Autogramm Ford Fiesta: Ford fährt schon mal vor

Von

Autogramm Ford Fiesta: Der Maulheld Fotos
Ford

Alle Hersteller reden von Verbrauchssenkungen, Ford spart schon mal los. Der runderneuerte Kleinwagen Fiesta sieht von außen fast aus wie der alte, aber er trumpft mit der sparsamsten Motorenpalette seiner Klasse auf - und einem cleveren Feature zum Schutz von Fahranfängern.

Der erste Eindruck: In England werden sie das wohl nicht gerne sehen - Ford hat dem Fiesta eine neue Frontschürze verpasst, die stark nach Aston Martin aussieht.

Das sagt der Hersteller: Ford feiert den Fiesta als Kleinwagen-Trendsetter. Debüt feierte die Baureihe vor 36 Jahren, seither wurden mehr als 15 Millionen Autos gebaut. Schon damals, sagt Baureihenchef Glen Goold, sei ein geringer Kraftstoffverbrauch das bestimmende Thema gewesen.

Daran habe sich nichts geändert. Goold verweist auf die CO2-Tabelle: Sieben von zehn Motorvarianten bleiben dort unter dem Wert von 100 Gramm CO2 je Kilometer. Das muss Ford erst mal einer nachmachen: Beim Opel Corsa erreicht nur eine Motorvariante einen zweistelligen CO2-Ausstoß, und beim VW Polo sind es lediglich zwei Motorisierungen, die diese Hürde knacken.

Das ist uns aufgefallen: Dass man von der Modellpflege innen so gar nichts merkt. Das Lenkrad und vor allem die Mittelkonsole sind noch immer völlig überladen. Wer nicht die Sprachbedienung mit dem neuen Sync-System nutzen möchte, steht im Krieg der Knöpfe bei der Bedienung von Radio und Klimaanlage durchaus vor Herausforderungen. Ein bisschen weniger wäre in diesem Fall viel mehr gewesen.

Umgekehrt ist es bei den Getrieben. Zwar feiert jetzt auch im Fiesta eine Doppelkupplungsautomatik Premiere, aber die Schaltgetriebe müssen weiterhin ohne sechsten Gang auskommen. Vor allem bei Autobahnfahrten ist das nervig, weil der Fiesta bei hohem Tempo und hohen Drehzahlen laut zu dröhnen beginnt.

Sonst ist der Kleine ein klasse Auto, das auf langen Strecken überraschend erwachsen wirkt, sich in der Stadt trotzdem handlich fahren lässt und auf der Landstraße durchaus Fahrspaß vermitteln kann. Vor allem mit dem Dreizylinder-Ecoboost-Motor, der schon aus den Modellen B-Max und Focus bekannt ist, nimmt man lieber einen kurvigen Umweg als den direkten. Dann spürt man auch die neue Lenkung, die jetzt direkter abgestimmt ist und sich nicht mehr so synthetisch anfühlt.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Fiesta wird noch im Dezember ausgeliefert. Es gibt den Kleinwagen mit insgesamt zehn Motorvarianten von 60 bis 125 PS, zu denen auch eine Flüssiggas-Version zählt. Neu sind ein 1,5-Liter großer Diesel mit 75 PS und die Dreizylinder-Benziner. Die sind verfügbar als Turbovarianten mit 100 oder 125 PS und neuerdings auch als Saugmotoren mit 65 oder 80 PS.

Sparsamster Fiesta ist der 95 PS starke Econetic, der mit 3,3 Litern Diesel auskommt. Und der schnellste ist der getestete 125-PS-Ecoboost-Benziner mit einer Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h. Zumindest bis zum Frühjahr, denn dann soll die kleine Krawallschachtel Fiesta ST mit 182 PS unter der Haube ein Comeback erleben.

Interessant und angenehm überraschend ist die Preispolitik der Kölner. Nach einer Analyse der Bundesbank ist der Fiesta eines der ganz wenigen Autos in Deutschland, das seit seiner Premiere 1976 inflationsbereinigt nicht teurer geworden ist. Und diesmal zieht Ford sogar gleich ein paar Hunderter vom Neupreis ab - mit einem Grundpreis von 10.950 Euro kostet der neue Fiesta rund 800 Euro weniger als der alte.

