Autogramm Seat Toledo: Wieder in Form

Von Tom Grünweg

Autogramm Seat Toledo: Adios Extravaganz Fotos
Seat

Der Seat Toledo hat seine Experimentierphase hinter sich. Das ist gut so, denn das exotische Design der vorherigen Baureihe war zu abgedreht. Als bodenständiger Stufenheck-Normalo macht der Spanier wieder eine gute Figur - und hat trotzdem einige Überraschungen zu bieten.

Der erste Eindruck: Na also, es geht doch noch. Während Seat mit dem letzten Mittelklassemodell Toledo im Kuriositätenkabinett der Karosserien einen Ehrenplatz belegte, sieht die vierte Auflage wieder richtig gut aus. Das Auto ist eine handliche, übersichtliche Limousine - klar und schnörkellos, nicht extravagant und auch nicht spießig. So muss ein Stufenheck aussehen, wenn es für möglichst viele Autofahrertypen attraktiv sein soll.

Auch das Platzangebot beeindruckt. Der 4,48 Meter lange Toledo ist beispielsweise um 18 Zentimeter kürzer als die neue Stufenheck-Variante des Opel Astra, doch innen ist der Spanier dem Konkurrenten spürbar überlegen. Im Fond finden zwei Erwachsene bequem Platz, und der Kofferraum hat beinahe Oberklasse-Format. 550 Liter schluckt das Ladeabteil im Normalfall, maximal fasst es sogar 1490 Liter. Besonders praktisch: Die Kofferraum-Klappe reicht nicht nur bis zur Heckscheibe, sondern bis hinein ins Dach. So entsteht eine Ladeluke, die größer ist als bei jedem Kombi.

Das sagt der Hersteller: Seat besinnt sich mit dem neuen Toledo auf alte Tugenden, blendet die Experimente mit der Generation drei aus und spricht nur vom Erfolg der beiden ersten Auflagen. Von denen wurden zwischen 1991 und 2004 insgesamt 860.000 Exemplare verkauft. "Dieses Auto wird die Erfolgsgeschichte des Toledo fortschreiben", sagt Seat-Chef James Muir. "Tolles Design, hoher Nutzwert, dynamischer Fahrspaß und beste Effizienz - so stellen wir uns die perfekte Limousine vor." Was Muir dagegen nicht so gern sagt: Dieser Toledo ist keine spanische Erfindung, sondern wird zumindest zur Hälfte von Skoda verantwortet. Denn dort läuft das gleiche Fahrzeug mit ein paar Designretuschen unter dem Namen Rapid vom Band.

Das ist uns aufgefallen: Wie viel Platz die von außen vergleichsweise kleine Limousine bietet. Nicht nur die Raumverhältnisse sind besser als bei diesem Format erwartet, auch Fahrkomfort und Straßenlage erinnern an Autos, die einen halben Meter länger und viele tausend Euro teurer sind. Selbst mit einem ziemlich mageren 1,2-Liter-Benziner mit 85 PS und 160 Nm wirkt der Wagen harmonisch und keinesfalls untermotorisiert. Man schwimmt locker im Verkehr mit, schafft bei Bedarf knapp mehr als 180 Sachen und wundert sich, wie leise und entspannt man über Landstraßen oder Autobahnen gondelt. Wenn man den Turbo nicht über Gebühr orgeln lässt (was den Verbrauch gleich um zwei oder drei Liter nach oben treibt), ist vom Motor kaum etwas zu hören. Und die Fahrwerksabstimmung ist ähnlich gelungen wie die eines VW Passat.

Auf den zweiten Blick offenbart der Toledo einige Schwächen. Assistenzsysteme wie etwa Notbremshilfe und Spurhalteassistent sind nicht mal als Extras verfügbar. Auch ein fest installiertes Navigationssystem sucht man vergebens. Und das Interieur wirkt ein bisschen schlicht, weil sich unter der feinen Narbung so manches Stück Hartplastik verbirgt und Chromschmuck oder Hochglanzoberflächen nur sehr sparsam eingesetzt wurden.

Das muss man wissen: Zunächst gibt es den neuen Toledo nur für Spanier und Portugiesen, zu uns kommt der Wagen erst im Frühjahr 2013. Deshalb tut sich Seat bei der Preisfindung noch schwer und belässt es bei einer groben Schätzung: Rund 14.000 Euro, so hört man aus der Zentrale, soll das Basismodell kosten.

