Prototyp Lexus IS: Verspielt und aufgedreht

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Prototyp Lexus IS: Näher dran an Bayern Fotos
Lexus

Lexus will sein Streber-Image abschütteln und endlich verführerischer sein. Mit dem neuen IS könnte das gelingen. Die Limousine fährt nicht nur knackig, sondern bietet im Innern sogar zarte Sinnlichkeit. Nur beim Sounddesign sind die Japaner übers Ziel hinausgeschossen.

Junichi Furumya weiß, wie man ein Auto sportlich um die Kurven zirkelt. Der Lexus-Ingenieur sitzt in jeder freien Minute in einem Fahrsimulator und trainiert auf der Playstation. Zuletzt jedoch gab es nicht viele freie Minuten - aber dafür reichlich Gelegenheit, die Fahrkünste in der Praxis einzusetzen. Denn Furumya leitet die Entwicklung des neuen Lexus IS, der im Januar Weltpremiere auf der Auto-Show in Detroit feiern und im Juni in Deutschland debütieren wird.

"Unsere neuen Modelle sollen spürbar sportlicher werden", sagt Furumya. Bislang waren die Autos von Lexus technisch auf hohem Niveau, wirkten aber immer irgendwie unterkühlt und emotionslos. Jetzt also geht es um Adrenalin. Wie der neue GS soll nun auch der kommende IS aggressiver aussehen und agiler fahren - und damit vor allem einer deutschen Marke nacheifern: Furumya sagt ohne Scheu: "Unser Vorbild ist BMW."

Ob es ein frisches, aufregendes Design für den Wagen gibt, kann man im Augenblick nur vermuten. Denn bis auf den für Lexus mittlerweile typischen "Diablo"-Grill ist von der finalen Form der Limousine unter der aufgeklebten Tarnfolie nicht viel zu erkennen. Doch wenn sich der IS auch nur ein wenig an der Studie LF-CC vom Autosalon in Paris orientiert, wird er durchaus mehr Aufmerksamkeit erregen.

Schon bei der Sitzprobe im Prototypen ist der sportliche Anspruch Furumyas zu spüren: Das Dach wölbt sich flach über den Innenraum, das Lenkrad steht steiler als früher, die Lehne ist straff gepolstert und der sogenannte Hüftpunkt befindet sich nun zwei Zentimeter näher am Asphalt. Der Effekt: Man sitzt tief drinnen im Auto.

Was trotz der Tarnung im Innenraum noch auffällt, sind die etwas großzügigeren Platzverhältnisse im Fond - immerhin wurde der Radstand um sieben Zentimeter gestreckt. Außerdem gibt es statt der fummeligen Computermaus auf dem Mitteltunnel nun einen dicken Drehknopf für die Bedienung von Navigation und Co. Die Cockpitinstrumente sind vom Supersportwagen LFA inspiriert, in unterschiedlichem Design je nach Fahrmodus. Außerdem bietet das Auto eine originelle Klimaregelung: Statt über Tasten oder Drehrädchen die Temperatur einzustellen, streicht man mit dem Finger sanft über zwei metallene Stäbchen. So sinnlich waren japanische Ingenieure früher selten.

Neuer Hybridantrieb und kompakterer Stromspeicher

In Fahrt bringt den IS - neben dem bekannten und lediglich optimierten V6-Benziner mit 2,5 Litern Hubraum und rund 210 PS - ein neuer Hybrid-Antrieb. In diesem Fall wird ein 2,5 Liter großer Vierzylinder-Benziner mit einer Elektromaschine kombiniert, die Energie für den E-Motor stammt aus einem eigentlich antiquierten Nickel-Metallhydrid-Akku. Allerdings ist der Stromspeicher derart geschrumpft, dass der Kofferraum nun deutlich größer ist als beim Vorgängermodell. Rund zwei Kilometer rein elektrische Fahrt sind nach wie vor möglich.

Die exakte Leistung des auf der ersten Testfahrt angenehm kräftigen und auf Wunsch sogar richtig aggressiven Antriebs verrät Projektleiter Furumya noch nicht; ebenso schweigt er zum Verbrauch der vermutlich rund 200 PS starken Hybridtechnik. Nur soviel: Mit "unter 99 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer" oder umgerechnet weniger als 4,2 Liter ist der Wagen so sparsam, dass die beiden bislang für den IS angebotenen Dieselmotoren ausgemustert werden.

Der Zielkonflikt zwischen sparsamem Hybridantrieb und dynamischer Grundausrichtung zwang Furumya zu ein paar technologischen Klimmzügen. Bislang nämlich waren japanische Hybridautos nicht für Fahrfreude bekannt. "Das lag vor allem am stufenlosen Automatikgetriebe", sagt der Ingenieur. "Um den Verbrenner immer möglichst nah am optimalen Betriebspunkt zu halten, machen diese Riemengetriebe oft große Drehzahlsprünge, die nicht zum Empfinden des Fahrers passen." Deshalb klingen Autos wie der Toyota Yaris Hybrid beim Beschleunigen bisweilen wie ein Staubsauger.

Ein stufenloses Getriebe, das nicht den Fahrspaß verdirbt

Im neuen IS wird das anders, wie die Testfahrt mit dem Prototypen bestätigt. Es bleibt zwar bei einer CVT-Automatik, aber jetzt passt der Drehzahlverlauf zum Beschleunigungsgefühl - und prompt macht auch so ein Getriebe Laune. In Kombination mit einer direkteren Lenkung, einem strafferen Fahrwerk und einer steiferen Karosserie wirkt der Wagen nun tatsächlich knackiger und nähert sich seinem Vorbild BMW an.

