Ford und das Weltauto: Machen wir gleich!

Von Tom Grünweg

Ford und das Weltauto: Alles eins Fotos
Ford

Ein Auto, dass sich überall auf der Welt verkauft - das ist der Traum der Auto-Manager. Bisher aber sind alle Vereinheitlichungsversuche gescheitert. Nur bei Ford scheint diese Idee jetzt erstmals zu funktionieren - vor allem wegen eines Gefühls.

Ein Auto, das sich in gleicher Form auf allen Kontinenten erfolgreich verkaufen lässt, ist der Traum vieler Manager. Manche Konzerne haben es versucht - und sind gescheitert. Ob Toyota Corolla, Honda Civic, Ford Mondeo oder Fiat Palio: Sie alle waren sicher in einigen Ländern oder sogar Kontinenten erfolgreich, aber ein Welthit waren sie nicht

Dabei ist die Idee so verführerisch. Je mehr Gleichteile für Autos in unterschiedlichen Märkten eingekauft werden können, desto billiger werden sie; Betriebswirtschaftler nennen das Synergieeffekt. Auch teure Technik wird dann bezahlbarer, und dadurch werden die Autos besser. Diese Verheißung ist so verlockend, die Summen, die sich einsparen ließen, so gigantisch, dass auch die Risiken der Vereinheitlichung vernachlässigbar erscheinen: Wenn nämlich selbst kleine Fehler plötzlich riesige Auswirkungen haben kann, wie vor zwei Jahren, als Toyota 8 Millionen Autos zurückrufen musste.

Dass das Weltauto bisher scheiterte, lag aber vor allem an den Kunden: zu unterschiedlich waren die Vorlieben von asiatischen, amerikanischen und europäischen Kunden, als dass sie alle das gleiche Auto gekauft hätten. Das hat sich heute, in Zeiten der Globalisierung des Geschmacks, offenbar gewandelt. Weltweit werden die gleichen Bulettenbrötchen verspeist, die gleichen Computerspiele gespielt und die gleichen Smartphones begehrt. Da könnte es doch auch mit überall gleichen Autos funktionieren. Und siehe da, das tut es auch - bei Ford.

Das neue Wir-Gefühl

Die Firma mit dem pflaumenförmigen Logo steht, verglichen mit den heimischen Wettbewerbern General Motors (GM) und Chrysler, zumindest auf der Straße deutlich besser da. "One Ford" heißt die Ford-Strategie. Nicht mehr viele Modelle für viele Regionen, sondern eine Palette für die ganze Welt ist das Ziel, von dem es nur ein paar kleine Ausnahmen in den Nischen der Märkte gibt.

Europäer zum Beispiel erhalten weiterhin Stadtwägelchen wie den Ka exklusiv, und die US-Kunden werden mit Pickups wie dem F-150 versorgt. Allerdings: Statt bislang mehrere dutzend Plattformen sollen künftig zehn dieser viele hundert Millionen teuren Bodengruppen reichen, um die ganze Autowelt zu bedienen.

Einigkeit ist das Leitmotiv, seit Ex-Boeing-Topmanager Alan Mulally in Dearborn das Sagen hat. Ford setzt auf ein globales Wir-Gefühl. Statt die Konzernteile auf unterschiedlichen Kontinente gegeneinander auszuspielen, wie es bei GM mit Opel (Europa) und Chevrolet (USA) geschieht, wird in der Ford-Community kooperiert.

Spritspar-Experten aus Europa

Die Europäer entwickeln für die ganze Ford-Welt die Klein- und die Kompaktwagen und gelten zudem als die Spritsparexperten; unter europäischer Führung entstand daher die Ecoboost-Technik für aufgeladene Benzinmotoren.

Die US-Amerikaner dagegen kümmern sich um größere Limousinen, um Geländewagen und um die Elektrifizierung des Antriebs vom Hybridtypen über Plug-In-Varianten bis hin zum elektrischen Focus. Auch andere Regionen machen mit: Der kleine Möchtegern-Geländewagen Eco-Sport, der ab nächstem Jahr hierzulande gegen Autos wie den Opel Mokka antreten soll, wurde beispielsweise in Südamerika entwickelt.

Was bei diesem Konzept im Gegensatz zu GM und Chrysler heraus kommt, ist eine Firmenfamilie, in der mehr Frieden herrscht - und die deswegen die besseren Autos produziert. Und die sind alle (fast) gleich.

Denn natürlich sind Weltautos nach modernen Maßstäben nicht überall auf der Welt bis zur letzten Schraube exakt gleich. Bei Ford zum Beispiel gibt es für die US-Kunden weiterhin V6-Motoren, für die Klientel in Europa Dieselaggregate und Kombimodelle und in China oder Amerika steht der Kleinwagen Fiesta auch in einer Stufenheckvariante zum Verkauf. Der teure Unterbau jedoch ist überall derselbe. Der Rest sind Anpassungen im Detail, die mit flexiblen Baukästen und modularen Elektroniksysteme schnell und billig möglich sind.

