Der persönliche Jahresrückblick: No Frills, bitte!

Zum Jahresende ziehen die Auto-Leute von SPIEGEL ONLINE eine ganz persönliche Bilanz. Im zweiten Teil lobt Jürgen Pander den Lada als eines der letzten puristischen Autos und beklagt das phantasielose Autodesign des aktuellen Autojahrgangs.

Lada Niva: Fahren in seiner ursprünglichen Form Zur Großansicht
Jürgen Pander

Lada Niva: Fahren in seiner ursprünglichen Form

Der Schlüssel muss noch ins Zündschloss gesteckt und gedreht werden, das Getriebe hakelt ein wenig und was Motor und Fahrwerk gerade veranstalten, bekommt man haptisch und akustisch bestens mit - Autofahren wie vor 30 oder 40 Jahren. Das lässt sich heute noch in Neuwagen erleben, etwa jenen der russischen Marke Lada. Nach ausführlichen Begegnungen mit diesen Fabrikaten in den zurückliegenden Monaten muss ich sagen: Ein Lada ist gewiss kein großartiges Ding, doch die Essenz des Autofahrens - in Bewegung sein, ein Gefühl von Freiheit erfahren, ankommen - bietet er so direkt und ungefiltert wie kaum ein anderes Modell.

Fast alle Hersteller preschen auf dem Hightech-Highway dahin und verpassen immer wieder die Ausfahrt, die auf den Marktplatz der bescheidenen, leichten, robusten, einfachen, charakterstarken und vor allem billigen Fahrzeuge führt. Es gibt nämlich Autofahrer, die wollen, wenn sie am Steuer sitzen, keine Facebook-Bekanntschaften suchen; die wollen sich nicht von einem Steuergerät in die Parklücke rangieren lassen und die wollen auch nicht mit dem Fuß unter dem Heck schwingen, um die Kofferraumklappe zu öffnen.

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Lada könnte in dieser Hinsicht ein Vorbild sein. Mit Highend-Elektronik vollgestopfte Autos gibt es schon mehr als genug. Was fehlt, sind praktische und billige Stadtautos, clevere und robuste Familienwagen, leichte und kompakte Sportmodelle. Die kann Lada unmöglich alle alleine bauen.

Verzagte Designer

Wann haben Sie zuletzt ein neues Auto gesehen, das sie begeistert hat? Im jetzt ablaufenden Jahr jedenfalls kann das nicht gewesen sein. Das Design steckt im Stau. Der Audi Q3 ist kein Deut origineller als die Typen Q7 oder Q5, nur etwas kleiner. Der neue BMW 3er sieht aus wie der Gewinner eines Ähnlichkeitswettbewerbs mit dem Vorgängermodell - oder ein zu heiß gewaschener 5er. Die neue Mercedes B-Klasse wirkt auf den ersten Blick, als habe man der alten eine Falte in die Flanke gebügelt. Und falls mir jemand das optisch Neue am neuen Porsche 911 erklären könnte, wäre ich sehr dankbar.

Warum ist das so? Weshalb herrscht in den Designabteilungen ganz offensichtlich Verzagtheit? War die Stimmung vor drei, vier Jahren, als die oben genannten Autos auf den Zeichenbrettern und in den Computern allmählich in Form kamen, derart trost- und mutlos? Kein Geistesblitz, nirgends?

