Autogramm Audi S Q5 Die Testrakete

Mit dem S Q5 motzt Audi erstmals einen Geländewagen zur Sportversion auf. Damit nicht genug: Die hauseigenen Tuner von Quattro haben sich noch nie zuvor einen Dieselmotor vorgeknöpft. Das Ergebnis dieser Doppelpremiere überrascht gleich mehrfach.

Audi

Der erste Eindruck: Man fährt los und fragt sich, ob das wirklich ein Diesel ist. Die Maschine klingt sonor, und der Klang wird zusätzlich von einem Soundsystem im Auspuff verstärkt - vom üblichen Nageln ist nichts zu hören. Und an Kraft herrscht bei 313 PS und 650 Nm nun wirklich kein Mangel. Im Gegenteil, das erste S-Modell in der Q-Reihe ist eine echte Dampfmaschine.

Das sagt der Hersteller: Für Audi ist der S Q5 in doppelter Hinsicht eine Testrakete. Zum ersten Mal gibt es bei der Marke jetzt eine Sportversion eines SUV-Modells. Und ebenfalls zum ersten Mal nimmt sich die hauseigene Quattro GmbH eines Dieselmotors an. Wenn die Resonanz auf den Renner stimmt, soll es dabei nicht bleiben, sagen die Produktmanager. S- oder gar RS-Modelle von Q-Modellen seien dann ebenso denkbar wie extrasportliche Dieselmotoren für Limousinen oder Kombimodelle.

Das ist uns aufgefallen: Die ungeheure Power, die der Diesel entwickelt. Egal bei welchem Tempo und in welchem der acht Gänge man beschleunigt - sobald die Hochdruck-Direkteinspritzung und die beiden Turboladerschaufeln mehr Sprit und Sauerstoff in die sechs Zylinder drücken, reagiert der S Q5 mit einer explosiven Leistungsentfaltung. Selbst dann, wenn der Zweitonner bergauf gesteuert wird oder bereits mit 200 Sachen über die linke Spur pflügt. Bei Tempo 250 jedoch stoppt die Elektronik den weiteren Vorwärtsdrang. "Schneller fahren bei uns nur die RS-Modelle", sagt ein Audi-Entwickler und wirkt dabei ein wenig betrübt.

Für die Sportversion hat Audi den höher gelegten SUV wieder um drei Zentimeter abgesenkt. Das Fahrwerk ist stramm und lässt sich über den bekannten Drive-Select-Schalter in vier Stufen verstellen. Wer die Einstellung "Dynamic" wählt, wird zwar auf schlechten Strecken ordentlich durchgeschüttelt, aber man hat das Auto dabei gut in der Hand. Wechselt man in den Komfort-Modus, werden auch lange Strecken orthopädisch unbedenklich. Genau wie beim Fahrwerk haben es die Bayern beim Interieur nicht mit der Sportlichkeit übertrieben. Das dick aufgepolsterte Lenkrad sieht vielleicht albern aus, aber ansonsten ist der S Q5 eher Suite als Sportstudio.

Das muss man wissen: Der mit dem drei Liter großen V6-Motor aus dem A6 bestückte S Q5 kommt erst Anfang 2013 in den Handel und kostet dann 58.500 Euro. Für Ungeduldige gibt es zwei attraktive Alternativen: Bei Audi den Q5 3.0 TDI mit 245 PS für 49.500 Euro und bei BMW den X3 35d, der wie der S Q5 ebenfalls 313 PS leistet, aber 3500 Euro billiger ist.

Stilistisch wurde der Q5 für die Quattro-Variante nur dezent überarbeitet. Man erkennt sie an den alufarbenen Spiegelkappen und am doppelten Auspuffendrohr. Audi spendierte im Zuge der Premiere des Sportlers aber der gesamten Q5-Baureihe eine Modellpflege. Dass der Single-Frame-Kühlergrill etwas retuschiert und die Scheinwerfer neu gestaltet wurden, dürfte allerdings nur passionierten Ingolstädtern auffallen. Deutlicher zum Tragen kommen dagegen das Start-Stopp-System und eine elektrische Servolenkung. Zusammen mit dem Feinschliff an den zwei Benzin- und drei Dieselmotoren drückt das den Verbrauch um bis zu 15 Prozent - auf bestenfalls 5,3 Liter.

Das werden wir nicht vergessen: Wie sportlich der S Q5 ist und wie er es dabei trotzdem schafft, beim Verbrauch Maß zu halten. Allerdings geizt das Auto nicht nur mit dem Kraftstoff, sondern auch bei der Ausstattung. Die auf Knopfdruck automatisch öffnende Kofferraumklappe zum Beispiel gibt es nur gegen Aufpreis. Für das luxuriöse Top-Modell ist das ein Armutszeugnis.

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