Neue Reifentechnologie: Die Luft muss raus

Von Jürgen Pander

Neue Reifentechnik: Das Rad neu erfunden Fotos
Polaris Industries

Autorreifen sind eine Luftnummer: Sie verschleißen, werden platt, können sogar platzen. Ein US-Unternehmen will den Pneus nun die Luft ablassen - und präsentiert Gitterreifen, die robuster, leiser und sicherer sind.

Fünfzig Reifenpannen, so heißt es in den Chroniken, erlitten die Brüder André und Edouard Michelin 1895 bei ihrer ersten Langstreckenfahrt mit luftgefüllten Reifen. Das Prinzip des aufgeblasenen Pneus setzte sich dennoch durch - und hat bis heute Bestand. Bald könnte es jedoch von einem neuen, besseren System abgelöst werden. Von Reifen, die nicht platzen und denen niemals die Puste ausgeht.

Das amerikanische Unternehmen Polaris Industries aus Medina im US-Staat Minnesota, ursprünglich ein Hersteller von Offroad-Fahrzeugen und Schneemobilen, hat angekündigt, im kommenden Jahr erstmals einen luftlosen Reifen auf den Markt zu bringen. Entwickelt hat den Reifen, dessen Herzstück eine wabenartige Struktur aus einem neuen, patentierten Kunststoff ist, das Start-up-Unternehmen Resilient Technologies aus Wisconsin, das im vergangenen Jahr von Polaris aufgekauft wurde.

Ursprünglich war vor allem das US-Militär daran interessiert, luftlose und damit nahezu unzerstörbare Reifen für den Einsatz in Krisen- und Kriegsgebieten zur Verfügung zu haben. Künftig soll der Non-Pneumatic Tire (NPT) genannte Reifen auch zivilen Offroad-Fans die Sorge um einen Plattfuß in der Wildnis nehmen.

Damit macht die neue Reifentechnik auch Ersatzräder oder Reparaturkits überflüssig. Als weitere Vorteile nennt der Hersteller den geringeren Ressourcenverbrauch bei der Produktion des luftlosen Reifens, den größeren Komfort, die nahezu universelle Einsetzbarkeit und das deutlich leisere Abrollgeräusch. Letzteres resultiert nach Angaben eines Polaris-Sprechers daraus, dass es keinen Resonanzraum mehr gibt, in dem sich der Schall verstärkt.

Einen Preis für die luftlosen Reifen nennt Polaris noch nicht. Aber billiger als herkömmliche Gummipneus werden die neuen Gitterräder sicher nicht. Bei Polaris heißt es dazu lediglich, dass man mit einem Non-Pneumatic Tire ja nicht nur einen Reifen kaufe, sondern auch die Sicherheit, nie mehr mit einem Platten liegenzubleiben.

Mehrere Reifenhersteller würden gerne die Luft rauslassen

Gänzlich neu ist die Idee natürlich nicht. Bereits 2005 stellte der französische Reifenhersteller Michelin mit dem Prototypen Tweel eine Verschmelzung von Reifen (Tire) und Rad (Wheel) vor, die ohne Luft auskam. Vor zwei Jahren dann erfanden die japanischen Reifenhersteller Bridgestone und Yokohama ebenfalls das Rad neu - und zwar abermals ohne Luft.

Bei Michelin, Bridgestone und Yokohama hieß es auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass weiter an den Projekten gearbeitet wird, da sie große Vorteile in den Bereichen Sicherheit und Umweltfreundlichkeit versprechen. Dass sie noch nicht serienreif sind, liegt laut Auskünften eines Yokohama-Sprechers "an Aspekten der Reifen-Performance, der Produktionsprozesse sowie der gesetzlichen Bestimmungen".

Konkrete Einzelheiten darüber, ob und wann die luftlosen Reifen auf den Markt kommen werden, wollen die Unternehmen also nicht nennen. Wobei diese Aussagen sich auf den Einsatz bei Autos beziehen: Denn Michelin stellt in den USA bereits seit vergangenem Jahr einen luftlosen Serienreifen her, der für Radlader konzipiert ist.

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insgesamt 133 Beiträge
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1. Nur mal so nebenbei...
skiski-bowski 26.03.2013
Der innere Ring aus Metall nennt sich Rad, bestehend aus Nabe, Speichen und Felge. Selbst für einen Nichtfachmann sind diese Komponenten deutlich zu erkennen.
2. Ist ja eine sehr gute Idee
dantjax 26.03.2013
aber durch den Reifen ohne Luft geht doch dann auch ein wenig Komfort Flöten da dieser Schlaglöcher nicht so absorbieren kann wie ein mit Luft gefüllter Reifen.
3. Die Bienenwabe
mischpot 26.03.2013
ist wohl vielfältig einsetzbar, man muß nur die Augen aufmachen. Die Reifenlobby wird die Sache schon lenken.
4.
mar3134 26.03.2013
Der schlimmste Unfall den ich je hatte, war als ein Reifen auf der Autobahn in Nordamerika geplatzt war. Schutzengel sei dank, war nichts passiert. So ein Reifen wäre natürlich die perfekte Innovation um so etwas zu verhindern.
5. Schöne neue Reifen...
clausde 26.03.2013
...die niemals die Luft verlieren und deshalb teurer sind. Allerdings werden die meisten Reifen nicht getauscht weil sie platt sind, sondern die Profiltiefe nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen entspricht. Meinen letzten Platten hatte ich vor Jahrzehnten. Für Spezialanwendungen okay. Für den Massenmarkt wohl weniger.
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