Defekte Zündschlösser General Motors gibt 51 Todesfälle zu

Sicher war: Defekte Zündschlösser in Autos von GM hatten in den USA den Tod vieler Autofahrer verursacht. Nur das genaue Ausmaß stand nie fest. Nun hat der Detroiter Konzern die Opferzahl weiter nach oben korrigiert.

GM-Zentrale in Detroit (Archiv): Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe möglich
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GM-Zentrale in Detroit (Archiv): Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe möglich


Detroit - Erst war von 13 Toten die Rede, dann von 15 und 19, schließlich wurden es Dutzende mehr: Im Skandal um fehlerhafte Zündschlösser in Autos von General Motors (GM) hat der Konzern inzwischen 51 Todesfälle eingeräumt. Bei dem US-Unternehmen seien nunmehr 455 Schadenersatzforderungen wegen tödlicher Unfälle eingegangen, teilte der Anwalt Kenneth Feinberg mit, der Verwalter des eingerichteten Entschädigungsfonds. Und die Todeszahl könnte weiter steigen: 110 dieser Fälle würden momentan noch geprüft.

Über Jahre hinweg hatten Techniker des Konzerns über gravierende Mängel bei Millionen von Fahrzeugen hinweggesehen: Die Zahl der Fälle häuften sich, in denen die Zündschlösser während der Fahrt in die Aus-Position sprangen und so Motor und Elektronik ausschalteten, was dazu führte, dass Lenkung, Bremsen und Airbag-Systeme nicht richtig funktionierten. GM musste deswegen Anfang 2014 rund 2,6 Millionen Autos aus den Jahren 2003 bis 2011 zurückrufen.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, die Lösung des Problems verschleppt zu haben. Wegen verspäteter Rückrufe hatte sich General Motors zu einer Strafe von 35 Millionen Dollar an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA bereit erklärt.

Für Entschädigungszahlungen hat sich der Detroiter Konzern ein Polster in dreistelliger Millionenhöhe zurückgelegt, hieß es noch im September. Wie hoch die Summe nun tatsächlich ausfällt, sei im Moment jedoch noch nicht bekannt, sagte Feinberg dem Finanznachrichtensender Bloomberg. Die Schätzungen von vor rund einem Jahr taxieren die Höchstsumme der benötigten Gelder auf etwa 600 Millionen Dollar.

GM zahlt für jedes Todesopfer mindestens eine Million Dollar (etwa 880.000 Euro). Hinterbliebene Ehepartner und Unterhaltsberechtigte sollen mit je 300.000 Dollar entschädigt werden. Geld soll auch an diejenigen fließen, die lediglich bei Unfällen Verletzungen erlitten haben. Von insgesamt 4180 Forderungen nach Schadenersatz seien nach Angaben des Unternehmens bislang 128 anerkannt worden.

daf/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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gwyar 03.02.2015
1. Entschädigung - und dann?
Wird mit Geld die Weste gewaschen, oder müssen sich die Verantwortlichen strafrechtlich verantworten? In den USA hieße dies dann wohl Todesstrafe, oder? Vielfache Tötung durch Unterlassung...
mrotz 03.02.2015
2.
Man sollte auf die Lenkradsperre komplett verzichten. Ein unnötiges Bauteil.
fatherted98 03.02.2015
3. In Deutschland...
...bekämen die Hinterbliebenen wohl allerhöchstens die Beerdigung ersetzt ... wenn überhaupt (nach der 3 Instanz und 20 Jahren vor Gericht)...in den USA haben die Opferfamilien jedenfalls eine reele Chance auf einen angemessenen Oferausgleich...bringt zwar den geliebten Menschen nicht zurück....sichert aber immerhin das Überleben der Familie ab...die in Deutschland in der Sozialhilfe landen würde.
DJ Doena 03.02.2015
4.
Erinnert sich noch jemand an die japanischen Toyotas und die verrutschten Fußmatten und den Skandal, den das in den USA ausgelöst hat? Und jetzt beim US-Konzern GM? Achselzucken oder was?
deegeecee 03.02.2015
5.
Zitat von fatherted98...bekämen die Hinterbliebenen wohl allerhöchstens die Beerdigung ersetzt ... wenn überhaupt (nach der 3 Instanz und 20 Jahren vor Gericht)...in den USA haben die Opferfamilien jedenfalls eine reele Chance auf einen angemessenen Oferausgleich...bringt zwar den geliebten Menschen nicht zurück....sichert aber immerhin das Überleben der Familie ab...die in Deutschland in der Sozialhilfe landen würde.
Geschwätz! Es gibt in Deutschland die Rente wegen Todes. *Die* sichert das Überleben der Hinterbliebenen.
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