Von Tom Grünweg
Der erste Eindruck: In England werden sie das wohl nicht gerne sehen - Ford hat dem Fiesta eine neue Frontschürze verpasst, die stark nach Aston Martin aussieht.
Das sagt der Hersteller: Ford feiert den Fiesta als Kleinwagen-Trendsetter. Debüt feierte die Baureihe vor 36 Jahren, seither wurden mehr als 15 Millionen Autos gebaut. Schon damals, sagt Baureihenchef Glen Goold, sei ein geringer Kraftstoffverbrauch das bestimmende Thema gewesen.
Daran habe sich nichts geändert. Goold verweist auf die CO2-Tabelle: Sieben von zehn Motorvarianten bleiben dort unter dem Wert von 100 Gramm CO2 je Kilometer. Das muss Ford erst mal einer nachmachen: Beim Opel Corsa erreicht nur eine Motorvariante einen zweistelligen CO2-Ausstoß, und beim VW Polo sind es lediglich zwei Motorisierungen, die diese Hürde knacken.
Das ist uns aufgefallen: Dass man von der Modellpflege innen so gar nichts merkt. Das Lenkrad und vor allem die Mittelkonsole sind noch immer völlig überladen. Wer nicht die Sprachbedienung mit dem neuen Sync-System nutzen möchte, steht im Krieg der Knöpfe bei der Bedienung von Radio und Klimaanlage durchaus vor Herausforderungen. Ein bisschen weniger wäre in diesem Fall viel mehr gewesen.
Umgekehrt ist es bei den Getrieben. Zwar feiert jetzt auch im Fiesta eine Doppelkupplungsautomatik Premiere, aber die Schaltgetriebe müssen weiterhin ohne sechsten Gang auskommen. Vor allem bei Autobahnfahrten ist das nervig, weil der Fiesta bei hohem Tempo und hohen Drehzahlen laut zu dröhnen beginnt.
Sonst ist der Kleine ein klasse Auto, das auf langen Strecken überraschend erwachsen wirkt, sich in der Stadt trotzdem handlich fahren lässt und auf der Landstraße durchaus Fahrspaß vermitteln kann. Vor allem mit dem Dreizylinder-Ecoboost-Motor, der schon aus den Modellen B-Max und Focus bekannt ist, nimmt man lieber einen kurvigen Umweg als den direkten. Dann spürt man auch die neue Lenkung, die jetzt direkter abgestimmt ist und sich nicht mehr so synthetisch anfühlt.
Das muss man wissen: Der überarbeitete Fiesta wird noch im Dezember ausgeliefert. Es gibt den Kleinwagen mit insgesamt zehn Motorvarianten von 60 bis 125 PS, zu denen auch eine Flüssiggas-Version zählt. Neu sind ein 1,5-Liter großer Diesel mit 75 PS und die Dreizylinder-Benziner. Die sind verfügbar als Turbovarianten mit 100 oder 125 PS und neuerdings auch als Saugmotoren mit 65 oder 80 PS.
Sparsamster Fiesta ist der 95 PS starke Econetic, der mit 3,3 Litern Diesel auskommt. Und der schnellste ist der getestete 125-PS-Ecoboost-Benziner mit einer Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h. Zumindest bis zum Frühjahr, denn dann soll die kleine Krawallschachtel Fiesta ST mit 182 PS unter der Haube ein Comeback erleben.
Interessant und angenehm überraschend ist die Preispolitik der Kölner. Nach einer Analyse der Bundesbank ist der Fiesta eines der ganz wenigen Autos in Deutschland, das seit seiner Premiere 1976 inflationsbereinigt nicht teurer geworden ist. Und diesmal zieht Ford sogar gleich ein paar Hunderter vom Neupreis ab - mit einem Grundpreis von 10.950 Euro kostet der neue Fiesta rund 800 Euro weniger als der alte.
Trotzdem ist nach oben reichlich Luft: Für den 125-PS-Benziner zahlt man mindestens 17.570 Euro und mit ein paar Extras wie zum Beispiel der neuen City-Notbremsfunktion (350 Euro), einem Navigationssystem (ab 1630 Euro) oder Lederpolstern (ab 740 Euro) ist man schnell bei mehr als 20.000 Euro.
Das werden wir nicht vergessen: Die Sorge, den falschen Schlüssel zu erwischen. Denn mit dem Fiesta bringt Ford das in den USA schon länger bekannte System "MyKey" nach Europa. Das ist ein unauffälliger Zweitschlüssel, zum Beispiel für den unerfahrenen Nachwuchs, mit dem verantwortungsvolle Eltern das Höchsttempo auf 160 oder sogar 140 km/h beschränken, die Deaktivierung des ESP blockieren und die Lautstärke des Radios limitieren können.
Außerdem fängt der Gurtwarner nicht nur an zu piepen, sondern legt auch die Musikanlage so lange still, bis die Passagiere angeschnallt sind. Mit diesen einfachen Tricks will Ford die wesentlichen Unfallursachen von Fahranfängern bekämpfen. Und falls Papi aus Versehen den falschen Schlüssel erwischt, kann er sich mal wieder fühlen, als wäre er noch 18 - allerdings im Jahr 2012.
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