Hätte es Furumya doch nur dabei belassen. Jedoch - offenbar inspiriert vom Fahrsimulator - spendierte der Projektchef dem neuen IS noch einen Soundgenerator, der den Klang des Hybridautos ein wenig verstärken soll. Leider erinnert das synthetische Brummen eher an den mangelhaften UKW-Empfang eines alten Radios als an einen kernigen V8-Motor. An der Playstation im Wohnzimmer mag derlei funktionieren. In einem realen Auto klingt das dagegen ziemlich albern. Vor allem hat der Lexus solchen Zauber gar nicht nötig. Gut, dass sich irgendwo unter der Tarnfolie ein Knopf zum Abschalten versteckt.

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Lieber Herr Grünweg
ergoprox 18.12.2012
..oder wie imemr Sie heißen, der Hybrid Synergie Drive ist kein CVT-Getriebe, es ist ein Planetenradgetriebe, im Lexus 2-stufig. Da gibt es auch keine "Riemen". Der Yaris Hybrid hat auch kein CVT-Getriebe und keine Riemen, sondern nutzt die gleiche Technologie wie der Lexus, nur einstufig. Es ist wirklich erstaunlich, dass Sie dies nach nun shon mehrfachen sog. "Tests" noch nicht eimal die Zeit gefunden haben sich auch nur rudimentär mit derTechnologie auseinanderzusetzen. Dies gilt auch für die Akkutechnik, die Sie als "antiquiert" bezeichnen, aber für den Einsatzzweck des Hybriden - der ebe nicht ist, möglichst lange am Stück elektrsch zu fahren - absolut ideal und höchst ausgereift ist.
2. Das schlimme an Lexus
anders_denker 18.12.2012
man hat permanent den Eindruck das dort die besten Chinesischen Kopierer das Blechkleid schneidern. Alles schon mal gesehen - auf den ersten, zweiten und auf auch dritten Blick ein Porsche, BMW, Mercedes oder auch mal ein kantiger Ami... nichts eigenständiges wie z.B. bei Infiniti. Schade eigentlich das hier eben keine Markentypische Linie einfließen mag. Gute, sehr ordentliche Autos sind es ja immerhin. Aber was nutzt das wenn eben diese "einzigartigkeit" fehlt, wenn man immer glaubt das kopiert wurde?
3. Und, liebe Finanzämter und Auto-Werber
criticalsitizen 18.12.2012
Steuergerechtgkeit, dazu gehört auch dass bestimmter Art von Promotern ihre Zuwendungen, die ihnen u.A. für Falschinformation-Verbreiten zufliessen, versteuern sollten.
4. CVT oder nicht CVT?
kenterziege 18.12.2012
Zitat von ergoprox..oder wie imemr Sie heißen, der Hybrid Synergie Drive ist kein CVT-Getriebe, es ist ein Planetenradgetriebe, im Lexus 2-stufig. Da gibt es auch keine "Riemen". Der Yaris Hybrid hat auch kein CVT-Getriebe und keine Riemen, sondern nutzt die gleiche Technologie wie der Lexus, nur einstufig. Es ist wirklich erstaunlich, dass Sie dies nach nun shon mehrfachen sog. "Tests" noch nicht eimal die Zeit gefunden haben sich auch nur rudimentär mit derTechnologie auseinanderzusetzen. Dies gilt auch für die Akkutechnik, die Sie als "antiquiert" bezeichnen, aber für den Einsatzzweck des Hybriden - der ebe nicht ist, möglichst lange am Stück elektrsch zu fahren - absolut ideal und höchst ausgereift ist.
Im Grunsatz stimme ich Ihnen zu. Unter einem CVT-Getriebe versteht man zunächst etwas anderes, da es diese Getriebe mit Riemen oder Schubglieder-Bändern schon sehr lange gibt. Der DKW-Hobby-Motorroller hatte das schon in den 50er Jahren. Und da Herr (Pseudonym) Grünweg oft durch laienhafte Beschreibungen und kritiklose Übernahme von Pressetexten auffällt, hätte ich genau so argumentiert, wie Sie. Aber in der technischen Nomenklatur wird das Toyota-Konzept unter CVT-Getriebe geführt. Das diese eigentlich irreführende Zuordnung nichts, aber auch gar nichts über das geniale System von Planetengetriebe in Kombination mit dem E.Motor/Generator sagt, steht auf einem anderen Blatt. Meines Erachtens wäre es nicht zu viel verlangt, wenn einmal über dieses atypisch , weil dynamisch eingesetzte, Planetengetriebe berichtet würde. Was die Fotos anbetrifft komme ich mir vor, wie der Passant, der durch das gewollte Loch im Bauzaun zum schauen verführt wird. SPON fällt auf die gezielt in homöopathisch Dosen abgegebenen Infos der Hersteller herein oder auch nicht, weil mal wieder eine Schlagzeile her muß. Na ja - einem geschenkten Gaul.....
5. Kompetenz???
spin000 18.12.2012
von jemandem der Artikel über Autos schreibt kann ja wohl auch etwas kompetenz erwartet werden. Das auto hat definitiv keinen riementrieb wie zB audi. Sondern wie oben erwähnt ein planetengetriebe. ein artikel der die funktionsweise des toyota-hybrid erklärt wäre durchaus mal angebracht. auf alle fälle besser als immer dieses versteckte bashing, wie zB "waren japanische Hybridautos nicht für Fahrfreude bekannt". Sind deutsche Audis auch nicht für fahrspass bekannt wenn sie einen riementrieb haben? was hat stufenlos mit fahrspass zu tun?
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