Autogramm Ford Eco-Sport: Hauptsache hoch

Aus São Paulo berichtet Tom Grünweg

Autogramm Ford Eco-Sport: Neuzugang aus Brasilien Fotos
Tom Grünweg

Ein Mini-SUV? Wollen jetzt alle Hersteller anbieten. Kaum ist der Opel Mokka am Start, läuft schon der nächste kleine Kraxler warm, der Ford Eco-Sport. Entwickelt wurde das Auto auf Fiesta-Basis in Brasilien, 2013 kommt es nach Europa. Hier sind erste Fahreindrücke.

Der erste Eindruck: Endlich mal wieder ein SUV, der zumindest so aussieht, als giere es nach Schmutz und Schlamm. Eine größere Bodenfreiheit und Plastikwülste um die Gürtellinie haben ja mittlerweile fast alle, und auch ein markanter Unterfahrschutz ist nichts Besonderes mehr. Aber das außen angeschlagene Ersatzrad gibt dem Eco-Sport etwas Verwegen-Abenteuerliches. Dabei wird der Wagen zumindest in Brasilien, wo er entwickelt wurde, nicht einmal mit Allradantrieb angeboten.

Das sagt der Hersteller: Ford-Chef Alan Mulally feiert den Eco-Sport als weiteres Erfolgsmodell der globalisierten Produktstrategie. Ursprünglich war der Wagen nur für Südamerika vorgesehen. Nachdem sich dort aber von der ersten Generation binnen zehn Jahren rund 700.000 Exemplare verkauft haben und die Marktforscher dem Segment der kleinen Geländewagen weltweit eine große Zukunft voraussagen, schickt Mulally die zweite Auflage jetzt um den Globus: die jährlich bis zu 275.000 Exemplare aus Fabriken in Brasilien, Indien und China sollen in mehr als hundert Ländern verkauft werden - darunter auch in Deutschland.

Das ist uns aufgefallen: Wie gut man sich im Eco-Sport aufgehoben fühlt, wenn man sich mit Millionen anderer Fahrzeuge durch São Paulo kämpft. Allradantrieb braucht man hier genauso wenig wie in Stuttgart oder St. Peter Ording, denn auch in der größten Stadt Brasiliens sind fast alle Straßen asphaltiert. Dennoch freut man sich über die erhöhte Sitzposition, die robuste Konstruktion und die langen Federwege des Autos, wenn man durch Abflussrinnen tief wie Bachläufe pflügt, kniehohe Temposchwellen überfährt und im Verkehrsgewusel nicht den Überblick verlieren will.

Der Eco-Sport ist überaus wendig, obwohl der Wagen mit 4,24 Meter Länge längst kein Kleinwagen mehr ist. Auch wenn es mal etwas freier wird auf der Straßen, bietet der Schmalspur-SUV eine ansprechende Leistung - jedenfalls reicht ein wenig Feinschliff, um das Auto fit für Europa zu machen. Die Lenkung ist schon klasse, und nach ein paar Anpassungen an Federn und Dämpfern sollte das auch fürs Fahrwerk gelten.

Wichtiger ist jedoch eine Überarbeitung des Interieurs. Das Platzangebot ist ordentlich, es gibt viele Ablagen, und das Sitzgefühl ist ebenfalls ok; doch wohin man auch schaut, sieht man glänzendes Hartplastik. Und was man auch anfasst, fühlt sich billig an. Mit Fachsimpeleien zu Fugenverläufen und Materialanpassungen wollen wir gar nicht erst anfangen. Das sind alles keine unlösbaren Aufgaben, aber sie müssen erledigt werden, wenn der Eco-Sport in Europa eine Chance haben soll.

Das muss man wissen: Technisch ist der Eco-Sport ein enger Verwandter der Modelle Fiesta und B-Max. Deshalb lässt sich das Auto für den Export mühelos gehörig aufrüsten. Das moderne Infotainment-System Sync ist bereits in den brasilianischen Varianten an Bord, optional werden in Südamerika darüber hinaus bis zu sechs Airbags, Parksensoren sowie ESP samt Berganfahrhilfe angeboten. Assistenzsysteme wie die City-Notbremse aus dem B-Max dürften, sobald der Wagen den Weg über den Atlantik gefunden hat, hierzulande noch dazukommen.

