Autogramm Ford Kuga: Größer, sparsamer, billiger

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Autogramm Ford Kuga: Der vollgepackte Weltenbummler Fotos
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Ford erwartet vom neuen Kuga eigentlich nur eines: dass er die Welt erobert. In 100 Ländern soll er an den Start gehen und die große Nachfrage nach massentauglichen SUV bedienen. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht, denn dieses Auto lässt sich gut treten - in zweierlei Hinsicht.

Der erste Eindruck: Wir kennen uns doch! Ein schmaler, vom Stoßfänger geteilter Kühlergrill, stark modellierte Flanken und ein weit nach vorne geneigtes Heck - beim Design wurde im Vergleich zum Vorgängermodell wenig geändert, deshalb wirkt der neue Kuga vertraut. Außerdem tingelt Ford damit schon seit gut einem Jahr über die Automessen.

Das sagt der Hersteller: Projektmanager Michael Nentwig ist mächtig stolz auf den neuen Kuga, weil dieser nach seiner Ansicht natürlich besser geraten ist als das bisherige Modell - vor allem aber, weil der Wagen jetzt die ganze Welt erobern soll. "Der Kuga ist nach dem Focus das zweite Modell mit wirklich globalem Einsatz", sagt Nentwig. In Deutschland entwickelt und für den europäischen Markt im spanischen Valencia gebaut, wird das Modell seit ein paar Monaten auch in den USA und in China produziert und künftig in 100 Ländern verkauft. Im Gegenzug für die Entwicklungsleistung erhält Ford in Europa demnächst andere Geländewagen aus anderen Regionen. Aus Brasilien beispielsweise Anfang 2014 den Mini-SUV Eco-Sport und aus den USA 2015 das größere Modell Edge.

Optisch macht das Auto auf Offroader, und in den meisten Varianten steckt auch ein Allradantrieb, doch Nentwig sieht den Kuga eher als Familienkutsche und übersetzt SUV gern statt Sport Utility Vehicle als Smart Utility Vehicle. Die Begründung: Der Kuga sei vollgestopft mit Komfort- und Assistenzsystemen, von der Verkehrszeichenerkennung bis zur Einparkautomatik.

Worüber Projektmanager Nentwig überhaupt nicht spricht, sind Eigenschaften, die normalerweise einen Geländewagen auszeichnen: etwa Wattiefe, Böschungswinkel oder Steigfähigkeit. Selbst der Allradantrieb kommt lediglich als Instrument der Fahrdynamik vor.

Das ist uns aufgefallen: Durch Matsch und Schlamm möchte man den Kuga eher nicht steuern - selbst wenn das wahrscheinlich geht. Um das Auto kennenzulernen eignet sich stattdessen eine eng gewundene Landstraße viel besser. Denn dort spielt der knackig abgestimmte und handliche Allradler seine Qualitäten aus: Wendig, agil und ambitioniert fegt er durch die Provinz und lässt den hohen Aufbau sowie die rund 1,7 Tonnen Gewicht beinahe vergessen. Und auf der Autobahn merkt man bei hohem Tempo, wie leise der Kuga insgesamt geworden ist - und wie präsent der Dieselmotor ist, wenn der Fahrtwind nur noch flüstert.

Einen sportlichen Eindruck hinterlässt auch das Design des Cockpits. Als Fahrer wird man im Kuga vom Armaturenbrett und der breit aufragenden Mittelkonsole förmlich eingerahmt, da kommt fast Rennwagenatmosphäre auf. Das ist einerseits gut, weil man so alles unter Kontrolle hat. Andererseits aber wirkt der Wagen dadurch enger, als er tatsächlich ist.

Eine etwas schlankere Mittelkonsole hätte übrigens den weiteren Vorteil, dass Ford mal intensiver über das Bedienkonzept nachdenken müsste - es gibt einfach viel zu viele Knöpfe. So drückt man sich fast Blasen an die Finger, bis irgendwann die gewünschte Anzeige auf dem kleinen und weit entfernten Monitor erscheint.