Vielleicht warten derzeit wirklich alle auf die vielfach herbeizitierte "Revolution" durch den Elektroantrieb. Ein Seitenblick auf jene Modelle, die bereits mit Hybrid- oder Elektro-Systemen herumfahren, zeigt allerdings, dass man darauf nicht hoffen sollte. Vielleicht brauchen wir einfach nur Geduld. Ein paar Studien dieses Jahres sahen ja ganz viel versprechend aus; in zwei oder drei Jahren werden wir wissen, was aus ihnen geworden ist.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. ...
bambata 26.12.2011
Zitat von sysopZum Jahresende ziehen die Auto-Leute von SPIEGEL ONLINE eine ganz persönliche Bilanz. Im zweiten Teil lobt Jürgen Pander den Lada als eines der letzten puristischen Autos und beklagt das phantasielose Autodesign des aktuellen Autojahrgangs. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,804240,00.html
Beim 911er ist Design-Konstanz Programm - zum Glück (vom Ausrutscher mit den Spiegeleiern mal abgesehen). Bei den anderen deutschen erwähnten "Premium"-Marken gebe ich Ihnen recht: Einheitsbrei.
2.
hans_olo_ 26.12.2011
Zitat von sysopZum Jahresende ziehen die Auto-Leute von SPIEGEL ONLINE eine ganz persönliche Bilanz. Im zweiten Teil lobt Jürgen Pander den Lada als eines der letzten puristischen Autos und beklagt das phantasielose Autodesign des aktuellen Autojahrgangs. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,804240,00.html
man kann ihnen ja partiell Recht geben, aber bitte behalten Sie im Hinterkopf, dass es keineswegs die Mutlosigkeit der Designer ist, die dazu führt, sondern die enormen Absatzzahlen der deutschen Hersteller und der konservative Pragmatismus der Vorstände. Diese Herren entscheiden über das Design und die Richtung, nicht etwa das Studio. Und wenn Kontinuität dem Käufer so gefällt und gewagtere Entwürfe (auch gerne hier) als Hirngespinnste zerissen werden, dann kann man diese Haltung als pragmatischer Mensch nachvollziehen... Ich würde persönlich würde mir Mut wünschen, weiß aber auch aus persönlicher Erfahrung, wie ein Design so entsteht, was der Kunde am Ende als gelungen wahrnimmt UND schlussendlich kauft. In diesem Sinne auf ein attraktives nächstes Jahr.
3.
truereader 26.12.2011
Dei deutschen Autohersteller sind Zulassungsweltmeister. Jedoch entfallen die meisten Prozent auf Flottenzulassungen und das Leasinggeschäft. Auch sind viele Autos auf die Konzerne selbst wieder zugelassen, um ein Jahr später als Jahreswagen verkauft zu werden. Traue nur einer Statistik, die du selbst gefälscht hast.
4. Einheitsbrei-Design ist wirklich schade
fortion 26.12.2011
Zitat von sysopZum Jahresende ziehen die Auto-Leute von SPIEGEL ONLINE eine ganz persönliche Bilanz. Im zweiten Teil lobt Jürgen Pander den Lada als eines der letzten puristischen Autos und beklagt das phantasielose Autodesign des aktuellen Autojahrgangs. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,804240,00.html
Mein Cabrio war eines der letzten vor dem "Facelift" und ich bin heilfroh, daß ich dieses noch bekommen habe. Im Gegensatz zum heurigen Nachfolger mit dem Konzerneinheitsgesicht zeugt es noch von eigenwilligem, eigenständigem Design und einer zeitlos schönen Formensprache.
5. gestern noch...
Martin B 26.12.2011
...unterhielt ich mich im kreise der Familie (weihnachten!) darüber, dass es kaum noch möglich ist ein auto zu finden, dass einfach nur fährt ... schliesslich und endlich steht ein auto bei 30'000 km/jahr durchschnittlich 23 stunden nur rum... da legt also einer freiwillig 28... 42 K€ auf die Strasse... für 1 stunde "vergnügen" täglich... erinnert sich noch jemand an die zeit, als man eine Glühbirne an einem auto selber wechseln konnte, geschweige denn einen widerspenstigen Anlasser mit einem Hammerschlag wieder zum laufen bringen konnte? wenn das "ding" heute mal auf der Autobahn stehen bleibt muss dann gleich eine ganze Armee von Chirurgen, Ingenieuren, Technikern kommen, die das "ding" meist auch nur abschleppen könne, da es ja an einen computer angeschlossen werden muss, damit man überhaupt herausfindet, woran das gute stück denn nun krankt nein - offensichtlich wird da viel quatsch getrieben, der natürlich auch bezahlt werden will... wozu der ganze spökes, will man doch schliesslich und endlich nur von A nach B
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