Neben dem von uns gefahrenen 1,2-Liter-Turbobenziner mit 85 PS gibt es noch drei weitere Ottomotoren mit 75, 105 oder 122 PS. Mit dem stärksten Antrieb sind dann immerhin 206 km/h möglich. Außerdem planen die Spanier zwei Dieselmotorisierungen mit 90 und 105 PS. Wer sich die Sparversion Ecomotive mit Start-Stopp-Automatik bestellt, fährt ein Auto mit einem Normverbrauch von 3,9 Liter je 100 Kilometer. Ein voller Tank reicht dann für mehr als 1400 Kilometer und macht den Toledo vollends zur Langstrecken-Limousine.

Das werden wir nicht vergessen: Wie erholsam eine gefällige, schlichte Limousine in Zeiten von Cross-Over-Designs und Charakter-auf-Knopfdruck-Fahrprogrammen sein kann. Und zwar für Geschmack und Gemüt. Keine Extravaganzen bei der Karosserie, kein Firlefanz beim Fahren. So einfach kann man ein gutes Auto bauen.

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Logik?
el-gato-lopez 11.09.2012
---Zitat--- Auf den zweiten Blick offenbart der Toledo einige Schwächen. Assistenzsysteme wie etwa Notbremshilfe und Spurhalteassistent sind nicht mal als Extras verfügbar. ---Zitatende--- Das ist doch schon ein arg gesuchter Kritikpunkt. Es stellt sich doch eher die Frage, ob derlei Blinkiblinki-Gadgets überhaupt in einen Wagen der unteren Mittelklasse gehören, bzw. ob sowas überhaupt von Kunden in diesem Segment nachgefragt wird. Aber naja, Logik und deutscher Autojournalismus sind eh kein Traumpaar. Dass man sich in Autoblöd und Co z.B. nicht noch darüber beschwert, im neuen Dacia keinen Champagnerkühler vorzufinden, ist fast schon ein Wunder...
2. Prof. Dr. rer. nat. phil.
KobiDror 11.09.2012
---Zitat--- *Das werden wir nicht vergessen:* Wie erholsam eine gefällige, schlichte Limousine in Zeiten von Cross-Over-Designs und Charakter-Auf-Knopfdruck-Fahrprogrammen sein kann. Und zwar für Geschmack und Gemüt. Keine Extravaganzen bei der Karosserie, kein Firlefanz beim Fahren. So einfach kann man ein gutes Auto bauen. ---Zitatende--- Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Ich möchte nicht bestreiten, dass es Assistenzsysteme gibt, die einem das Autofahren *angenehmer* machen. Fahren muss man aber immer noch selbst und da stören viele der Assistenten eher. Und leichter macht das Fahren lediglich ein Tempomat, wenn man auf der Autobahn lange konstant fahren möchte. Der nächste Schritt ist der Autopilot, aber der kommt ja aus rechtlichen Gründen nicht... Sonst tut es auch ein Dacia oder noch mehr Hardcore: Lada :-) P.S.: Ich selbst fahre Peugeot in der Vollausstattung, aber nur, weil er so auf dem Hof stand.
3. Assistenzsysteme...
MarkInTosh 11.09.2012
Die ganzen elektronischen Helferlein machen die Fahrzeuge nur teurer und verdummen den/die Fahrer/in. Wie konnte die Menschheit "in früheren Zeiten" nur ohne Einparkassistenten, Tote-Winkel.-Assistenten, automatische Notbremse usw. auskommen...?
4. Zum
MarkInTosh 11.09.2012
Bilder gesehen und das Fahrzeug schon wieder vergessen. Wenn 007 mal wieder ein unsichtbares Auto braucht: hier wäre er richtig. Langweiliger geht nur noch mit dem Namen "Golf" auf der Heckklappe.
5.
Greyjoy 11.09.2012
Zitat von el-gato-lopezDas ist doch schon ein arg gesuchter Kritikpunkt. Es stellt sich doch eher die Frage, ob derlei Blinkiblinki-Gadgets überhaupt in einen Wagen der unteren Mittelklasse gehören, bzw. ob sowas überhaupt von Kunden in diesem Segment nachgefragt wird...
Richtig, wer zusätzliche Ausstattungen will der kann immer noch bei VW selbst zugreifen. Die Zielgruppe kauft eben nicht ohne Grund bei Seat.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Seat
Typ: Toledo 1.2 TSI
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benzin-Direkteinspritzer
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.197 ccm
Leistung: 85 PS (63 kW)
Drehmoment: 160 Nm
Von 0 auf 100: 11,8 s
Höchstgeschw.: 183 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 119 g/km
Kofferraum: 550 Liter
umgebaut: 1.490 Liter
Gewicht: 1.161 kg
Maße: 4482 / 1706 / 1461
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