Das muss man wissen: Eineinhalb Jahre nach dem Messedebüt in Los Angeles 2011 kommt der Ford Kuga im März 2013 in den Handel. Trotz besserer Ausstattung beginnen die Preise bei 24.000 Euro und liegen damit 1000 Euro unter denen des Vorgängermodells. "Damit geben wir den Kostenvorteil durch die größeren Stückzahlen an die Kunden weiter", sagt Ford-Sprecher Hartwig Petersen. Außerdem wird der Kuga so einen Hauch billiger als der wichtigste Wettbewerber, der VW Tiguan.

Gut acht Zentimeter länger wurde das Auto und bietet nun spürbar mehr Platz. Im Fond haben Erwachsene ordentlich Platz, und der Kofferraum fasst 438 Liter - 28 Liter mehr als früher. Weil sich zudem die Neigung der Rücklehne verstellen lässt, kommt man schon bei voller Bestuhlung auf maximal 481 Liter.

Was die Kunden freuen wird: Der Kuga wird um bis zu 26 Prozent sparsamer. Das ist vor allem ein Verdienst des Ecoboost-Benziners, den es in einzelnen Varianten auch mit Start-Stopp-Automatik gibt. Der 1,6 Liter große Turbo-Direkteinspritzer wird mit 150 oder 182 PS angeboten und kommt im besten Fall mit 6,1 Litern aus. Daneben gibt es einen Diesel mit zwei Litern Hubraum, den Ford wahlweise mit 140 oder 163 PS anbietet. Die Verbrauchswerte liegen zwischen 5,3 und 6,2 Liter. Es könnte sogar noch weniger sein, wenn Ford nicht ausgerechnet beim Diesel auf die Start-Stopp-Automatik verzichten würde.

