Autogramm Audi A3: Ein teurer Freund

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180 PS Leistung, fast so viele Assistenzsysteme wie ein Audi A8 und ein detailverliebtes Interieur - kompakt am neuen Audi A3 ist nur noch das Format. Der Luxus hat seinen Preis: Voll ausgestattet kostet der Wagen mehr als eine viel größere Limousine.

Audi A3: Drang zu Höherem Fotos
Audi

DER ERSTE EINDRUCK: Kompaktklasse? Das klingt immer noch nach Tristesse in grauem Kunststoff, Bausparvertrag und Reihenhäuschen in der Vorstadt. Doch Audi zeigt mit dem neuen A3, dass es in diesem Segment auch nobel zugehen kann. Hätte das Auto vier statt zwei Türen und im Fond ein bisschen mehr Platz, man würde sich glatt im A4 oder im A6 wähnen.

Wohin man schaut gibt's feines Leder, blankes Metall, weich unterschäumte Kunststoffe. Und die Luftausströmer im Turbinenlook sind so raffiniert konstruiert, dass man minutenlang an ihnen herumspielt. Zieht oder drückt man an den silberfarbenen Naben, verschieben sich die 30 Einzelteile so, dass der Luftstrom entweder sanft gefächert oder wie von einem Föhn gebündelt wird. So fein kennt man die Bedienung bislang nur von Rolls-Royce oder Bentley.

DAS SAGT DER HERSTELLER: "Wir waren die ersten und wollen es auch bleiben", sagt Audi und feiert den A3 als Premium-Vorreiter in der Kompaktklasse. Die dritte Generation des A3 soll diesen Anspruch untermauern - mit zahlreichen Extras aus der Oberklasse. So ist der A3 der erste Kompaktwagen, den es mit LED-Scheinwerfern gibt; das Navigationssystem kann Eingaben in Handschriften lesen und es gibt eine Masse an Unterhaltungselektronik im Stil der Luxuslimousine A8: Internetzugang, Navi-Sonderziele aus der Google-Datenbank sowie ein Soundsystem von Bang & Olufsen sind lieferbar.

Bescheidenheit kennt dieser Wagen nicht - es sei denn beim Gewicht. "Wir haben das Auto um bis zu 80 Kilogramm leichter gemacht", sagt Entwicklungsvorstand Michael Dick. Alubleche, hochfeste Stähle, schlankere Sitze und dünnere Kabel machen es möglich. Der leichteste A3 wiegt nun 1175 Kilo - so schwer war in etwa auch der Erstling von 1996 - nur dass jetzt sieben Airbags, die Klimaanlage und jede Menge Extras inklusive sind. Das geringere Gewicht macht das Auto flott - und um bis zu 17 Prozent sparsamer.

DAS IST UNS AUFGEFALLEN: Wie unterschiedlich man ein- und dasselbe Auto erleben kann; vor allem das vorläufige Top-Modell mit dem 180 PS starken 1,8-Liter-Motor. So lange man auf der Autobahn fährt und den Drive-Select-Schalter im "Comfort"-Modus lässt, gibt der A3 den entspannten Gleiter, der die Kilometer abspult wie ein A6. Das Fahrwerk bügelt die Straße glatt, die Lenkung reagiert sanft, die Doppelkupplungsautomatik hält die Drehzahl niedrig, die Dämmfolie in der Frontscheibe sorgt für Ruhe.

So findet man dann auch die Muße, sich zum Beispiel an der famosen Infotainment-Klaviatur auf dem Mitteltunnel zu erfreuen, die dank kleiner Schaltwippen aus Metall und einem sogenannten Touchwheel jetzt noch eleganter aussieht und einfacher zu bedienen ist als das System im A8.

Wechselt man auf die Landstraße und ins "Dynamic"-Programm, zeigt der A3 sein zweites Gesicht. Der Motor knurrt lauter und dreht höher, die Lenkung reagiert schärfer und das Fahrwerk fühlt sich straffer an. Das elektronische Differenzial (siehe "Technik erklärt" in der Spalte) macht den Wagen zum Kurvenkünstler, und die maximal 250 Nm des Turbo-Direkteinspritzers prügeln ihn jede Passstraße hinauf.

Glücklicherweise sind die Abmessungen des A3 kompakt geblieben. Das handliche Format hilft bei Kurvenfahrten. Allerdings schluckt der Motor bei forscher Gangart locker zehn Liter und mehr - offiziell liegt der Durchschnittsvebrauch bei 5,6 Liter.

DAS MUSS MAN WISSEN: Los geht es mit dem Dreitürer, der ab 22.500 Euro von August an ausgeliefert wird. Neben dem von uns gefahrenen 1.8 TFSI gibt es noch einen Benziner mit 1,4 Litern und 122 PS und einen zwei Liter großen Diesel mit 150 PS, der im Mittel 4,1 Liter verbraucht. Bei drei Türen und drei Motoren wird es aber nicht bleiben. Auf dem Autosalon in Paris im Oktober steht der fünftürige Sportback, dem eine Neuauflage des Cabrios und erstmals auch eine kleine Limousine folgen werden.