Trotzdem ist nach oben reichlich Luft: Für den 125-PS-Benziner zahlt man mindestens 17.570 Euro und mit ein paar Extras wie zum Beispiel der neuen City-Notbremsfunktion (350 Euro), einem Navigationssystem (ab 1630 Euro) oder Lederpolstern (ab 740 Euro) ist man schnell bei mehr als 20.000 Euro.

Das werden wir nicht vergessen: Die Sorge, den falschen Schlüssel zu erwischen. Denn mit dem Fiesta bringt Ford das in den USA schon länger bekannte System "MyKey" nach Europa. Das ist ein unauffälliger Zweitschlüssel, zum Beispiel für den unerfahrenen Nachwuchs, mit dem verantwortungsvolle Eltern das Höchsttempo auf 160 oder sogar 140 km/h beschränken, die Deaktivierung des ESP blockieren und die Lautstärke des Radios limitieren können.

Außerdem fängt der Gurtwarner nicht nur an zu piepen, sondern legt auch die Musikanlage so lange still, bis die Passagiere angeschnallt sind. Mit diesen einfachen Tricks will Ford die wesentlichen Unfallursachen von Fahranfängern bekämpfen. Und falls Papi aus Versehen den falschen Schlüssel erwischt, kann er sich mal wieder fühlen, als wäre er noch 18 - allerdings im Jahr 2012.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Naja...
intermezzo 20.11.2012
ich muss sagen ich bin da fast froh noch den 2010er bekommen zu haben. Das neue Facelift gefällt mir eher nicht so besonders gut. Die Formgebung, insbesondere der Scheinwerfer, ist mir nicht mehr über die ganze Karosserie stimmig. Deswegen bin ich auch nicht unbedingt ein Freund dieser Art der Modellpflege, weil es meistens einen Grund hat warum der Vorgänger so gestaltet wurde wie es der Fall war. Wenn man dann einzelne Elemente herausgreift und diese anpasst, tut man sich mMn schwer das ganze noch einmal in sich schlüssig neu zu gestalten. Was der Kühlergrill nun aber mit Aston Martin zu tun haben soll bleibt wohl das Geheimnis des Autors, genauso wie die angebliche Komplexität der Mittelkonsole. Mal abgesehen davon, dass dort bei den Testwagen das Sony Multimedia System eingebaut ist, das wahrscheinlich so gut wie kein Fiesta Käufer in seinem Wagen haben wird. Die Standard-Mittelkonsole ist super zugänglich und qualitativ sicherlich nicht schlechter als das von Sony. Das Sony Gerät hat nur kleinere Knöpfe, ist offensichtlich nicht so klar strukturiert und kostet natürlich einen saftigen Aufpreis.
2. optisch leider verschlimmbessert
Hypocrist 20.11.2012
Zitat von sysopAlle Hersteller reden von Verbrauchssenkungen, Ford spart schon mal los. Der runderneuerte Kleinwagen Fiesta sieht von außen fast aus wie der Alte, aber er trumpft mit der sparsamsten Motorenpalette seiner Klasse auf - und einem cleveren Feature zum Schutz von Fahranfängern. Der überarbeitete Ford Fiesta ist sparsamer und billiger geworden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/der-ueberarbeitete-ford-fiesta-ist-sparsamer-und-billiger-geworden-a-868087.html)
Schade - fand ihn bisher optisch stimmig & angenehm, habe immer gern hingeschaut, war mir sympathisch. Jetzt passt die Front irgendwie nicht mehr zum Rest des Autos. Der neue Grill wirkt deplatziert & aufgesetzt.
3. Ford....
kenterziege 20.11.2012
Zitat von sysopAlle Hersteller reden von Verbrauchssenkungen, Ford spart schon mal los. Der runderneuerte Kleinwagen Fiesta sieht von außen fast aus wie der Alte, aber er trumpft mit der sparsamsten Motorenpalette seiner Klasse auf - und einem cleveren Feature zum Schutz von Fahranfängern. Der überarbeitete Ford Fiesta ist sparsamer und billiger geworden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/der-ueberarbeitete-ford-fiesta-ist-sparsamer-und-billiger-geworden-a-868087.html)
