reduziert nicht nur den Widerstand und erhöht somit das Tempo - diese Verkleidung unterbindet auch jegliches Windgeräusch. Außerdem ist das Batmobil natürlich auf den Radarschirmen so unsichtbar wie ein Tarnkappenbomber. Und alle anderen Suchstrahlen des Gegners bringt der Wagen mit leistungsstarken Störsendern durcheinander.
Noch bewegt sich das Batmobil keinen Zentimeter
Doch so vollgestopft mit Zukunftstechnik das Batmobil auch sein mag - bislang weiß keiner so recht, wie viel davon tatsächlich funktioniert. Bei der Präsentation jedenfalls bewegte sich das spektakuläre Flugauto keinen Zentimeter. Die Frage, wie das Mobil bei der Liveshow in Fahrt kommen wird, lässt der Veranstalter bis zur Premiere am 19. Juli in Manchester offen.
"Das war zu unseren Zeiten noch anders", sagt Hollywood-Legende George Barris, der sich gerne als Vater der ersten Batmobils feiert. Das stammt aus dem Jahr 1966, basiert auf der Designstudie Lincoln Futura und war voll funktionsfähig, wie der Wagenmeister aus Kalifornien beteuert. "Heute dagegen liefern die Designer doch nur noch die Hülle, und den Rest macht irgendein Computer."
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