Detroit Auto Show Protz, Prunk, PS

Detroit feiert sein Comeback. Amerikas Autokonzerne zelebrieren auf der Auto Show ihre neue Stärke. Vergessen sind die mageren Zeiten, es dominieren PS, Geschwindigkeit und viel Blech. E-Modelle? Spritsparer? Fehlanzeige.

Tom Grünweg

Die Ränge der Joe Louis Arena in Detroit sind dicht besetzt, die Musik bis zum Anschlag aufgedreht, die Show erinnert an einen Parteitag zur US-Präsidentenwahl. Plötzlich zerfetzt die tennisplatzgroße Leinwand, vier neue Ford F-150 Pick-ups rollen auf die Bühne: die Neuauflage von Amerikas beliebtestem Auto.

Der Auftritt gleich zu Beginn der Detroit Auto Show hat Symbolkraft. Nicht nur, weil der F-150 seit 32 Jahren der US-Bestseller ist. Sondern vor allem, weil die Weltpremiere vom wiedergefundenen Selbstvertrauen der US-Autobauer kündet - und das endgültige Comeback der einstigen Krisenmarken markiert. (Sehen Sie hier eine Übersicht der Neuheiten).

Nach dem Tiefpunkt 2009 war die Stimmung bereits in den vergangenen Jahren besser, jetzt ist sie euphorisch. Auch die Messehallen wurden für 300 Millionen Dollar frisch renoviert im Foyer der Cobo-Hall sind neue Teppiche ausgerollt.

In diesem Umfeld überbieten sich die Autobosse mit positiven Prognosen und enthüllen einen Traumwagen nach dem anderen. Neben dem F-150 feiert in Detroit auch der neue Ford Mustang Messe-Premiere, die 630 PS starke Corvette Z06 gibt ihren Einstand, und eine Armada von SUVs und Pick-ups bei den GM-Marken Chevrolet, GMC und Cadillac bieten dem Evergreen F-150 Paroli. Nur Chrysler hält sich in diesem Muskelspiel zurück. Was auch daran liegt, dass die einzige echte Neuheit die Limousine Chrysler 200 ist.

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Detroit Auto Show: Protz, Prunk und PS
Deutsche Autobauer in Jubellaune

Die Importeure stimmen in den Jubel ein. Mercedes-Chef Dieter Zetsche frohlockt, das abgelaufene Jahr sei eines der besten Jahre in der US-Geschichte der Marke gewesen, Mercedes sei nun wieder die erfolgreichste deutsche Premiummarke (vor BMW). Dann enthüllt Zetsche Nischenmodelle wie den S 600 mit Zwölfzylindermotor und den 360 PS starken Kompakt-SUV GLA 45 AMG - und als Höhepunkt die neue C-Klasse, die als weltweit volumenstärkstes Modell der Schwaben künftig auch in den USA gebaut wird.

Audi-Chef Rupert Stadler und BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson wirken hoch zufrieden, als sie Neuheiten wie das Audi Allroad Shooting Brake Concept oder die BMW-Typen M3 und M4 enthüllen. Selbst VW-Boss Martin Winterkorn hat bei seinem Messeauftritt ein Lachen auf den Lippen. Obwohl die Niedersachsen zuletzt einen Dämpfer auf dem US-Markt erhielten und die einzige Neuheit eine Cross-over-Variante des Beetle ist, verkündet er erneut das Ziel, im Jahr 2018 auf dem US-Markt eine Million Autos der Marken VW und Audi verkaufen zu wollen.

Die kleinen Sparer sind aus den Hallen verbannt

Mit dem Erfolg und dem Selbstvertrauen feiert auch die schon überwunden geglaubte Unvernunft ein Comeback. Ja, der Ford F-150 hat dank Aluminium-Karosserie mehr als 200 Kilo abgespeckt, die Corvette verfügt über eine Zylinder-Abschaltung, und die neue Mercedes C-Klasse benötigt im besten Fall nur vier Liter Sprit auf 100 Kilometer. Doch das sind in Detroit bloß Fußnoten. Denn: Über den Verbrauch spricht auf der Messe fast keiner. Neue Kleinwagen gibt es hier nicht, Elektrofahrzeuge sind fast gar kein Thema mehr.

Es ist, als hätte einer den Stecker gezogen, unken manche Messebesucher. Nur einer steht offenbar noch immer unter Strom: Ausgerechnet der ewige Vollgas-Manager Bob Lutz, ehemals GM, baut sich tapfer vor einem auf E-Antrieb umgerüsteten Pick-up auf und predigt den Wechsel zum Akku-Auto. Doch es hört ihm kaum jemand zu. Stattdessen strömt das Publikum zu Typen wie der Supersportwagenstudie Toyota FT-1 oder zum neuen Porsche 911 Targa.

