Der erste Eindruck: Na also, es geht doch noch. Während Seat mit dem letzten Mittelklassemodell Toledo im Kuriositätenkabinett der Karosserien einen Ehrenplatz belegte, sieht die vierte Auflage wieder richtig gut aus. Das Auto ist eine handliche, übersichtliche Limousine - klar und schnörkellos, nicht extravagant und auch nicht spießig. So muss ein Stufenheck aussehen, wenn es für möglichst viele Autofahrertypen attraktiv sein soll.
Auch das Platzangebot beeindruckt. Der 4,48 Meter lange Toledo ist beispielsweise um 18 Zentimeter kürzer als die neue Stufenheck-Variante des Opel Astra, doch innen ist der Spanier dem Konkurrenten spürbar überlegen. Im Fond finden zwei Erwachsene bequem Platz, und der Kofferraum hat beinahe Oberklasse-Format. 550 Liter schluckt das Ladeabteil im Normalfall, maximal fasst es sogar 1490 Liter. Besonders praktisch: Die Kofferraum-Klappe reicht nicht nur bis zur Heckscheibe, sondern bis hinein ins Dach. So entsteht eine Ladeluke, die größer ist als bei jedem Kombi.
Das sagt der Hersteller: Seat besinnt sich mit dem neuen Toledo auf alte Tugenden, blendet die Experimente mit der Generation drei aus und spricht nur vom Erfolg der beiden ersten Auflagen. Von denen wurden zwischen 1991 und 2004 insgesamt 860.000 Exemplare verkauft. "Dieses Auto wird die Erfolgsgeschichte des Toledo fortschreiben", sagt Seat-Chef James Muir. "Tolles Design, hoher Nutzwert, dynamischer Fahrspaß und beste Effizienz - so stellen wir uns die perfekte Limousine vor." Was Muir dagegen nicht so gern sagt: Dieser Toledo ist keine spanische Erfindung, sondern wird zumindest zur Hälfte von Skoda verantwortet. Denn dort läuft das gleiche Fahrzeug mit ein paar Designretuschen unter dem Namen Rapid vom Band.
Das ist uns aufgefallen: Wie viel Platz die von außen vergleichsweise kleine Limousine bietet. Nicht nur die Raumverhältnisse sind besser als bei diesem Format erwartet, auch Fahrkomfort und Straßenlage erinnern an Autos, die einen halben Meter länger und viele tausend Euro teurer sind. Selbst mit einem ziemlich mageren 1,2-Liter-Benziner mit 85 PS und 160 Nm wirkt der Wagen harmonisch und keinesfalls untermotorisiert. Man schwimmt locker im Verkehr mit, schafft bei Bedarf knapp mehr als 180 Sachen und wundert sich, wie leise und entspannt man über Landstraßen oder Autobahnen gondelt. Wenn man den Turbo nicht über Gebühr orgeln lässt (was den Verbrauch gleich um zwei oder drei Liter nach oben treibt), ist vom Motor kaum etwas zu hören. Und die Fahrwerksabstimmung ist ähnlich gelungen wie die eines VW Passat.
Auf den zweiten Blick offenbart der Toledo einige Schwächen. Assistenzsysteme wie etwa Notbremshilfe und Spurhalteassistent sind nicht mal als Extras verfügbar. Auch ein fest installiertes Navigationssystem sucht man vergebens. Und das Interieur wirkt ein bisschen schlicht, weil sich unter der feinen Narbung so manches Stück Hartplastik verbirgt und Chromschmuck oder Hochglanzoberflächen nur sehr sparsam eingesetzt wurden.
Das muss man wissen: Zunächst gibt es den neuen Toledo nur für Spanier und Portugiesen, zu uns kommt der Wagen erst im Frühjahr 2013. Deshalb tut sich Seat bei der Preisfindung noch schwer und belässt es bei einer groben Schätzung: Rund 14.000 Euro, so hört man aus der Zentrale, soll das Basismodell kosten.
Neben dem von uns gefahrenen 1,2-Liter-Turbobenziner mit 85 PS gibt es noch drei weitere Ottomotoren mit 75, 105 oder 122 PS. Mit dem stärksten Antrieb sind dann immerhin 206 km/h möglich. Außerdem planen die Spanier zwei Dieselmotorisierungen mit 90 und 105 PS. Wer sich die Sparversion Ecomotive mit Start-Stopp-Automatik bestellt, fährt ein Auto mit einem Normverbrauch von 3,9 Liter je 100 Kilometer. Ein voller Tank reicht dann für mehr als 1400 Kilometer und macht den Toledo vollends zur Langstrecken-Limousine.
Das werden wir nicht vergessen: Wie erholsam eine gefällige, schlichte Limousine in Zeiten von Cross-Over-Designs und Charakter-auf-Knopfdruck-Fahrprogrammen sein kann. Und zwar für Geschmack und Gemüt. Keine Extravaganzen bei der Karosserie, kein Firlefanz beim Fahren. So einfach kann man ein gutes Auto bauen.
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