Design-Projekt Staatskarosse Dienstwagen von einem anderen Stern

Wenn Minister vorfahren, bietet sich das immer gleiche Mercedes-Audi-BMW-Bild. Abwechslung täte gut. Deshalb rief Verkehrsminister Tiefensee zum Design-Projekt "Regierungslimousine der Zukunft" auf. SPIEGEL ONLINE zeigt die Ergebnisse.

Von Jürgen Pander


Die Zukunft gehört den Elektroautos - das ist der Standpunkt von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Und um diese Zukunft zu verwirklichen, brauche es "nicht nur technische Innovationen, sondern auch Kreativität in der Gestaltung", erklärte der SPD-Politiker Freitagvormittag in Berlin. Auf dem Washingtonplatz, der großen Freifläche vor dem Hauptbahnhof mit Blick auf das benachbarte Regierungsviertel, wurden elf Staatslimousinen der Zukunft präsentiert, entworfen von Teilnehmern des Studiengangs Transportation Design der Hochschule Pforzheim.

Noch sind diese Autos Visionen. In Berlin standen die Entwürfe - vergrößert auf die Originalmaße der Fahrzeuge - noch als Abbildungen auf Holzplatten aufgezogen. Doch klar scheint: Die Tage der immer gleichen Luxuslimousinen, meist in Schwarz, Dunkelgrau oder Silber lackiert, sind gezählt. "Wir sind auf dem Weg in eine neue Verkehrswelt", sagte Tiefensee, "da dürfen wir in allen Bereichen ganz neu denken." Klima-Effizienz sei nicht nur eine Notwendigkeit, sondern bedeute eine neue Freiheit - auch für die Phantasie.

Der ließen die Studenten freien Lauf. Bei sämtlichen Konzepten handelt es sich um Elektrofahrzeuge. Ob mit Batterien, Brennstoffzellen oder Verbrennungsmotoren als Stromerzeuger an Bord, ob mit Magnetschwebetechnik oder als Hybridfahrzeug - ausnahmslos sollen die Repräsentationsfahrzeuge von Morgen durch Techniken angetrieben werden, die heute noch unter alternative Antriebe subsumiert werden. Tiefensee: "Die Modelle sollen Aufschluss darüber geben, wie umweltfreundliche Antriebe und praktische Innenausstattung in ein ansprechendes, innovatives Design verpackt werden können."

Erstes Studien-Projekt: Entwerfen Sie eine Staatskarosse

17 Wochen lang arbeiteten die elf Studenten, allesamt Teilnehmer des Bachelor-Kurses im dritten Semester, an ihren Fahrzeugen. Die Bandbreite der Ideen ist verblüffend und spektakulär - zumal alle mit der gleichen Aufgabenstellung ans Werk gingen. Bei einem Treffen mit dem Bundesverkehrsminister zum Start des Projekts hatte dieser auf die zentralen Anforderungen für ein ideales Dienstfahrzeug hingewiesen. Dann war die Kreativität des Nachwuchses gefragt, der unter der Leitung von Design-Professor Lutz Fügener Beachtliches zu Papier brachte.

Neben dem Antriebskonzept und dem oft spektakulären Außendesign, ging es vor allem auch darum, einen möglichst sinnvoll nutzbaren Innenraum für die potentiellen Nutzer zu konzipieren. Die Minister sollen in dem Auto arbeiten, kommunizieren oder entspannen können. Und was das Repräsentieren betrifft - nun, das ist bei einigen Typen sicherlich Geschmacksache, aber auffallen würden sie mit jedem dieser Entwürfe ganz sicher.

Die Fotos werden nach der heutigen Premiere in Berlin noch bei der Werkschau der Hochschule in Pforzheim gezeigt und im September bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert.

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