Auch beim Antrieb wird sich noch einiges ändern. In Brasilien gibt es den Eco-Sport mit einem 1,6-Liter-Benziner mit 115 PS und einem ziemlich müden 2,0-Liter-Ottomotor, dem man die Leistung von knapp 150 PS kaum abnimmt. Für Europa stellen die Kölner unter anderem den famosen Dreizylinder aus dem Focus sowie ein 1,5-Liter-Dieselaggregat in Aussicht. Außerdem gibt es dann auch ein Sechsgang-Schaltgetriebe, eine Automatik und den eigentlich verzichtbaren Allradantrieb.

Bleibt noch die Frage, was der Eco-Sport einmal kosten wird. Von offizieller Seite gibt es darauf noch keine Antwort. In Brasilien verlangt Ford für das Basismodell umgerechnet zwischen 17.000 und 20.000 Euro. Das scheint beim Blick auf die 18.990 Euro Grundpreis des Opel Mokka als wichtigstem Konkurrenten auch für Deutschland eine plausible Zielmarke.

Das werden wir nicht vergessen: Wie wenig es braucht, um aus einem Kleinwagen einen SUV zu machen und so ein bisschen Pepp in den Stadtverkehr zu bringen. Fragt sich nur, warum Ford zehn Jahre gebraucht hat, bis es der Wagen jetzt endlich nach Europa schafft.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
green-grey 28.10.2012
Hallo Herr Grünweg, da haben Sie wohl den Begriff missverstanden. Die Gürtellinie bezeichnet die Unterkanten der Fenster, nicht den Karosserieboden.
2. Verbieten
W. Robert 28.10.2012
Man sollte so was wie einen Stil-TÜV einführen, um derartige visuelle Umweltverschmutzung im Straßenbild zu unterbinden. Schließlich sind Städte ein Kulturraum. Die Auswirkungen völlig missratener Interieurs auf die Psyche sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden.
3. meine Meinung
johndo89 28.10.2012
von vorne einfach nur hässlich, und das Amaturenbrett bringt Unruhe in das Auto
4.
atamani 28.10.2012
Zitat von W. RobertMan sollte so was wie einen Stil-TÜV einführen, um derartige visuelle Umweltverschmutzung im Straßenbild zu unterbinden. Schließlich sind Städte ein Kulturraum. Die Auswirkungen völlig missratener Interieurs auf die Psyche sollte ebenfalls nicht unterschätzt werden.
Dankeschön. Ich dachte schon, ich bin der Einzige, der dieses Ding hässlich findet. Ich habe ja schon einige Berichte in Autozeitungen von diesem Ding gelesen, niemals wurde auf die missratene Form eingegangen. Das Auto ist eines der hässlichsten, seit dem SangYong Rhodius... Ich weiß nicht, wer so ein Auto kauft, Blinde sind ja eigentlich nicht die typischen Autokäufer...
5. Grauenhaft
emantsol 28.10.2012
Und der wird gekauft? Weder Eco, noch Sport, einfach nur hässlich - innen wie aussen. Sollte ich mir jemals wieder ein SUV kaufen (fahre z.Zt. Van), wird es wohl wieder von einem als langweilig geltenden deutschen Hersteller kommen. Lieber ein schlichtes, von mir aus langweiliges, praktisches Design als eine so grässliche Kiste. Eigentlich bin ich ästhetisch gar nicht so anspruchsvoll, aber diese Schüssel finde sogar ich beleidigend ...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Ford-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 42 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook
Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Eco-Sport
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.999 ccm
Leistung: 141 PS (104 kW)
Drehmoment: 186 Nm
Von 0 auf 100: 10,8 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Kofferraum: 362 Liter
umgebaut: 705 Liter
Gewicht: 1.676 kg
Maße: 4241 / 1765 / 1696


Aktuelles zu