..Ford,sind das nicht die, deren Autos wesentlich besser ist, als der Ruf der Marke? Pber Geschmack läßt sich bekanntermßen nicht gut streiten. Ich verstehe auch, daß man, um das EU-CO2-Ziel zu erreichen Kompromisse machen muß. Aber drei statt vier Zylinder... Na ja, wem Verbrauch vor Laufkultur geht, der kann das ja tun. Interessant finde ich die in den Schlüssel programmierten Erziehungshilfen für Fahranfänger. Der Zweck ist gut - ich zweifele, ob das was bringt. Es sind die mit Testosteron überladenen Jungen, die in Vettel/Schumi-Manier ihren Freundinnen imponieren wollen. Deifahren die Mädchen auch mit 120 km/h in den Tod. Da müßten ganz andere Maßnahmen her! Technisch und in Kombination mit der Fahrerlaubnis und Versicherungen wäre da manches möglich. Ob das dann gewollt ist?
4. Aston Martin?
ChrisQa 20.11.2012
Wie Herr 'Grünweg' aus diesen merkelchen Mundwinkelanleihen des Kühlergrills auf Aston Martins Grilldesign kommt, erschliesst sich mir nicht wirklich. Das Design des Autos finde ich in Summe etwas plump, nur das Heck spricht mich an. Ich persönlich habe auch lieber ein paar Schalter als einen Drehknopf, der mich zwingt von der Fahrbahn weg auf ein Display zu schauen oder gar einen Fummelbildschirm, den ich alle paar Tage sauber machen muss, damit ich was drauf sehen kann. Ob die Knöpfe unbedingt so in der Gegend verteilt sein müssen, lasse ich ma dahin gestellt. Den MyKey finde ich bei so einem Auto sinnfrei, bis man bei den Motörchen über 140 gekommen ist, steht der Wagen eh' schon vor'm Haus der Freundin oder der Disko. Wo ich zu meinem nächsten Kritikpunkt an dem Bericht komme. Ich bezweifle, dass Leute, die sich einen Kleinwagen zulegen (ich weiss, manche sehen Golf&Co. anders, mir fehlt da einfach der Sinn dafür), grossen Wert auf die Autobahntauglichkeit legen, das Verhalten des Motors bei Höchstgeschwindigkeit werden die meisten zukünftigen Besitzer solch eines Autos als eh' nicht mitbekommen. Herrn 'Grünwegs' Kritik in die Richtung ist somit unpassend. Die ST Version wird das Problem wahrscheinlich nicht haben.
5. Über Geschmack
willi2007 20.11.2012
lässt sich bekanntlich streiten. Meiner Meinung nach kann sich der neue Ford Fiesta durchaus sehen lassen. Neben den eher kosmetischen Änderungen, scheint mir die neue Motorenpalette das Interessanteste zu sein. Ein Verbrauch von 3,3 l Diesel auf 100 Kilometer lässt die Vision von dem Drei-Liter-Auto ja beinahe wahr werden. In Zeiten knapper und damit teurer werdenden Öls wird ein niedriger Verbrauch immer wichtiger. Für die steigende Zahl der Singles in Deutschland reicht ein Fiesta doch eigentlich vollkommen aus. Und die Preise scheinen mir nicht überhöht zu sein.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Ford-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 47 Kommentare
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Fiesta (2012)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Turbobenziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 125 PS (92 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 9,4 s
Höchstgeschw.: 196 km/h
Verbrauch (ECE): 4,3 Liter
CO2-Ausstoß: 99 g/km
Kofferraum: 295 Liter
umgebaut: 979 Liter
Maße: 3950 / 1973 / 1481
Preis: 17.570 EUR


Aktuelles zu