Motor City macht seinem Namen wieder alle Ehre

Was nicht auf Anhieb nach Sportwagen aussieht, setzt trotzdem auf Protz, Prunk und PS. Der neue Hyundai Genesis zum Beispiel nimmt sich den 5er BMW zum Vorbild, und bei Infiniti und Lexus orientiert man sich ebenfalls an den Münchnern: Die Nissan-Schwester zeigt mit dem Q50 Eau Rouge einen Gegner für den M3, und der Toyota-Ableger Lexus gibt mit dem Modell RC-F die Antwort auf den M4.

So bleibt am Ende eines extrem lauten und bunten Messebesuchs ein zwiespältiger Eindruck: Die guten Vorsätze scheinen mitsamt den Kleinwagen, Elektroautos und Hybrid-Fahrzeugen auf der Strecke geblieben zu sein. Dafür nimmt die gesamte Branche in den USA weiter Fahrt auf. Die Stadt Detroit selbst mag pleite sein, aber Motor City steht besser da als je zuvor.



insgesamt 74 Beiträge
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webman 14.01.2014
1. es ist eben einfach ................
wunderschön - nicht an die zukunft zu denken ! :)
raber 14.01.2014
2. Ford F-Serie und zukünftige europäische Pick Ups
Der Ford F-150 bis 350 ist auf keinen Fall ein schönes Auto aber für die USA praktisch. Innen viel Platz, eine grosse Motorenauswahl und viel Ladefläche und alles zu attraktiven Preisen. Nachdem die Europäer endlich SUVs anbieten, werden sie wohl irgendwann auch das riesengrosse Pick-Up Segment "entdecken". VW hat mit dem Amarok schon den Anfang gemacht. Die Japaner sind schon seit Jahrzehnten dabei. Die Koreaner fehlen noch mit guten Modellen. Da ist viel Geld in dem Segment.
winterfichte 14.01.2014
3. Geile Dinger
Ja, die USA hat die Antwort auf die Energiekrise: Selbstversorgung. Und weil das nicht nur mit Windmühlen und Solar geht, sondern mit eigenem Öl, Gas und Fracking, müssen wir das natürlich verurteilen. Allein Fracking erlebt hier ein bashing und kaum einer weiß wirklich, was da passiert. Brandenburgs Braunkohletagebaue richten viel mehr Umweltschäden an. Im kalssichen Bergbau sterben viel mehr Menschen als in der Förderung und Erzeugung von Öl, Gas, Fracking und Atomkraft zusammen. Dafür hat die USA superbillige Energiepreise, lässt das Benzin günstig und wirft so den Motor für Wirtschaftswachstum an. Wir in Europa reden über Eurokrise, Enteignung der Sparer und haben die teuersten Energiepreise der westlichen Welt. Aber klar, wir wissen alles besser...
barlog 14.01.2014
4.
Ich Unwissender meinte auf Bild 1 ein Auto der sog. Kompaktklasse (also Golf usw.) zu erblicken, musste aber lernen, daß es sich hier um ein "Allroad Shooting Brake Modell in der Optik eines SUV-Coupé" handelt.
der_diskutant 14.01.2014
5.
Zitat von winterfichteJa, die USA hat die Antwort auf die Energiekrise: Selbstversorgung. Und weil das nicht nur mit Windmühlen und Solar geht, sondern mit eigenem Öl, Gas und Fracking, müssen wir das natürlich verurteilen. Allein Fracking erlebt hier ein bashing und kaum einer weiß wirklich, was da passiert. Brandenburgs Braunkohletagebaue richten viel mehr Umweltschäden an. Im kalssichen Bergbau sterben viel mehr Menschen als in der Förderung und Erzeugung von Öl, Gas, Fracking und Atomkraft zusammen. Dafür hat die USA superbillige Energiepreise, lässt das Benzin günstig und wirft so den Motor für Wirtschaftswachstum an. Wir in Europa reden über Eurokrise, Enteignung der Sparer und haben die teuersten Energiepreise der westlichen Welt. Aber klar, wir wissen alles besser...
Ganz genau! Und wenn es sich in 50 Jahren aus bisher noch nicht bekannten Gründen als äußerst schädlich herausstellt, haben wir ein Problem. bzw. unsere Kinder. Und das legitimiert das Anrichten weiterer Schäden? Kurz- und mittelfristig funktioniert das auch erstklassig. Aber jetzt denken Sie bitte mal mehr als eine Generation weiter. Wer sind Sie eigentlich, der es sich herausnimmt, dass unsere Kinder und Kindeskinder und deren Kindeskinder eine Welt vorfinden, in der ein Leben, wie wir es heute kennen, vielleicht gar nicht mehr möglich ist? Und das alles nur, um den Motor der Wirtschaft künstlich am Laufen zu lassen? Mit Strukturen und Verhaltensweisen, die offensichtlich langsam zusammenbrechen?
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