Ein Weltauto ist überall gleich - mit kleinen Unterschieden

Was durch die Vereinheitlich an Entwicklungskapazität gespart wird, kommt der Feinarbeit zugute. Die Benzinmotoren aus der Ecoboost-Reihe punkten in den meisten Testberichten; der Dreizylinder etwa hat den Titel "Engine of the Year" abgeräumt. Das Infotainmentsystem SYNC mit Sprachsteuerung und angeblich kinderleichter Integration mobiler Endgeräte ist der Star vieler Computermessen. Und immer wieder gibt es interessante Nischenmodelle wie den B-Max mit einem einzigartigem Türkonzept.

Im ersten Halbjahr 2012 verkaufte Ford weltweit 2,8 Millionen Autos. Damit ist der Hersteller rein nominell die Nummer sechs der Autowelt und also gar nicht die ganz große Nummer. Die Finanzkennzahlen sind ok, aber bei weitem nicht überragend. "Ford ist nicht schlecht, aber auch nicht der neue Maßstab der Branche", sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer.

Ford holt auf anderen Kontinenten erfolgreiche Autos nach Europa

Trotzdem bersten die Ford-Verantwortlichen geradezu vor Optimismus. In den nächsten fünf Jahren sollen in Europa 15 neue Autos lanciert werden. Das geht nur mit dem Weltauto-Ansatz. Denn was da alles auf unsere Straßen kommt, ist größtenteils nicht wirklich neu und teuer entwickelt. Sondern diese Autos fahren schon auf anderen Kontinenten und sollen jetzt für kleines Geld die Lücken im Sortiment füllen: Die Neuauflage des Flaggschiffs Mondeo ist ein amerikanischer Fusion und der neuen Kuga für Europa wird in den USA bereits als Escape angeboten.

Dazu gibt's in der Klasse der größeren Geländewagen den US-Import Edge und bei den Mini-SUVs den Südamerika-Import Eco-Sport. Ganz neu ist nur der Mustang, der 2014 zum 50. Geburtstag des legendären Sportwagens erwartet wird und dank "One Ford" endlich auch offiziell nach Europa kommt. Spätestens damit dürfte Mulally auch die PS-Puristen von der Globalisierung überzeugen.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Wird nicht klappen
papayu 30.09.2012
denn jeder Autokaeufer will individuell sein und wenns noch so eine Kleinigkeit ist. Er moechte sein 'persoenliches' Auto fahren. Ging schon damals mit dem Kaefer los.Standard war nicht viel gefragt, Export war das Modell, obwohl kaum welche exportiert wurden. Zubehoer wurde angeboten. Aussenbords Sonnenblenden, verchromte Radkappen, doppelte Stossstangen. Damals gab es eine riesige Umtauschaktion der Taxis. Aus dem traditionelle Schwarz wurde weiss. Angeblich soll es bei weissen nicht so heiss im Innenraum sein. Wie waers jetzt wieder mit der Tausche, schwarz gegen weiss, die schwarzen haben dann alle Klimaanlage!!! Herr Zetsche, was ist Ihnen diese Idee wert. Gebe Ihnen gerne meine Kontonummer!!
2.
schwanal 30.09.2012
Zitat von sysopEin Auto, dass sich überall auf der Welt verkauft - das ist der Traum der Auto-Manager. Bisher aber sind alle Vereinheitlichungsversuche gescheitert. Nur bei Ford scheint diese Idee jetzt erstmals zu funktionieren - vor allem wegen eines Gefühls. Der US-Hersteller Ford ist mit einer Weltauto-Strategie erfolgreich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/der-us-hersteller-ford-ist-mit-einer-weltauto-strategie-erfolgreich-a-854245.html)
Das sind doch keine Synergieeffekte, sondern Skaleneffekte die der Autor da beschreibt...
3. Ford ?
FiveCent 30.09.2012
Eigentlich sollte es in Zukunft Toyota werden als ich hörte, dass meine Lieblingsmarke Alfa Romeo eventuell von Ekel VW geschluckt werden soll. Ich werde mir auf jedenfall den Ford als Kombi mal anschauen.
4. SPON mal wieder daneben
karl08 30.09.2012
Zitat von sysopJe mehr Gleichteile für Autos in unterschiedlichen Märkten eingekauft werden können, desto billiger werden sie; Betriebswirtschaftler nennen das Synergieeffekt.
Das ist kein Synergieeffekt, sondern Mengenrabatt. Siehe: Synergie (http://de.wikipedia.org/wiki/Synergie)
5.
think_tank 30.09.2012
Zitat von sysopStatt bislang mehrere dutzend Plattformen sollen künftig zehn dieser viele hundert Millionen teuren Bodengruppen reichen, um die ganze Autowelt zu bedienen.
Hört sich an als ob das Ford-Marketing den Text geschrieben hat. Aber vielleicht hat Spiegel-Online ja noch Ändrungen eingebaut. Ist VW da nicht schon weiter? Sie kommen AFAIK inzwischen doch schon mit nur einer einzigen Plattform aus.
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