Designstudie Mini Vision: Gefangen in der Retro-Falle

Von Jürgen Pander

Designstudie Mini Vision: Alles im Rahmen Fotos
BMW

Blendende Verkaufszahlen und ein Image wie aus dem Marketing-Bilderbuch - eigentlich dürfte am Mini nichts verändert werden. Nun gab der Hersteller einen ersten Vorgeschmack auf die nächste Baureihe. Die Frage ist: Wie viel Wandel verträgt der Retro-Look?

Früher war alles besser: Auf diesem Motto basiert der Erfolg des Kleinwagens Mini. Das Remake der britischen Auto-Ikone durch den BMW-Konzern gilt seit 2001 in der Branche als beispielhaft. Die aktuelle Modellgeneration kam 2006 auf den Markt, inzwischen gibt es sieben Varianten. "Jetzt", sagt Mini-Design-Chef Anders Warming, "heben wir das Design des Autos auf ein neues Niveau."

Dann geht das Licht aus in dem fensterlosen Raum im Forschungs- und Innovationszentrum von BMW im Norden Münchens, und es erscheint die dreidimensionale Projektion eines Autos. Warming stellt es unter dem Namen Mini Vision vor. Der Wagen gebe einen "virtuellen Eindruck der nahen Zukunft", sagt Adrian van Hooydonk, Designchef der BMW Group. Der neue Mini, der voraussichtlich im November erstmals enthüllt werden wird, soll diesem 3-D-Modell im Farbton Glamorous Gold sehr ähnlich sehen.

Was fällt auf an der Designstudie? Vor allem, dass auch der künftige Mini eindeutig als Nachfahre des Kleinwagen-Klassikers von 1959 zu erkennen ist. Etwa an den extrem kurzen Überhängen - nach den Hinter- und Vorderrädern folgen nur noch wenige Zentimeter Karosserie. Oder an der klaren Dreiteilung zwischen Fahrzeugkörper, durchgehendem Fensterband und Deckeldach. Die typisch bulligen Proportionen hat der Wagen sich ebenfalls bewahrt, genau wie eine insgesamt zutrauliche Ausstrahlung dank Kulleraugen-Scheinwerfern und Apfelbäckchen-Radhäusern.

Auffällig ist vor allem der Rahmen, der sich von den Schwellern rund um die Radhäuser bis hoch zur A-Säule windet - das sogenannte Black Band. Veränderungen gibt es ansonsten allenfalls in den Details. Mini-Designchef Warming sagt: "Wir haben die bekannte Rundlichkeit durch ein paar neue, scharfe Linien ergänzt." Die finden sich zum Beispiel in den vorderen Stoßfängern oder rund um die Rückleuchten am Heck. Und die ovalen Scheinwerfer werden jetzt von einem Kringel aus LED-Leuchten umrahmt.

Praktischer Union Jack

Während die äußere Form nur behutsam verändert wurde, waren die Mini-Designer im Innenraum mutiger. Das Interieur der Studie wirkt frisch und außergewöhnlich, dominierendes Element bleibt jedoch ein kreisrunder, zentral auf der schmalen Armaturentafel angeordneter Bildschirm. Originell sind die Türtafeln gestaltet, mit flexiblen Bändern in Form des Union Jack zum Fixieren von Zeitschriften, Getränkeflaschen oder Kleinkram.

Außerdem gibt es einen Schalter, mit dem sich nicht nur Fahrwerk, Lenkung und Gasannahme verändern lassen, sondern - je nach aktiviertem Modus - auch die Instrumenten- und Innenraumbeleuchtung sowie die Bildschirmgrafik.

Man muss jetzt nicht groß diskutieren über dieses oder jenes Detail, denn wie das reale Auto letztendlich aussehen wird, weiß ohnehin noch keiner außer den Mini-Designern. Eines steht aber fest: Mini sitzt in der Retro-Falle.

Fluch einer Ikone

Denn jeder neue Mini muss ein formaler Rückbezug auf den revolutionären Kleinwagen von Alec Issigonis sein. Er darf auf keinen Fall zu weit abweichen von dem über fünfzig Jahre alten Ur-Design. Was soll man an einer solchen Ikone also verändern, ohne die spezielle Aura des Autos zu zerstören?

Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim, sagt: "Das Problem am Retro-Design ist, dass es keine logische Weiterentwicklung in der Form gibt." Zwar könne man gelegentlich technologische Innovationen wie LED-Scheinwerfer oder neue Leichtbaumaterialien hinzufügen, doch "die Form müsste man eigentlich so lassen, wie sie ist".

Einziger Ausweg, um dennoch Abwechslung ins immer gleiche Schema zu bringen, sind neue Modellvarianten. Auch hier ist der Mini das beste Beispiel, es gibt ihn unter anderem als Cabrio, Roadster, Kombi und SUV. Das Grundmodell wird jedoch - wenn überhaupt - nur ganz behutsam angetastet.

"Mini steht mit dieser Problematik nicht allein da", sagt Fügener. "Der Porsche 911 hat ein ähnliches Problem und die Morgan-Modelle auch." Eine neue Generation dieser Fahrzeuge werde immer daran gemessen, wie stark sie die erfolgreich festgelegte Grundform fortführt.

Das Phänomen gebe es allerdings auch bei Autotypen, die kein bisschen retro seien, meint Fügener. "Alles, was sich sehr gut verkauft, wird nur sehr dezent verändert." Das gilt eben auch für Mini. Designchef Warming sagt deshalb: "Wir wissen, dass wir an einer Ikone arbeiten, und werden damit sehr sorgfältig umgehen." Die Einhaltung des Versprechens, das Auto auf "ein neues Niveau" zu heben, wird damit zu keiner einfachen Aufgabe.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Der Mini...
fatherted98 26.07.2013
....ist kein Mini mehr...sondern ein Maxi...neben meinem Kombi ist der ja fast gleich groß bzw. lang....allerdings ohne Ladefläche....gefallen tut er mir ja...aber es ist halt ein Spaß Auto...mal zum ausleihen...aber eben nix praktisches für den Alltag.
2. ... Schickimicki ...
SchwesterPolyester 26.07.2013
An dem völlig überteuerten Schickimicki-Auto darf nichts geändert werden, die Zielgruppe würde das emotionell und vorallem intellektuell sicher nicht verkraften! http://i.imgur.com/gpALGIH.gif
3. Mini und Citroën DS 3
raber 26.07.2013
Gut gelungenes Design und die Mini-Eigenschaften sind voll zu erkennen. Es ist eine sehr saubere Fortsetzung und dürfte auch die Erfolgsgeschichte verlängern. Vom Design und Grösse her sehe ich nur den Citroën DS3 als Konkurrenten.
4. Retrodesign ist ein Irrweg an sich..
peinbe 26.07.2013
.. und muss zwangsläufig in eine Sackgasse führen. Allerdings ist die kommerzielle Ausbeutung von vermeintlichen Kultobjekten scheinbar lukrativ. Diese Dinger sind total überteuert, für das was sie bieten. Aber aus Vernunft kauft natürlich niemand einen Mini.
5. Luxisproblem
RGFG 26.07.2013
BMW hat mit dem Mini, wie Porsche mit dem 911, ein ziemliches Luxusproblem - die Grundform nicht so sehr verändern zu dürfen, ach herrje, d kann ich mir Schlimmeres vorstellen. Auf der anderen Seite wird dann gemeckert, dass die eine oder andere Variante viel zu sehr vom Mini-Konzept abweichen würde. Ganz ehrlich - behutsam weiterentwickelte Formen, die den Fahrzeugcharakter bewahren, sind mir da allemal lieber, als ein Honda Accord oder Toyota Corolla, die nur noch ein Name auf völlig unterschiedlichen Autos sind (bzw. im Falle des Toyota waren - irgendwann haben sie das Ding Auris genannt, was dann immerhin ein konsequenter Schritt war).
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Mini-Modelle
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 66 Kommentare
Facebook
Fotostrecke
Mini-Modelle: Karosserievarianten in der Übersicht

Fotostrecke
Mini-Historie: Einfach mal quer gedacht


Aktuelles zu