Die Motorenauswahl wird noch in diesem Jahr um einen 1,4-Liter-Benziner mit Zylinderabschaltung ergänzt, der 140 PS leistet und 4,9 Liter verbrauchen soll. Dazu kommen ein Spardiesel mit 105 PS und 3,8 Liter Verbrauch sowie ein 1,8 Liter großer Sauger, der im dann billigsten A3 ab 21.600 Euro angeboten wird. Später folgen unter anderem eine Erdgasvariante, ein Plug-in-Hybrid sowie natürlich auch ein Nachfolger für den aktuell 265 PS starken S3.


Der A3 ist nicht nur für Audi, sondern für den ganzen VW-Konzern von strategischer Bedeutung. Er ist das erste Auto auf Basis des modularen Querbaukastens (MQB). Aus diesem Komponentensatz ist auch der kommende VW Golf konstruiert; und in den nächsten Jahren werden alle frontgetriebenen Modelle der Marken Audi, VW, Seat und Skoda auf den MQB umgestellt. Dann bekommt der A3 mindestens zwei Dutzend direkte Verwandte.

DAS WERDEN WIR NICHT VERGESSEN: Die Noblesse, mit der uns der A3 aus den Niederungen der Kompaktklasse entführt. Zierleisten, die mit einer Schicht aus transparentem Polycarbonat einen gläsernem 3D-Effekt bekommen, aufwendige Lüfterdüsen, Scheinwerfer wie vom Juwelier, Assistenzsysteme wie in der Oberklasse und ein Infotainment-Bedienfeld, das jede Home-Stereoanlage schmücken würde - so ist Autofahren in der Kompaktklasse elegant und elitär.

Letzteres gilt auch für den Preis: Wer den A3 stark motorisiert und gut ausgestattet bestellt, erhält eine Rechnung, die durchaus Audi-A6-Format hat.

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Seelenloses Lifestylegefährt
sternenfan 15.05.2012
Bei diesem schmucklosen Vertreter für konsumorientierte Jungdynamiker von Noblesse zu schreiben hat schon was. Ein Audi A3 ist nun mal kein Maserati oder Aston Martin. Audi baut Fahrzeuge für potentielle Premiumkunden mit Hang zum Sparbrötchentum. Nur kein Risiko eingehen und immer auf Sicherheit setzen. Wer sich für diesen Vertreter automobiler Plattformtechnologie entscheidet, hat sicher auch den Kaufvetrag für ein Reihenhaus in guter Lage mit kleinem Garten in der Tasche. Ach ja, als kleines Schmankerl bekommt der Kunde ein aus 30 Teilen bestehenden Luftausströmer.
2. Sternenfan - welches Auto faehrst du denn?
hhpp 15.05.2012
Sternenfan - welches Auto faehrst du denn?
3.
amonn 15.05.2012
Das Problem der hohen Preise hat Audi auch schon eine Klasse tiefer, nämlich beim A1. Da steht einer im Showroom meines Händlers, der mit allen Extras weit über 40.000€ kostet - dafür bekommt man auch einen gut ausgestatteten Skoda Superb mit dem wesentlich haltbarerem 2.0TSI und 200PS. Und den gleichen 180-PS-Motor wie im beschriebenen A3 gibt es im Skoda Fabia RS mit allen dort verfügbaren Extras für ca. 25.000€. Natürlich sind die Autos nicht (direkt) vergleichbar, aber es verdeutlicht die irrwitzigen Preise die Audi verlangt.
4. Direkteinspritzer = Feinstaub
MS_FFM 15.05.2012
Unerwähnt bleibt leider die Tatsache, dass Direkteinspritzer-Beziner aufgrund gekonnter Lobbyarbeit erhebliche Mengen Feinstaub im Abgas absondern dürfen. Warum sollte ich ein unnötig schmutziges Auto fahren, wenn es Alternativen gibt? Insofern würde ich mich über einen Test von "saubereren" A3s freuen, denn das übrige Gesamtpaket ist ziemlich reizvoll.
5. optional
mawahh@web.de 15.05.2012
Lieber vorher mit der neuen Mercedes A-Klasse vergleichen, bevor man hier zuschlägt, würde ich vorschlagen :)
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Fahrzeugschein
Hersteller: Audi
Typ: A3 1.8 TFSI
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Siebengang-DSG
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 180 PS (132 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 7,2 s
Höchstgeschw.: 232 km/h
Verbrauch (ECE): 5,6 Liter
CO2-Ausstoß: 130 g/km
Kofferraum: 365 Liter
umgebaut: 1.100 Liter
Gewicht: 1.250 kg
Maße: 4237 / 1777 / 1421
Preis: 27.800 EUR
Technik erklärt
Elektronisches Differenzial...

...oder auch elektronische Quersperre ist ein Bestandteil der Stabilisierungskontrolle, die bei Audi ESC heißt. Sie funktioniert folgendermaßen: Wenn das angetriebene, kurveninnere Vorderrad zu stark entlastet wird, veranlasst das Steuergerät an diesem Rad einen Bremseingriff. Dadurch wird das überschüssige Drehmoment an das kurvenäußere Rad geleitet. Parallel dazu sorgt die unterschiedliche Drehmomentverteilung dafür, dass sich das Auto regelrecht in die Kurve hineindreht - also dem typischen Untersteuern bei Fronttrieblern entgegen wirkt. Das Fahrverhalten in Kurven wird dadurch präziser.

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