Das werden wir nicht vergessen: Den angedeuteten Fußtritt unter den hinteren Stoßfänger, mit dem man die elektrische Heckklappe automatisch aufschwingen lassen kann. Das gab es bislang nur bei Kombimodellen und zeugt von der neuen Positionierung des Kuga. Nicht Stock und Stein, sondern Kind und Kegel waren oberste Priorität bei der Entwicklung. Das Allrad-Symbol im Tacho, das exakt so aussieht wie jenes bei Land Rover, ändert daran nichts.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Wird Käufer finden
emantsol 19.12.2012
Läuft irgendwo ein Wettbewerb, wer den hässlichsten Hausfrauen-SUV der Welt baut? Dann ist Ford schon mal nicht schlecht dabei. Trotzdem wird die Kiste neben Tiguan und Co. ihre Käufer finden - die, die sich keinen Cayenne, Touareg, X5, etc. leisten können ...
2. Antiquiert?
miketh 19.12.2012
Zitat von sysop[...]der Handbremshebel wirkt in einem Auto, das als "Smart Utility Vehicle" vermarktet wird, etwas antiquiert
Seid doch froh, dass das Auto noch einen klassischen Handbremshebel hat, statt einem dieser schwachsinnigen Knöpfchen. Die kennen nur AN/AUS, lassen sich nicht dosieren, die voll angezogene Bremse friert im Winter gerne mal fest und wenn die Batterie leer ist, kriegt man das Auto nicht mal mehr aus der Parklücke geschoben, weil Strom zum Lösen notwendig ist. Die elektrische Handbremse ist ein Danaaergeschenk, man kann sie gerne optional anbieten, wie Ford beim Galaxy. Ansonsten kann man als versierter Autofahrer gerne drauf verzichten. Handbremse am Berg anfahren - lernt man in der Fahrschule ;)
3. Gute Presseberichtsumsetzung
kenterziege 19.12.2012
Zitat von sysopFord erwartet vom neuen Kuga eigentlich nur eins: dass er die Welt erobert. In mehr als 100 Ländern soll er an den Start gehen und die Nachfrage nach massentauglichen SUV bedienen. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht, denn dieses Auto lässt sich gut treten - in zweierlei Hinsicht. Der neue Ford Kuga - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/der-neue-ford-kuga-a-873550.html)
Es ist doch klasse, wie die vereinigten Presseabteilungen der Hersteller und Importeure den Weg in die Auto-Rubrik von SPON über einen einzigen Menschen geschafft haben. Wenn ich in 3 Wochen in meinem Anzeigenblättchen über den Kugar lese, ist wenigstens eine satte Anzeige von unserem örtlichen Ford-Händler darunter.
4. Handbremse
Hyperboraeer 19.12.2012
Was bitte wirkt an einem Handbremshebel oder gar einer mechanischen Handbremse antiquiert? Dass sie mechanisch funktioniert und nicht so -vermeintlich- chic und modern wie eine elektrische Parkbremse EPB? Was soll dieses dummerhafte Nachgeplapper der von KFZ-Herstellern und -Zulieferern gestreuten Marketingbehauptungen, um keinen deutlicheren Begriff zu nutzen? Die ggf. für viele autofahrenden Zeitgenossen (m/w) hilfreichen Funktionen wie z.B. Auto-Hold (also die Rückrollsperre beim Anfahren am Berg) kann man sehr einfach auch ohne EPB darstellen, dazu reichen die ohnehin vorhandenen ABS- oder ESP-Systeme bereits aus - und siehe: Es wird von einigen Herstellern tatsächlich auch so gemacht. Vermeintliche andere, konstruierte Situationen wie die Notfall-Bremsfunktion für den Beifahrer (im Falle eines Schwächeanfalls des Fahrers etc.) sind mit einer konventionellen Handbremse, sofern sie sich auf dem Mitteltunnel befindet, ebensogut bzw. sogar noch besser beherrschbar, weil mit einer konventionellen Handbremse sogar eine stufenlose Bremskraftvariation möglich ist, die EBP kennt nur fest und gelöst. Wenn man den EPB-Schalter zudem fahrerseitig positioniert, wie das MB in der neuen A-Klasse getan hat, in alter Gewohnheit der Positionierung des Lösehebels für die MB-typische Fußfeststellbremse, dann dürfte sich auch dieser vermeintliche Vorteil in den Dunst von Marketingblabla auflösen. Dass eine EPB zudem im allg. nicht gelöst werden kann (Varianten mit Notentriegelung ausgenommen), wenn die Batterie platt ist (was beim Auto bekanntlich nie vorkommt), dann mal außen vor. Versuchen Sie dann mal einen per EBP festgesetzten Wagen, vorwärts in eine enge Garage geparkt, aus dieser herauszuzerren. Aber gut, die Vertragswerkstätten und den ADAC wird´s freuen: Ein neuer Punkt auf der Agenda von teuren Reparaturkosten und vermeidbaren Pannenfällen, von der Industrie so gewünscht, vom nicht sehr fachkundigen Käufer gutgeheißen (sieht besser aus, moderner, schafft Platz in der Mittelkonsole) und zumal: Alternativlos! Denn dem Kunden, der sowas eben nicht will, bleibt dennoch keine Wahl: Er muss es kaufen, weil es das ganze eben nicht optional gibt. Spannenderweise gibt´s den aktuellen Golf VII mit EPB, den Bruder Seat Leon aber nicht. Was sagt uns das? Dass der Golf VII besser ist? Sicherlich nicht!
5. Interieur
erfuhrford 19.12.2012
Noch fahre ich einen '08er Focus Ghia (quasi Titanium). Aber das unsägliche Design der Mittelkonsole in den neuen Baureihen wird mich wohl davon abhalten, mir einen aktuellen Ford zu organisieren. Mich erinnern diese hervorstehenden Knöpfe an meinen alten Walkman.. Interessanterweise haben die niedrigeren Austattungsstufen eine angenehmere Optik und Haptik (Fiesta, B-Max, C-Max, Focus, Kuga). Sehr schade, denn z.B. der B-Max wär sicherlich ein interessantes Auto für meinen Wohnort Hamburg. Mal schauen, wie der neue Mondeo von innen aussehen wird. Und der S-Max wäre auch noch eine Alternative. Aber mit den beiden wirds mit dem Parken hier eng.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Kuga
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 163 PS (120 kW)
Drehmoment: 340 Nm
Von 0 auf 100: 9,9 s
Höchstgeschw.: 198 km/h
Verbrauch (ECE): 5,9 Liter
CO2-Ausstoß: 154 g/km
Kofferraum: 481 Liter
umgebaut: 1.653 Liter
Gewicht: 1.692 kg
Maße: 4524 / 1838 / 1702
Versicherung: 18 (HP) / 23 (TK) / 22 (VK)
Preis: 29.500 EUR


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